+
Die Schiede in Limburg an der Kreuzung Diezer Straße ist hoch belastet mit dem Atemgift Stickstoffdioxid. Im Bereich der Luftmessstation (das kleine gelbe Häuschen unten auf dem Gehweg) sollen demnächst zwei Mooswände aufgestellt werden.

Limburg

Moos-Wände sollen die Luft an der Schiede verbessern

  • schließen

Was den Gartenbesitzer ärgert, soll für Städte mit schlechter Luft ein Segen sein: Mit Moos gegen die dicke Luft in den Innenstädten vorgehen. Das soll auch im unter dem Atemgift Stickstoffdioxid leidenden Limburg geschehen. Zwei Mooswände sollen aufgestellt werden.

Auch nach der Einführung der Umweltzone in der Limburger Innenstadt müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden, um die Luftqualität deutlich zu verbessern. Limburg leidet unter zu hohen Werten des Atemgifts Stickstoffdioxid, das durch Dieselabgase entsteht, vor allem verursacht durch Pkw-, Lkw- und Busverkehr.

Als eine weitere erfolgversprechende Maßnahme für bessere Luft gilt die Schaffung von Mooswänden, die Luftschadstoffe aufnehmen. In der Vergangenheit hatten Grünen- und FDP-Fraktion dafür geworben, solche Mooswände in der Innenstadt aufzustellen. Auch der City Ring griff den Vorschlag auf bei der Vorstellung seiner Pläne für eine Neugestaltung des Neumarkts.

Demnächst ist es so weit. „Zwei Mooswände soll es geben, die im Bereich der Luftmessstation entlang der Schiede aufgestellt werden sollen“, teilt auf Anfrage dieser Zeitung der Sprecher der Stadt, Johannes Laubach, mit. „Im Haushalt der Stadt Limburg stehen insgesamt 83 000 Euro für die Anschaffung von Mooswänden zur Verfügung.“ Dabei handele es sich um Mittel aus dem vergangenen und diesem Jahr. Eine Bezuschussung der Anschaffung sei beim Umweltministerium in Wiesbaden beantragt. „Auf die Antwort wird noch gewartet. Die Wände können erst geordert werden, wenn über den Antrag entschieden worden ist“, teilt Laubach weiter mit.

Die Stadt hatte bereits im Frühjahr 2016 mit einer Firma Kontakt aufgenommen, die vorgeschlagen hatte, in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden drei bis vier Moosanlagen im Stadtgebiet aufzustellen und die Aufnahme von Feinstaub und Stickstoffdioxid durch zwei weitere wissenschaftliche Instituten untersuchen zu lassen.

In Betracht kam aus Sicht der Stadt schon damals die Fläche an der Schiede vor Karstadt, weil in dem Versuch mit der bestehenden Messstation die Verbesserungen direkt geprüft werden könnten.

Moos hilft zwar in erster Linie, Feinstaub aufzunehmen, was in Limburg nicht das Problem ist, aber auch auf einer auf Moosbasis beruhende Begrünung kann Stickstoffdioxid aufnehmen, wenn zum Beispiel Spinat zum Einsatz kommt. Darauf hatte Bürgermeister Hahn 2016 hingewiesen.

Mit Moos allein kann die Stadt ihr Luftproblem natürlich nicht lösen. Das ist bisher in Limburg umgesetzt worden, um die Luftqualität zu verbessern:

  Seit Januar 2018 ist die Limburger Innenstadt eine Umweltzone. Generell dürfen nur noch Fahrzeuge mit einer grünen Plakette in die Innenstadt fahren. Zuwiderhandlungen werden mit einem Bußgeld von 80 Euro bestraft.

  Der Verkehrsfluss ist durch einen Verkehrsleitrechner und eine optimierte Ampelschaltung verbessert worden.

  Verbesserung des Radverkehrs durch den Ausbau des Radwegenetzes und Fahrradschutzstreifen.

  Einsatz emmissionsarmer Busse im Stadtlinienverkehr.

  Modernisierung der städtischen Fahrzeugflotte.

  Ausbau der Elektromobilität durch neue Ladestationen in Parkhäusern und öffentlichen Parkplätzen in Zusammenarbeit mit der Energieversorgung Limburg.

  Die Einführung eines

Anrufsammeltaxi

s, das in den Abend- und Nachtstunden das ÖPNV-Angebot in Limburg verbessert hat. Nach einigen Änderungen (Wegfall des Zuschlags, kürzere Anmeldefrist sowie mehr Zu- und Ausstiegsorte an Haltestellen) sind die Nutzerzahlen deutlich gestiegen, liegen aber noch immer unter dem angestrebten Monatsdurchschnitt.

  Eine bessere Ausschilderung auf den Bundesstraßen und der Autobahn, um den reinen Durchgangsverkehr zu reduzieren.

Und das soll unter anderem noch umgesetzt werden:

  Mit dem Einzelhandel soll ein Konzept entwickelt werden, um Nutzer von Bussen und Bahnen durch ein Bonussystem zu belohnen. Statt der Erstattung von Parkgebühren sollen zum Beispiel Bustickets erstattet werden. Die Stadtverordneten hatten dies schon im Frühjahr 2015 angeregt. „Die Umsetzung eines Rabattsystems erscheint schwierig, und es besteht noch reichlich Klärungsbedarf“, teilt der Sprecher der Stadt mit. „Wie soll der Rabatt, der durch den Einzelhandel in der Stadt gewährt werden soll, umsetzt werden, wenn die Nutzer zum Beispiel mit elektronischen Fahrkarten unterwegs sind? Müssen dann alle Geschäfte entsprechende Lesegeräte vorhalten? Wie soll der Rabatt Nutzern von Zeitkarten eingeräumt werden, oder bleibt ein möglicher Rabatt nur Einzelfahrten vorbehalten?“

Um ein Bonussystem im ÖPNV umsetzen zu können, seien mehrere Beteiligte gefordert. Die Stadtlinie, die die Verkehrsleistung zur Verfügung stellt, habe Kontakt mit ihrem Dachverband aufgenommen, um die Möglichkeiten einer Umsetzung zu prüfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare