In einem Prozess wurde ein 36-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.
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In einem Prozess wurde ein 36-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Prozess

Mehrjährige Haftstrafe für Messerattacke

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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LIMBURG Gefährliche Körperverletzung, kein versuchter Totschlag

Wegen gefährlicher Körperverletzung muss ein 36 Jahre alter Mann aus dem Rhein-Lahn-Kreis drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Für das Gericht steht fest, dass er im vergangenen Sommer einen Bekannten mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt hat. Den in der Anklageschrift formulierten Vorwurf des versuchten Totschlags wies Richter Andreas Janisch zurück, weil der Täter zwar zunächst intensiv auf sein Gegenüber eingestochen habe, aber von ihm abließ, als er dessen schwere Verletzungen sah. Die Merkmale des versuchten Totschlags seien damit nicht erfüllt, sagte Janisch bei der Urteilsbegründung. Oberstaatsanwalt Joachim Herrchen hatte eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten, der Anwalt des Opfers ebenfalls eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags gefordert. Der Verteidiger des 36-Jährigen hatte die Schuldfähigkeit seines Mandanten in Zweifel gezogen und für Freispruch oder eine Bewährungsstrafe plädiert.

Der Urteilsverkündung vorausgegangen war zunächst eine weitere Zeugenbefragung, weshalb die Beweisaufnahme erneut eröffnet werden musste. Die Ermittlungsrichterin, die den jetzt Verurteilten nach dessen Verhaftung vernommen hatte, sollte sich zu dem Tatmesser äußern. Denn über dessen Einsatz klafften bis zuletzt die Angaben des Angeklagten und die Erkenntnisse von Staatsanwaltschaft und Nebenklage auseinander. Der Täter hatte bereits gegenüber der Ermittlungsrichterin angegeben, dass er sich am Morgen des Tattages in seinem Garten eine Gurke abgeschnitten habe. Dabei sei das Messer anschließend nicht in der Küche gelandet, sondern versehentlich in der Gesäßtasche seiner Arbeitshose. Überrascht habe sie diese Angabe nicht, sagte die Richterin im Zeugenstand. Derartige Erklärungen höre sie häufiger. Zudem sei ihr das Messer deutlich größer als ein herkömmliches Gemüsemesser vorgekommen.

Messer gezielt mitgenommen

Auch das Gericht tat sich mit der Version des Täters schwer. Zwar habe der Mann vermutlich nicht die Absicht gehabt, sein Gegenüber mit dem Messer anzugreifen. Dennoch habe der Täter dieses "gezielt" mitgenommen für den Fall, "dass man es vielleicht gebrauchen kann".

Zu diesem Fall kam es denn auch sehr schnell. Denn das Zusammentreffen des Täters und seines späteren Opfers auf dem Europaplatz eskalierte bereits nach wenigen Minuten. Nach einer kurzen Begrüßung begannen die Männer zu streiten. Das Opfer schlug dem Angeklagten einen Kaffeebecher aus der Hand. Der reagierten mit ein paar Ohrfeigen. Außerdem hatte er vor Gericht angegeben, er habe sich bedroht gefühlt und eine rasche Bewegung seines Gegenübers so interpretiert, dass dieser eine Waffe aus seiner Hosentasche befördern und seinerseits angreifen wolle. Daraufhin zog er sein Messer und stach zu. Das glaube das Gericht nicht, sagte Janisch.

Vielmehr seien dem Täter zunächst die Gesundheit und das Leben seines Widersachers gleichgültig gewesen. Der Angriff sei "rauschhaft abgelaufen". Der 36-Jährige ließ erst von seinem Opfer ab, als er dessen stark blutende Wunden gesehen habe. Da habe er erkannt, "dass er etwas falsch macht und hörte auf". Dass zu diesem Zeitpunkt bereits andere Menschen in der Nähe waren und die Attacke durch Zwischenrufe beenden wollten, spiele bei der Bewertung keine Rolle. Der Täter habe selbst entschieden, sein Opfer nicht weiter zu traktieren.

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