Anwohner berichten

Am Tag nach dem Großfeuer in Limburger Baumarkt

Am Tag nach dem Großfeuer im Baumarkt im Renngraben ist die Arbeit für die Einsatzkräfte noch lange nicht getan. Um die Glutnester im Innern zu löschen, müssen die Wände und Teile des Daches entfernt werden. Anwohner berichten von gigantischen Flammen und angstvollen Stunden.

„Ich bin erst durch die Explosion aufmerksam geworden. Tatütata hören wir hier ja fast jede Stunde.“ Eine Anwohnerin aus der Straße Am Zehntenstein schaut vorsichtig auf das Grundstück gegenüber, von wo aus die Feuerwehr über eine Drehleiter die Brandruine wässert und sicherstellt, dass nicht noch ein Nachbargebäude in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Explosion war, wie man inzwischen weiß, eine Gasflasche, die durch die Hitze hochgegangen ist. Es hätten noch einige mehr werden können. 19 Propangasflaschen hat die Feuerwehr rechtzeitig aus dem Gebäude geholt und in sicherer Entfernung aufgereiht.

„Ich habe keine Minute geschlafen, weil ich so eine Angst vor den Funken hatte“, erzählt eine andere Frau, die von ihrem Haus in direkter Nachbarschaft zum einstigen Baumarkt freien Blick auf das Feuer hatte. „Die Flammen waren riesig, viel höher als alle anderen Gebäude rundherum. Und die Qualmwolken waren gigantisch und ganz schwarz.“ Aber die Feuerwehren hätten einen Superjob gemacht, schiebt sie nach. Der Schrecken der Nacht sitzt noch tief. „Ich werde ab jetzt immer eine Tasche mit den wichtigsten Sachen parat haben, falls ich mal raus muss.“

Bis 11 Uhr ist von außen das ganze Ausmaß des Brandes nicht sichtbar. Zwar liegt deutlicher Brandgeruch über der Szenerie und die Feuerwehr ist allgegenwärtig, aber das Gebäude des Baumarktes steht noch, die Außenwände sind ziemlich weiß, nur an den Öffnungen der Fenster und Türen ziehen sich deutliche Rußspuren nach oben. Das ändert sich, als der Bagger anrückt. Er macht kurzen Prozess und reißt zwei Wände ein, die Feuerwehr sorgt dafür, dass kein Feuer von innen nach außen dringt. Als der Blick ins Innere frei ist, ist auch für diejenigen, die von dem Großeinsatz in der Nacht nichts mitbekommen haben sollten, klar, dass das Feuer ganze Arbeit geleistet hat. Alles ist schwarz, überall qualmt es, ein verkohlter Gabelstapler ist zu erkennen, viel mehr nicht.

Ein älterer Herr schaut sich das Spektakel bei einer Zigarette aus dem Fenster seiner Erdgeschosswohnung an. Bis zu der Stelle, an der vermutlich der Brand ausgebrochen ist, sind es keine 20 Meter. „Jetzt bin ich 80 Jahre alt, so was habe ich noch nie erlebt.“ Der Wind habe günstig gestanden, so dass Rauchwolken und Funken nicht in seine Richtung gezogen seien. Er musste nicht evakuiert werden. Anwohner am anderen Ende des Gebäudes hatten nicht so viel Glück. Körperlichen Schaden hat aber niemand genommen. „Das hätte auch ganz anders ausgehen können“, sagt der 80-Jährige mit Blick auf die nahen Gebäude. Er hat sich mittlerweile auf die Straße begeben, um die Abrissarbeiten zu verfolgen. Die Polizei schaut sich die Ruine aus der Luft an, der Hubschrauber kreist eine ganze Zeit lang.

„Gott sei Dank ist bei dem Brand niemand zu Schaden gekommen“, sagt Bürgermeister, Marius Hahn (SPD) im Gespräch mit dieser Zeitung. Sein Mitgefühl gelte den Mitarbeitern, die ihren Arbeitsplatz verloren hätten, wie auch den Anwohnern, die noch nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Wo möglich, werde die Stadt Hilfestellung leisten. Danken wolle er den mehr als 240 Einsatzkräften von Feuerwehr, DRK und THW für ihre professionelle Arbeit. Lob für die Einsatzkräfte habe es, laut Marius Hahn, auch von den Experten der Brandschutzaufsicht des Innenministeriums in Wiesbaden gegeben. Die seien in der Brandnacht nach Limburg gekommen und hätten den Freiwilligen eine gelungenes Vorgehen attestiert. „Ich bin um 22.30 Uhr während des Fußballspiels Schalke gegen Frankfurt vom Ordnungsamt angerufen worden und sofort losgefahren“, sagt Marius Hahn. Von Staffel kommend sei die Rauchwolke schon von weitem zu sehen gewesen. Der Einsatz beweise, wie wichtig es sei, die Feuerwehr bei Ausbildung und Ausstattung zu unterstützen.

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