Für die Jungen und Mädchen der Freiherr-von-Stein-Schule Dauborn gehören Abstand, Handhygiene und Masken zur Routine.
+
Für die Jungen und Mädchen der Freiherr-von-Stein-Schule Dauborn gehören Abstand, Handhygiene und Masken zur Routine.

Im Kreis Limburg-Weilburg öffnen die Schulen wieder

Neue Herausforderungen im Klassenraum

  • vonPetra Hackert
    schließen

Limburg-Weilburg Nach und nach werden die Schulen für weitere Klassen geöffnet. Das Beispiel der Leo-Sternberg-Schule in Limburg, in der die Erkrankung einer Lehrerin am Coronavirus zu Quarantäne-Maßnahmen geführt hat, zeigt, wie achtsam gearbeitet werden muss. Hygieneregeln und Sicherheitsabstände würden streng eingehalten, melden die Schulleiter. Angesichts von mehr Kindern und Jugendlichen vor Ort im Unterricht eine Herausforderung.

Seit etwas über einer Woche gehen wieder mehr Jungen und Mädchen zum Unterricht in die Schulen. Viertklässler wie die zehnjährige Anna aus Elz freuen sich, ihre Kameraden wieder zu sehen. Wenn auch unter neuen Bedingungen. Selbst die Grundschüler wissen, warum sie vorsichtig sein müssen, und dass es auch darum geht, ältere, gesundheitlich beeinträchtigte Menschen vor Infektionen zu schützen. "Das ist ja wie am ersten Schultag", stellten die Kinder fest. Sie waren recht aufgeregt.

"In allen Klassenräumen wurden die Sitzplätze neu angeordnet zur Einhaltung der Mindestabstände. Außerdem konnte dadurch ermittelt werden, wie viele Schülerinnen und Schüler nach den Hygieneregeln dort Abstand halten können", erläutert Judith Lehnert. Die Leiterin der Freiherr-vom-Stein-Schule in Daubornmacht beispielhaft deutlich, wie das Ganze organisatorisch funktioniert: "Da es nur drei Räume gab, in denen die Maximalzahl von 15 Schülerinnen und Schülern unterrichtet werden konnte, ging es an die Gruppenbildung. In der Grundschule mussten alle vierten Klassen gedrittelt werden, in der Sekundarstufe die achten Klassen. Nach der Raumverteilung ergab sich die maximale Möglichkeit von Anwesenheiten." Es sollten zudem nicht alle gleichzeitig kommen. "Nach intensiven Abstimmungen mit den Busunternehmen und dem Landkreis ist es uns gelungen, einen Schichtbetrieb, der bis zur zehnten Stunde reicht, einzurichten. Dadurch war es möglich, auch die Schülerzahl während des Bustransfers zu reduzieren", sagt Judith Lehnert.

Schichtbetrieb bis zu

den Sommerferien

Für die Unterrichtsgestaltung lag der Fokus auf den Hauptfächern und wurde mit individuellen Lernzeiten ergänzt. Dort können neben Fragen des Homeschooling, individualisierte Übungen und Feedbacks stattfinden. "Durch den Schichtbetrieb werden alle Klassen mindestens die vorgeschriebenen acht Tage bis zu den Sommerferien anwesend sein", sagt Lehnert. Im Schulhaus selbst wurde ein Einbahnverkehr eingerichtet, Wartepunkte vor den WC-Anlagen aufgeklebt, Aufstellplätze im Außenbereich markiert. Pausen finden nun individuell mit der jeweiligen Lehrkraft statt, der Gong ist abgestellt. Die Schüler werden am Aufstellplatz abgeholt und zum Bus begleitet. Gefrühstückt wird im Klassenraum, damit in den Pausen die Masken getragen werden können. Die AHA-Regel: Abstand - Hygiene - Alltagsmaske wurde als Merkhilfe besprochen.

"In manchen Sekundarstufenklassen war es teilweise extrem ruhig. Viele mussten sich wohl erst mit der neuen Situation arrangieren. Auch hier standen - wie vorher bei den Abschlussklassen - unser Schulsozialarbeiter und beide UBUS-Kräfte für die Grundschule und die SEK I zu Gesprächen zur Verfügung", erklärt Lehnert. "In den nächsten Tagen planen wir dann wieder neu, um im dritten Teilschritt auch für die komplette Grundschule zu öffnen, für je einen Tag - wobei es uns gelingen wird, die Erstklässler zweimal kommen zu lassen. Denn in dieser Jahrgangsstufe ist das Homeschooling sehr herausfordernd und der Schriftspracherwerb muss hier im Vordergrund stehen." Insgesamt sei das System Schule von der gesamten konstruktiven Mitwirkung aller abhängig. "Schülerinnen und Schüler, Kollegium, Schulleitung, aber auch die Sekretariate, Hausmeister und Reinigungsteams stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen, die nur im Austausch und in gegenseitigem Vertrauen zu lösen sind."

"Aus unserer Sicht war es zwar ein erheblicher Planungsaufwand, alle Vorgaben umzusetzen, aber wir haben es mit unseren Ressourcen geschafft", sagt Isabelle Faust, Rektorin an der Johann-Christian-Senckenberg-Schule (Standort Runkel). Die letzte Woche kamen die Jahrgänge 4 täglich, die Jahrgänge 5, 6, 7, 8 tageweise in Kleingruppen, schon seit dem 27. April die Jahrgänge 9 und 10 zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen. Der Hygieneplan werde sehr ernst genommen. "Unser Hausmeister Jürgen Kilb hat an den strategischen Stellen im Schulgebäude Desinfektionsspender angebracht." Auch würden die Räume regelmäßig durchlüftet, die Tische so angeordnet, dass der Abstand von 1,50 Meter gewahrt ist. Für Runkel habe das Kollegium für jeweils zwei Jahrgänge der Sekundarstufe ein neues Stundenmodell mit gestaffelten Pausen errechnet. Ab Eintreffen der ersten Schüler um 7.30 Uhr sei eine Aufsicht in den Klassenräumen. "Während der Pause hatten wir in den vergangenen Tagen und Wochen die Gelegenheit, mit den Schülerinnen und Schülern zu sprechen. Ja, sie sind in Sorge wegen des Coronavirus, waren auch anfangs etwas verschüchtert, freuen sich allerdings größtenteils über einen geregelten Vormittag." Das verschaffe ihnen Sicherheit. "Ich persönlich finde, dass in dieser Krisensituation ein Stück Normalität und Sicherheit für Kinder und Jugendliche total wichtig ist."

"Wie die zurückliegenden Wochen wird auch der Zeitraum bis zu den Sommerferien eine Herausforderung werden", sagt der Leiter der Bad Camberger Taunusschule, Frank Wellstein. "Wir gehen das Ganze optimistisch an, und ich bin froh und dankbar, auf so viele helfende Hände vertrauen zu können. So kann es gelingen, Stück für Stück wieder Normalität in die Schule zurück zu holen, auch wenn so manches Neue sicherlich dauerhaft bleiben wird." Besonders nennt er dabei die mittlerweile schon zur Routine gewordenen Hygiene- und Abstandsregeln. Durch die Pandemie kommt hinzu: "Zur Vermeidung der Durchmischung und damit zur Einhaltung der Hygienevorschriften dürfen keine klassenübergreifenden Kurse (Zweite Fremdsprache, Religion/Ethik und WPU) unterrichtet werden." Aktuell würden die geforderten Abstandsregelungen zusätzlich durch ein eigens entwickeltes Leitsystem unterstützt, zum Beispiel Bodenmarkierungen und Verkehrszeichen, unterstützt. Dazu werde es auch ein von der Schülervertretung (SV) erstelltes Erklärvideo auf der Homepage geben. "Darauf bin ich besonders stolz, denn das dokumentiert einmal mehr, wie erfindungsreich und innovativ unsere Schüler sind", sagt Wellstein. "Das ist peer-teaching im besten Sinne."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare