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Das lange Wattestäbchen wird bei dem Test zehn Mal in der Nase gedreht, so auch bei NNP-Mitarbeiterin Mariam Nasiripour.

Coronavirus eindämmen

Mehr Schutz dank Antigen-Schnelltests

  • vonMariam Nasiripour
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  • Rolf Goeckel
    Rolf Goeckel
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Seniorenzentren und Krankenhäuser im Kreis Limburg-Weilburg wollen so für mehr Sicherheit sorgen.

Limburg -Es gibt wieder einen Lockdown und wieder geht es darum, Menschen, die zur Risikogruppe gehören, zu schützen. Beim ersten Lockdown im Frühling haben deswegen alle Senioren- und Altenzentren sowie Pflegeheime ihre Türen für Besucher geschlossen. Um einer Vereinsamung der älteren Bewohner entgegenzuwirken und Besucher zuzulassen, hat sich nun unter anderem die Schottener Wohn- und Pflegeeinrichtung in Kirberg dazu entschieden, bei allen Besuchern und Bewohnern ein Antigen-Schnelltest durchzuführen. Dieser wird seit dem 10. November an zwei Tagen in der Woche, dienstags und donnerstags, durchgeführt. Auch weitere Pflegeheim und die Krankenhäuser in der Region setzen auf die Tests.

Vor dem Eingang der Einrichtung wurde in Kirberg wurde extra ein Zelt errichtet, in dem die Schnell-Tests gemacht werden. Nachdem die Hände desinfiziert sind, muss ein Zettel mit den Kontaktdaten ausgefüllt und unterschrieben werden. Danach geht es in eine kleine Kabine mit nur einem Stuhl, wohin eine Pflegekraft mit dem langen Wattestäbchen kommt. Der erste Gedanke: "Das wird bestimmt unangenehm." Das ist es auch. Das Stäbchen wird tief in die Nase gesteckt und zehnmal gedreht. Jetzt heißt 15 Minuten warten und bangen.

Nach kurzer Zeit erscheint ein kleiner roter Strich auf dem Plättchen mit dem Genmaterial aus der Nase, es ist ein wenig wie bei einem Schwangerschaftstest. Der rote Strich besagt, dass der Test richtig durchgeführt wurde. Jetzt darf sich nur nicht ein zweiter roter Strich dazu gesellen, denn dann heißt es Corona-Positiv. Gott sei Dank ist das Testergebnis aber negativ.

Den Antigen-Test führt die Einrichtung in Kirberg einmal die Woche bei Besuchern und Bewohnern durch, bislang über 350 Mal. Unter den Mitarbeitern wird er nur anlassbezogen durchgeführt, wenn etwa ein Familienmitglied direkten Kontakt mit einem positiv getesteten Menschen hatte. In einem solchen Fall wurde auch bereits eine Mitarbeiterin positiv getestet - und gelangte so gar nicht erst ins Seniorenheim. Ansonsten unterziehen sich die Mitarbeiter übrigens einmal pro Woche einem PCR-Test.

"95 Prozent der Besucher lassen sich testen. Und auch die Bewohner nehmen das Angebot gut an. Das hätten wir so nicht gedacht", erklärt Nicole Klingenberg, die in der Verwaltung arbeitet. Der Test sei von einem deutschen Hersteller und kostet die Einrichtung jeweils 5,70 Euro. Wenn das Testergebnis negativ war, darf man hinein. Dort wird noch einmal die Temperatur gemessen: 36,6 Grad. Dann wird eine FFP2-Maske ausgehändigt und man kann eintreten. Besucher, die sich nicht testen lassen wollen, die gibt es auch, laut Klingenberg, dürfen nur in den Besucherraum und dort ihren Angehörigen sehen. Der Rest des Hauses ist dann für sie tabu: "Zu groß die Gefahr einer Ansteckung der Bewohner oder Mitarbeiter."

Coronavirus soll nicht

unkontrolliert ins Haus

Im Kreiskrankenhaus Weilburg werden alle ambulanten Patienten, die entweder eine Operation oder Endoskopie vornehmen lassen, mit Antigen-Schnelltests auf das Coronavirus getestet. "Das ist eine rein präventive Maßnahme ohne klinische Symptomatik, damit das Coronavirus nicht unkontrolliert ins Haus kommt", erklärt Chefarzt und Krankenhaus-Hygieniker Dr. Markus Hofmann. Damit folge das Weilburger Krankenhaus einer Richtlinie, auf die sich die Krankenhäuser des Versorgungsgebiets fünf (Wiesbaden, Rheingau-Taunus-Kreis und Landkreis Limburg-Weilburg) in einer Konferenz am 17. November geeinigt haben und die von heute an flächendeckend umgesetzt werden soll.

Getestet würden in Weilburg auch sämtliche Patienten der Neurochirurgischen Praxis, wenn sie im Krankenhaus operiert werden, sagt Dr. Hofmann. Außerdem sollen sämtliche Mitarbeiter, die in den vier Risikobereichen des Krankenhauses - Notaufnahme, Covid-Station, Geriatrie und Intensivstation - tätig sind, alle 14 Tage einem Antigen-Test unterzogen. "Mitarbeiter, die Sorgen haben, oder in den Nicht-Risikobereichen arbeiten, werden aber nicht abgewiesen", so Dr. Hofmann.

Eine weitere wichtige Präventivmaßnahme sei das weiterhin geltende Besuchsverbot. Allerdings gebe es dort etliche Ausnahmen - und auch dabei würden Antigen-Schnelltests eingesetzt, erläutert der Weilburger Chefarzt. Ausnahmen seien beispielsweise Angehörige von sterbenden Patienten oder minderjährigen Kindern, Notare und Anwälte, die mit Patienten etwas zu regeln haben oder auch Seelsorger. Sie alle müssen per Schnelltest auf das Coronavirus getestet werden, wobei diese Tests nur 24 Stunden gelten. Das bedeutet: "Wer am nächsten Tag wiederkommt, muss sich erneut testen lassen", so Hofmann.

Bei den stationären Patienten der Weilburger Klinik werden weiterhin PCR-Tests eingesetzt - falls sie während ihres Aufenthalts klinische Symptome zeigen. Hofmann rechnet mit dem Einsatz von bis zu 2000 Antigen-Tests pro Monat, die nach einer am Mittwoch erteilten Zusage des Zulieferers auch zur Verfügung stehen werden. Die Kosten pro Schnelltest betragen fünf bis zehn Euro. Zum Vergleich: Der PCR-Test kostet 59 Euro pro Stück.

Alle Besucher müssen

sich künftig testen lassen

Vom heutigen Montag an werden Antigen-Schnelltests auch im Hildegard von Bingen Senioren-Zentrum St. Georg in Limburg eingesetzt, erklärt Sprecher Bernhard Rössler. Alle Mitarbeiter und Bewohner würden einmal pro Woche getestet. Bei einem positiven Ergebnis werde zusätzlich ein herkömmlicher PCR-Test gemacht, der eine größere Aussagekraft besitze. Auch sämtliche Besucher des Seniorenzentrums müssten sich testen lassen, so Rössler.

Die Limburger Caritas will in ihren Seniorenheimen, in der Wohnungslosenhilfe und in den ambulanten Pflegediensten möglichst noch im Dezember Antigen-Schnelltests anbieten, erklärt Sprecherin Veronika Klum. Dies gelte für Patienten, Bewohner und Mitarbeiter, allerdings auf freiwilliger Basis, wie Klum betonte. "Wir versprechen uns davon, dass wir eine Coronainfektion frühzeitig erkennen können." Bevor es soweit ist, müsse allerdings noch ein Musterkonzept erstellt und dem Hessischen Sozialministerium vorgelegt werden. Auch seien die Fachkräfte, die diese Tests durchführen, entsprechend zu schulen und die Lieferung der Tests sicherzustellen, sagt Klum.

Auch das Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus setzt Antigen-Schnelltest ein, berichtet der Ärztliche Leiter der Krankenhaushygiene PD Dr. Björn Zietz. "Bei Infektionsverdacht wird häufig sofort ein PCR-Test als Goldstandard durchgeführt, zum Teil auch ein Antigen-Test plus PCR. Antigen-Tests werden vorzugsweise zum Screening asymptomatischer Patienten oder Mitarbeiter verwendet", erläutert Zietz.

Mitarbeiter würden seit dem Frühjahr anlassbezogen, zum Beispiel nach Kontakten, getestet. Hierbei würden häufiger auch die Mitarbeiter ganzer Stationen getestet. Zusammen mit dem Vollscreening aller aufzunehmenden Patienten werde jetzt auch ein regelmäßiges Reihentesten der Mitarbeiter eingeführt. Dieses werde in der Häufigkeit entsprechend der Patientennähe durchgeführt. Besonders engmaschig sollen Mitarbeiter, die Covid-19-Patienten behandeln, getestet werden, so der Mediziner.

Antigen-Tests hätten den Vorteil, dass sie erheblich schneller verfügbar seien, kein Labor benötigten und kostengünstiger seien. Im St.-Vincenz-Krankenhaus, so Zitz, wurden bisher etwa 1000 solcher Tests eingesetzt. "Leider bestehen sowohl bei den Antigentests als auch den PCR-Tests zurzeit Lieferengpässe."

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