Diese Aufnahme aus den 1950er-Jahren zeigt ein Team des TuS Dietkirchen mit der Lubentius-Basilika im Hintergrund (rechts).
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Diese Aufnahme aus den 1950er-Jahren zeigt ein Team des TuS Dietkirchen mit der Lubentius-Basilika im Hintergrund (rechts).

Heutiger Hessenligist aus Limburg

Mit einem 800 Gramm schweren "Ei" fing alles an

  • VonRobin Klöppel
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Der Turn- und Sportverein Dietkichen blickt auf bewegte 100 Jahre Fußball im Dorf zurück.

Limburg -Der Turn- und Sportverein (TuS) Dietkirchen kann dieses Jahr das Jubiläum "100 Jahre Fußball" in Dietkirchen feiern. In einer kleiner Serie würdigen für die Erfolge in dieser Zeit und blicken auf die Höhen und Tiefen der Dietkircher Fußballer zurück.

Anfangs waren die Fußballer die Dietkirchen als Konkurrenten der Turner im Dorf nicht von allen gerne gesehen. Sportkamerad Josef Meurer vom Turnverein Dietkirchen brachte das Fußballspiel aus englischer Kriegsgefangenschaft mit. Er war so vom Fußball fasziniert, dass er der Dietkircher Jugend das Spiel lehrte. Die hatte es jedoch nicht leicht, musste sie doch mit einem selbst gemachten Ball spielen. Der hatte nach einem Spiel im Regen nicht nur die Form eines Ei hatte, sondern wog auch noch fast 800 Gramm. Die Begeisterung für Fußball in Dietkirchen war aber trotzdem sofort groß, was laut Vereinschronik den Neid der Turner und Streitigkeiten im Verein zur Folge hatte. Die Fußballer trennten sich als Konsequenz vom Turnverein. 16 junge Männer gründeten im Januar 1921 den Sportverein (SV) Dietkirchen.

1922 wurde der Verein Mitglied im Westdeutschen Spielverband und spielte mit wechselndem Erfolg in der C-Klasse. 1924 wurde der Aufstieg in die B-Klasse erkämpft. Höher hinaus kam man vorerst nicht, doch oft sah die Mannschaft in Testspielen gegen höherklassige Gegner gut aus.

Wie der Spielbetrieb ablief, können sich die jüngeren Generationen der heutigen Zeit kaum noch vorstellen. Denn Autos oder einen Bus hatten die Fußballer damals nicht. Zu den Auswärtsspielen ging es also zu Fuß oder mit dem Pferdewagen - und für weitere Reisen wurde die Bahn benutzt.

Der SV Dietkirchen hatte aber keine lange Lebensdauer. Durch den Erfolg des Fußballs gründete sich im Dorf ein weiterer Fußballverein, die Deutsche Jugendkraft (DJK). Da dieser die Jugend eher ansprach, war der SV auf Dauer nicht mehr überlebensfähig und löste sich wieder auf. Die DJK hingegen hatte sportlich große Erfolge und war zur damaligen Zeit in der Region neben der DJK Niederbrechen und Elz die führende Mannschaft.

Der Beginn der Nazi-Diktatur 1933 stoppte diesen Erfolgszug allerdings erst einmal. Als katholischer Verein wurde die DJK Dietkirchen verboten. In diese Lücke stieß dann wieder der Turnverein, der neben dem Turnbetrieb nun auch wieder Fußball förderte. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 lähmte dann aber jede Vereinstätigkeit im Dorf.

Direkt nach Kriegsende sah es in Dietkirchen in Sachen Fußball zunächst schlecht aus. Viele der Sportkameraden waren im Krieg gefallen, und nach dem Krieg löste die Militärregierung zunächst sämtliche Vereine auf.

1500 Fans am Reckenforst

Im Januar 1946 wurde dann der SV Dietkirchen wieder ins Leben gerufen, mit Heinrich Wagner als 1. Vorsitzendem. Ihm gelang es nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Die stete Aufwärtsentwicklung der kommenden Jahre mündete im Aufstieg der 1. Mannschaft in die A-Klasse 1948.

Es gab aber trotzdem Probleme, wie ein Schreiben des Sportvereins-Vorstands an den Landessportverband Hessen vom 13. April 1948 zeigt: "Wir sind nicht mehr in der Lage, dem Spielbetrieb (Fußball) nachzukommen, da es uns an dem Ballmaterial fehlt. Bei einem Freundschaftsspiel am Sonntag, 11. April 1948, sind die noch verfügten zwei Bälle total gebrauchsunfähig geworden. Wir erlauben uns, mit der Bitte an sie heranzutreten und beantragen hiermit die Ausstellung eines Bezugsscheines für einen Fußball."

Um den dauernden Streit zwischen Turn- und Sportverein zu beenden, verbrüderte man sich und gründete 1952 den heutigen TuS. Der Bau einer Turnhalle 1953 nutzte auch den Fußballern. Denn dort konnten sie bei schlechtem Wetter trainieren. Und 1957 wurde zudem ein neuer Sportplatz eingeweiht.

Mit dem Fußball ging es weiter bergauf: Die ersten Fußball-Herren setzten sich über Jahre in der Spitzengruppe der A-Klasse fest, die gute Jugendarbeit wurde belohnt und 1957 die gemischte A-/B-Jugend Kreismeister. Die Spieler dieser Jugendelf ergänzten den Stamm der ersten Mannschaft. So kam es 1958 zur Meisterschaft in der A-Klasse und dem Aufstieg in die II. Amateurliga Wiesbaden.

Dietkirchen war in der höheren Klasse allerdings kein Punktelieferant, sondern setzte sich über mehrere Jahre durch die Heimstärke und oft 1500 Fans am Reckenforst in der Spitzengruppe fest. Nach zwei verlorenen Finals wurde der TuS Dietkirchen durch ein 4:1 gegen Staffel 1962 erstmals Kreispokalsieger. Der TuS Dietkirchen wurde sogar mit einem 5:0 über Rüdesheim Bezirkspokalsieger und erreichte im Hessenpokal das Halbfinale. Dietkirchen durfte dadurch am DFB-Pokal teilnehmen. In der ersten Runde der Süd-Gruppe war der Regionalligist Neu-Isenburg der Gegner. In der Limburger Lahnkampfbahn hielt Dietkirchen bis zur Halbzeit super mit (1:1), musste sich am Ende aber doch 1:4 geschlagen geben.

Sepp-Herberger-Preis für tolle Jugendarbeit

1967 gab es den zweiten Kreispokalsieg mit einem 3:2 über Niederselters. 1968 wurden im Endspiel die Freien Turner Wiesbaden 1:0 besiegt und einmal mehr der Bezirkspokalsieg gefeiert. 1971 waren die TuS-Fußballer auch beim Start der Partnerschaft mit Oudenburg in Belgien dabei. Der TuS gewann bei der höherklassigen Mannschaft 4:2.

Im Zuge der Eingemeindung Dietkirchens nach Limburg gab der TuS seine Turnhalle auf, erhielt aber durch die Schaffung des Dorfgemeinschaftshauses an gleicher Stelle viel bessere Sportmöglichkeiten.

1971/72 stieg der TuS leider nach 14 Jahren aus der II. Amateurliga ab und spielte dann bis 1981 mit wechselndem Erfolg in der A-Klasse. 1972 wurde der alte Sportplatz zu einem Hartplatz umgebaut, 1979 wurde ein zusätzlicher Rasenplatz geschaffen. Der sportliche Tiefpunkt war das Jahr 1982 mit dem Abstieg in B-Klasse, doch der Wiederaufstieg gelang sofort. Dass der TuS in unteren Spielklassen herumkrebste, sollte sich aber bald wieder ändern. Grundstein war die überragende Jugendarbeit, für die der TuS 1988 mit dem Sepp-Herberger-Preis ausgezeichnet wurde.

1991 gründete der TuS einen Förderkreis. 1994/95 versuchte der TuS im Herrenfußball den Neuaufbau:Neuer Trainer wurde Helmut Kremer, ein "Dickerischer Bub", der die schwere Aufgabe hatte, den Spielbetrieb zu stabilisieren und junge Spieler in beide Seniorenmannschaften einzubauen, was sehr gut gelang.

So geht unsere Serie weiter

Wie der TuS Dietkirchen es von der A-Klasse bis in die Hessenliga schaffte, berichten wir im zweiten Teil unsere Serie

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