85 Opfer sexueller Gewalt im Bistum

Missbrauchsskandal: Generalvikar Rösch räumt Fehler ein

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85 Opfer, 92 Beschuldigte und 23 überführte Täter: Das sind die Zahlen, die dem Bistum zum sexuellen Missbrauch in seinem Gebiet bekannt sind. Generalvikar Wolfgang Rösch hat gestern die Schuld der Kirche bedauert, Fehler beim Umgang mit dem Thema eingeräumt und die Betroffenen um Entschuldigung gebeten.

Bischof Dr. Georg Bätzing hatte bereits beim Kreuzfest vor zehn Tagen „tief getroffen und beschämt“ auf die Ergebnisse der Studie zum sexuellen Missbrauch durch Kleriker in der katholischen Kirche reagiert. Während er gestern mit seinen Kollegen auf der Bischofskonferenz in Fulda über die Details und die Konsequenzen sprach, präsentierte Generalvikar Wolfgang Rösch in Limburg die schockierenden Zahlen, die das Bistum für die Studie geliefert hat. Er machte klar, dass dies nur die aktenkundigen Fälle in einem begrenzten Zeitraum sind.

„Die Ergebnisse der Studie tun weh und gehen einem nahe. Die Zahlen machen das Ausmaß der Wirklichkeit deutlich, der wir uns zu stellen haben“, sagte Rösch. Der langjährige Seelsorger fand deutliche Worte: „Die Kirche ist ihrem Anspruch nicht gerecht geworden. Sie hat sich an Menschen schuldig gemacht und ihnen großes Unrecht angetan. Im Bistum Limburg sind wir in der Vergangenheit falsche Wege gegangen, uns diesem Thema wirklich zu stellen. Dafür entschuldige ich mich bei allen Betroffenen, denn wir brauchen ihre Hilfe bei der Aufarbeitung“, so der 59-Jährige. Er ermutigte die Opfer, ihr erlittenes Leid zur Sprache zu bringen, um ins Gespräch kommen zu können.

„Die Studie zeigt, dass wir aus Sorge um das Ansehen der Kirche die Folgen des Missbrauchs und das Leid der Opfer nicht genug wahrgenommen haben. Dies darf sich nicht wiederholen. Der Schutz der Opfer muss oberste Priorität haben“, betonte Rösch.

Für ihn sei dies ein wichtiger Punkt, um als Kirche nicht noch mehr Glaubwürdigkeit zu verlieren. Nichts dürfe mehr vertuscht oder verschleiert werden. „Wir brauchen Transparenz und Mut, den Weg der Aufarbeitung weiterzugehen und uns den Themen, die direkt oder indirekt im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch stehen, zu stellen“, sagte Rösch.

Niemand könne falsches Verhalten und kriminelle Energie ausschließen, sagte er. Aber die Kirche müsse daran arbeiten, sexuellen Missbrauch zu verhindern. Es brauche die offene und ehrliche Auseinandersetzung mit Themen wie Klerikalismus, Macht, Umgang mit Sexualität und dem Zölibat. Die Studie mache beispielsweise deutlich, so der Generalvikar, dass die Verpflichtung zum Zölibat keine alleinige Erklärung für sexuellen Missbrauch an Minderjährigen ist.

Sexueller Missbrauch stehe immer im Widerspruch zur Botschaft des Evangeliums. „Gott will das Glück und die Freiheit des Menschen und nicht Unterdrückung, Machtmissbrauch und Gewalt“, sagte Wolfgang Rösch.

Das Bistum hat nach seinen Angaben für die Studie insgesamt 627 Personalakten von Priestern, hauptamtlichen Diakonen und Ordensgeistlichen untersucht, die zwischen Anfang 2000 und Ende 2015 im Bistum eine Funktion ausübten oder sich im Ruhestand befanden. Laut Rösch sind bei dieser Aufarbeitung 85 Opfer von Übergriffen im Bistum bekannt geworden. Es gibt 92 Beschuldigte, darunter 49 Priester, zwei Diakone, kirchliche Mitarbeiter und Laien. 23 gelten als Täter überführt: 13 Priester, ein Diakon, sieben Ordensgeistliche und zwei Laien.

Bei insgesamt 49 Priestern wurden Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs oder sexuellen übergriffen Verhaltens gegenüber Minderjährigen vorgebracht. Die dem Bistum bekannten Anschuldigungen reichen bis in die 1940er Jahre zurück, der Schwerpunkt liegt zwischen 1960 und 1990.

Die Studie werde jetzt im Bistum bekannt gemacht und in den Gremien beraten. Danach sollten Konsequenzen gezogen werden, sagte Rösch.

(hei)

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