Rund 20 Radfahrer waren während des Klima-Aktionstages auf einem Fahrstreifen der Diezer Straße in Limburg unterwegs.
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Rund 20 Radfahrer waren während des Klima-Aktionstages auf einem Fahrstreifen der Diezer Straße in Limburg unterwegs.

Aktionen gestern in Limburg und Diez

"Mit Vollgas in die Klimakrise"

  • vonTobias Ketter
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Fridays-for-Future-Aktivisten sperren Fahrstreifen auf der Diezer Straße

Hohe Temperaturen und starke Regenfälle. Der Klimawandel sorgt freilich für extreme Wetterbedingungen. Viele Wissenschaftler, Politiker und auch Bürger aus der Region sind deshalb beunruhigt. Um auf die Situation aufmerksam zu machen, fand am gestrigen Freitag der siebte globale Klima-Aktionstag der Fridays-for-Future-Bewegung statt. Daran beteiligte sich auch die Gruppierung Fridays for Future Limburg-Diez.

In Limburg veranstalteten die Aktivisten in Kooperation mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Mahnwache auf dem Bahnhofsvorplatz, welche die Energiewende zum Thema hatte. Eine weitere Mahnwache wurde auf dem Neumarkt der Kreisstadt abgehalten. Auf Marktplatz von Diez gab es ebenfalls eine Mahnwache, die sich mit nachhaltiger Landwirtschaft befasste. Außerdem sperrte die Fridays-for-Future-Bewegung in Kooperation mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) einen Fahrstreifen für Autos auf der Diezer Straße zwischen dem Kreisel nahe der WERKstadt und der Schiede-Kreuzung in Limburg. Auf der 75 Meter langen Strecke fuhren rund 20 Menschen von 16 bis 19 Uhr mit ihren Fahrrädern auf und ab.

Mit der Aktion wollten die Klimaaktivisten auf "die dringende Notwendigkeit einer klimagerechten Verkehrswende" aufmerksam machen. Ein Plakat mit der Aufschrift "Mit Vollgas in die Klimakrise" sollte die Autofahrer zum Nachdenken anregen. Durch die Aktion auf der Diezer Straße bildeten sich lange Autoschlangen, da sich die motorisierten Fahrzeuge nur noch auf einem Fahrstreifen fortbewegen konnten. Vereinzelt machten die Pkw-Fahrer ihren Unmut über die Aktion mit lautem Hupen bemerkbar. Aber die Fridays-for-Future-Bewegung und der ADFC bekamen auch viel positives Feedback. Einige Autofahrer kurbelten die Scheibe hinunter und strecken den Daumen in die Höhe.

Reibungslose Absprache

mit der Stadt Limburg

"Vor einiger Zeit hat der ADFC schon einmal eine solche Straßensperre auf der Diezer Straße errichtet. Die Idee fanden wir gut, so dass wir uns entschieden haben, die Aktion erneut durchzuführen", sagte Tilmann Weigelt von Fridays for Future. Ihm sei es besonders wichtig, auf eine alternative und umweltfreundliche Fortbewegung hinzuweisen. Die Anmeldung der Aktion und die Absprache mit der Stadt habe reibungslos funktioniert. "Das Ordnungsamt hat für uns die Strecke abgesperrt, so dass wir keiner Gefahr durch den Verkehr ausgesetzt waren", so der 18-Jährige Aktivist aus Runkel.

Wegen der Corona-Pandemie wurden die Mahnwachen und die Straßensperre am gestrigen Freitag auf verschiedene Standorte aufgeteilt. "Da wir jede Krise ernst nehmen, halten wir größere Versammlungen bei den aktuellen Inzidenzen für unverantwortlich", so Fridays for Future Limburg-Diez. Die Standorte der Mahnwachen seien nur auf Anfrage bekanntgegeben worden, um die Zahl der Teilnehmer zu reduzieren. An Ort und Stelle mussten medizinische Masken getragen werden. Der Mindestabstand von eineinhalb Metern wurde durchweg eingehalten.

"Zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens brauchen wir eine Transformation hin zu erneuerbaren Energien sowie eine sozial-ökologische Verkehrs- und Agrarpolitik", berichtete die Gruppe Fridays for Future Limburg-Diez mit Blick auf die Themen des Aktionstages. Darüber hinaus wollten die Klima-Aktivisten darauf aufmerksam machen, dass die Bewältigung der Klima-Krise "nicht hinter der Corona-Krise zurückstehen darf". Bei der Entwicklung des Klimas handele es sich um eine Krise mit größerer Tragweite, deren Folgen die Gesellschaft umso härter treffen werde, wenn nicht sofort die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden.

Besonders in Limburg und Umgebung gebe es laut Fridays for Future Limburg-Diez noch viel Verbesserungspotenzial. "Die Verkehrspolitik ist stark verbesserungswürdig, was sich in einer häufig mit Autos verstopften Innenstadt, überschrittenen Stickoxid-Grenzwerten und in einem chaotischen sowie lückenhaften Ausbau der Radwege widerspiegelt." Zu diesem Ergebnis komme auch ein Fahrrad-Klima-Test des ADFC. Die Studie besage, dass sich in Limburg die Fahrrad-Infrastruktur in den vergangenen zwei Jahren nicht verbessert habe. Der ÖPNV in der Kreisstadt in Form der Stadtlinie und in Kombination mit dem Anruf-Sammeltaxi sei ein klimafreundlicher Ansatz. Mit der Anbindung der Vororte und der Taktung der Busse sind die Aktivisten aber nicht zufrieden.

Fridays for Future ist der Meinung, dass erneuerbare Energiequellen in der Region weiterhin zu wenig genutzt und gefördert werden. "Eine Verbesserungsmöglichkeit sind Solaranlagen auf den Dächern von städtischen und öffentlichen Gebäuden", sagten die Klimaschützer. Außerdem solle sich die Ausschreibung neuer Wohn- und Gewerbegebiete mehr an nachhaltigen Standards orientieren. Anstatt fortschreitender Flächenversiegelung müssten zudem bestehende Flächen genutzt und Altbauten saniert werden. tobias ketter

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