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Friedrich Merz

Politik

Heimische CDU-Vertreter: Merz soll CDU-Chef werden

Wenn es nach der großen Mehrheit der heimischen CDU-Vertreter geht, sollte Friedrich Merz neuer Bundesvorsitzender der CDU werden. Während vereinzelt auch die derzeitige CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer genannt wird, spielt hingegen der dritte offizielle Kandidat, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, keine Rolle.

Der Villmarer CDU-Vorsitzende und Beigeordnete der Gemeinde Dieter Scheu zögert auf die Frage nach seinem Favoriten für den künftigen CDU-Vorsitz keine Sekunde: „Ich würde Herrn Merz bevorzugen“, sagt er. „Er hat mir immer gefallen, er ist ein fähiger Mann, mit dem ich mich als CDU-Vorsitzender anfreunden könnte.“ Gut wäre Friedrich Merz auch, um der CDU wieder ein etwas konservativeres Profil zu verleihen.

„Der Kreisverband Limburg-Weilburg hat keine Empfehlung abgegeben, das ist jetzt meine persönliche Meinung“, betont der Landtagsabgeordnete Andreas Hofmeister (CDU) Für den CDU-Kreisvorsitzenden aus Oberselters ist klar: „Ich persönlich könnte mir Friedrich Merz gut vorstellen – ohne andere zurücksetzen zu wollen.“ Dies auch deshalb, weil er die drei Wurzeln der CDU, liberal, konservativ und christlich-sozial, verkörpere.

Auch der Vorsitzende der CDU Limburg, Stefan Best , spricht sich für Friedrich Merz als CDU-Bundesvorsitzenden aus, „weil er mir sympathisch ist, und ich es gut finde, dass er aus der Wirtschaft kommt“. Aufgrund seines Alters – Merz ist 63 – wäre dieser für ihn als Bundesvorsitzender der CDU ein Übergangskandidat mit der Aufgabe, junge Leute heranzuziehen.

Die Ortsvorsteherin der Limburger Innenstadt, Sigi Wolf (CDU), hat eine klare Präferenz: „Friedrich Merz ist der Richtige. Er ist kompetent und war für mich schon vor Jahren ein super Mann, dem übel mitgespielt worden ist.“ Zwar sei auch Annegret Kramp-Karrenbauer eine sehr gute Politikerin mit aussagekräftigen Äußerungen, aber Merz gefalle ihr besser. Vom dritten Kandidaten ist die CDU-Stadtverordnete hingegen gar nicht überzeugt: „Den mag ich nicht.“

Mitreißender Redner

Jörg-Peter Heil , Stadtverordnetenvorsteher von Runkel, wünscht sich ganz klar Friedrich Merz als neuen Chef der CDU Deutschland. Er habe den Sauerländer noch in guter Erinnerung, vor allem seine rhetorischen Fähigkeiten, aber auch seine Wirtschaftskompetenz. „In der Herangehensweise bei der Abgrenzung zu den anderen Parteien halte ich Friedrich Merz für besser als die anderen Kandidaten“, sagt Heil.

Für Harald Pietsch , Fraktionsvorsitzender der CDU Hadamar, steht die Antwort ebenfalls fest. Allerdings ist er ein „Abweichler“. Er ist „eindeutig für Frau Kramp-Karrenbauer“. Daran gibt es für ihn keinen Zweifel. Denn „unser Land und die CDU braucht eine Persönlichkeit, die für politischen und gesellschaftlichen Ausgleich steht.“ Und das habe Annegret Kramp-Karrenbauer als Ministerpräsidentin und Generalsekretärin der Christdemokraten eindrucksvoll bewiesen. „Sie verkörpert das Leitbild der CDU am besten.“

Für Andrea Reusch-Demel, Stadtverordnete der CDU in Bad Camberg, steht fest: Ihre Favoritin ist Annegret Kramp-Karrenbauer. „Sie gefällt mir am besten. Sie hat eine sehr überzeugende Art, ohne sich dabei in den Mittelpunkt zu drängen. Bei ihr kann ich mir auch am ehesten vorstellen, dass die Zusammenarbeit mit der Bundeskanzlerin klappt.“ Ihr traue sie zu, sich konstruktiv zu verhalten, ohne die eigene Person voranzustellen. „Die beiden Herren haben eher eine Art zu polarisieren.“

Das sieht Irmgard Claudi , Fraktionsvorsitzende der CDU in Elbtal und einzige Frau in der Gemeindevertretung anders. Sie habe Friedrich Merz vor einigen Jahren im „Limburger Kreis“ persönlich kennengelernt und sei sehr beeindruckt gewesen – insbesondere von dessen wirtschaftlicher Kompetenz. Der wirtschaftliche Aufschwung ist vorbei, lautet Claudis Analyse. Daher sei es umso wichtiger, einen Wirtschaftsprofi als Parteivorsitzenden zu haben. Außerdem „hört er zu und hat gute Ideen für eine komplette Änderung“, sagt Claudi.

Der Weilburger Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch würde die Wahl von Friedrich Merz zum neuen CDU-Vorsitzenden ebenfalls befürworten. Für ihn spreche, dass er einen „Blickwinkel“ von außen mitbringe, seine Erfahrung in der Wirtschaft, sein konservatives Profil und seine damit einhergehende Fähigkeit, die Flügel der Partei zusammenzuführen. Zugleich würde Merz für eine klarere Abgrenzung gegenüber der SPD, aber auch gegenüber der AfD sorgen, ist Hanisch überzeugt. Er schätze auch Spahn als Vertreter der jüngeren Generation, halte ihn aber nicht für erfahren genug, um eine inhaltliche Klammer in der CDU zu verkörpern. Annegret Kramp-Karrenbauer wiederum attestiert Hanisch zwar „gute Positionen“, gleichwohl könne er mit ihr keine inhaltliche Erneuerung assoziieren.

Für Tobias Herbst , CDU-Vorsitzender in Brechen, ist die Antwort auf die Frage, wer CDU-Bundesvorsitzender werden soll, klar: „Friedrich Merz, weil er die konservative Einstellung an den Tag legt, die seinerzeit auch für mich ein Grund war, in die CDU einzutreten.“ Die damals vermittelten Werte müssten wieder in den Vordergrund treten, meint der 31-Jährige. Annegret Kramp-Karrenbauer sei zwar sehr fähig, doch von ihr erwarte er nicht die Veränderungen, auf die er hoffe. Zu Jens Spahn: „Meiner Einschätzung nach fehlt es ihm noch an Erfahrung auf der höheren politischen Ebene.“

Der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch hält alle drei Kandidaten für geeignet, würde persönlich aber Friedrich Merz wegen dessen Kompetenz auf dem Gebiet der Wirtschaft den Vorzug geben. Einen Gewinn für die CDU sieht Willsch schon in dem Auswahlverfahren. „Wir erleben eine tolle Aufbruchstimmung in der Partei.“

Nicht festlegen in der Kandidatenfrage möchte sich der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU). Zwar habe er „zunächst Friedrich Merz als klaren Favoriten gesehen, aber AKK hat sich sehr gut positioniert“. Ebenfalls nicht festlegen möchte sich die Vorsitzende der Kreis-Frauen-Union Christine Zips . Alle drei Bewerber seien qualifiziert. „Ich traue allen drei Kandidaten zu, dass sie nach der Ära von Angela Merkel die CDU als Volkspartei der Mitte weiter entwickeln und das Profil der Partei schärfen“, sagt sie.

Kritik vom linken CDU-Flügel

Der Kreisvorstand der CDU-Sozialausschüsse CDA Limburg-Weilburg lehnt Friedrich Merz als möglichen Bundesvorsitzender der CDU entschieden ab. „Wir sehen, dass sich Friedrich Merz immer heftig gegen Gewerkschaften und gegen die betriebliche Mitbestimmung ausgesprochen hat“, sagt CDA-Kreisvorsitzender Helmut Sterzenbach . „Wenn das politische Programm von Friedrich Merz so aussieht, dass der Kündigungsschutz abgeschafft wird, dass die betriebliche Mitbestimmung abgeschafft wird und dass der Mindestlohn abgeschafft wird, dann befürchten wir, dass es zu einer sozialen Spaltung in Deutschland kommt. Wir befürchten, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt kaputt geht, und wir befürchten, dass der soziale Frieden beschädigt wird.“ Wenn er diese Vorstellungen verwirklichen sollte, „wäre die CDU keine Volkspartei mehr, dann wäre sie eine aufgeblasene FDP. Und dem werden wir auf jeden Fall entgegenwirken.“

abv/pp/goe/dick

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