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Der deutsche Astronaut Gerhard Thiele stand vor mehr als 18 Jahren, im Mai 2000, im Berliner Kanzleramt vor einem großen Foto der Erdkugel. Anlass war ein Empfang des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) für Thiele und seine fünf Kollegen aus den USA und Japan. Die Crew der ?Endeavour? hatte in einer elftägigen Mission etwa 80 Prozent der Landfläche der Erde kartografiert.

Deutscher Astronaut

Menschen siedeln auf dem Mars

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Gerhard Thiele (65) war vor 18 Jahren der zehnte Deutsche im Weltall. Bei einem Besuch in Limburg erklärte er, warum er sicher ist, dass Menschen eines Tages den Mars besiedeln werden.

„Viele sagten mir, ich wäre ein guter Priester, Lehrer oder Polizist geworden. Doch ich wollte zur Raumfahrt. Warum, das kann ich Ihnen nicht begründen“, sagte der 65-jährige Gerhard Thiele bei einem Besuch in Limburg. In der WERKStadt-Lounge sprach er am Mittwochabend beim ESA-Talk der europäischen Weltraumorganisation, moderiert vom CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch, der Vorsitzender der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt ist.

Thiele sagte, die Faszination der Raumfahrt gehe für viele von dem Drang aus, ihre Umgebung kennen zu wollen, die über die Erde hinausgeht. „Die Raumfahrt ist nicht der wichtigste Baustein unserer Zukunft, aber ein wichtiger“, ist sich der frühere Astronaut sicher. Der Mensch im All sei eine wichtige Option für das Leben der Zukunft. Thiele glaubt, dass 2100 die Erde derart überfüllt sein werde, dass dann schon Hunderte von Menschen im All aktiv sein würden.

Faszination Weltraum

Er geht davon aus, dass die Menschen aufgrund der Überbevölkerung der Erde irgendwann auch den Mars besiedeln werden. „Wer einmal in sternenklarer Nacht zum Himmel geschaut hat, wird sich der Faszination des Weltraums nie mehr entziehen können“, ist der pensionierte Astronaut sicher.

Thiele war vor 18 Jahren der zehnte Deutsche im Weltall. 1986 hatte sich der Baden-Württemberger auf eine Zeitungsanzeige des Bundesforschungsministeriums gemeldet, die nach Wissenschafts-Astronauten suchte. Unter knapp 1800 Bewerbern kam Thiele unter die letzten fünf. Zwar schafften es zwei andere an Bord der Raumfähre Columbia. Der Deutsche war aber dennoch beteiligt, in dem er vom Boden aus mit den anderen zwei Kollegen den Funkverkehr mit den beiden Raumfahrern führte. Im Jahr 2000 durfte er dann bei der „Shuttle Radar Topography Mission“ ins Weltall und die Welt von oben sehen. Ziel der Mission war es, die Landmasse der Erde zu vermessen. Zwei Radarsysteme tasteten die Erdoberfläche ab. Das Resultat war ein digitales dreidimensionales Modell der Erde von nicht gekannter Genauigkeit. „Bei der Gestaltung der Zukunft der Menschheit ist Raumfahrt unverzichtbar“, sagte Thiele.

Gut angelegtes Geld

ESA-Talkrunden wie am Mittwochabend in Limburg sollen künftig regelmäßig in 24 verschiedenen Ländern stattfinden, um das Verständnis für die Raumfahrt zu wecken, wie Willsch berichtete. Weitere Podiumsteilnehmer waren in Limburg Sabine von der Recke und Andreas Hoerkens.

Von der Recke arbeitet für das Raumfahrt- und Technologieunternehmen OHB. Sie ist dort Vorstandsbeauftragte für Politische Beziehungen. Im Auftrag der Europäischen Union baut OHB 34 Satelliten des Navigationssystems Galileo.

Hoerkens leitet in Berlin die Hauptstadtrepräsentanz der Ariane Group. Diese ist ein weltweit führendes Raumfahrtunternehmen im Bereich Raumtransport; sie ist für die gesamte Entwicklung und Nutzung des europäischen Zugangs zum All verantwortlich. Die Ariane 5 ist laut Willsch mit mehr als 100 Starts die zuverlässigste kommerzielle Trägerrakete am Markt. Der erste Start ihrer Nachfolgerin Ariane 6 sei 2020 geplant.

Es sei gut angelegtes Geld, in die Raumfahrt zu investieren, sagte von der Recke. Beispielsweise habe sie den Weg mit dem Auto nach Limburg nur dank Satellitentechnik problemlos gefunden. Menschen brauchten diese auch, um über den Bezahlsender Sky Fußball schauen zu können. Wichtige Wetterdaten würden so geliefert, die viele von der Landwirtschaft bis zum Tourismus dringend benötigten. Aber auch Bankgeschäfte seien auf Satellitentechnik angewiesen, wenn diese beispielsweise beim Aktienkauf von Asien nach Deutschland exakt zeitgleich ablaufen müssten.

Von der Recke berichtete, schon jetzt liefen Untersuchungen, wie man Pflanzen auf dem Mars anbauen könne. Diese Erkenntnisse könnten auch auf der Erde helfen, wenn es darum gehe, Wüsten zur Versorgung der Menschheit fruchtbar zu machen.

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