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Der Bauausschuss besichtigte die Räume im Weinhaus Schultes, darunter auch den Schankraum.

Traditionslokal

Im November wird das Weinhaus Schultes wieder eröffnet

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Es ist ein Traditionslokal in der Altstadt und soll es bald wieder sein. Die Sanierung des Weinhauses Schultes an der Plötze nähert sich ihrem Ende. Etwas später als geplant, im November, kann hier wieder ein Schoppen Wein getrunken werden. Wer will, kann hier künftig auch übernachten – in einem von drei Gästezimmern und in einer Ferienwohnung.

Wenn zwei alteingesessene Limburger wie Paul-Josef Hagen und Dr. Marius Hahn (beide SPD) zum ersten Mal in einem sehr bekannten Altstadthaus die erste und zweite Etage betreten dürfen, ist das schon etwas Besonderes. Natürlich kennen die beiden Politiker, der Vorsitzende des Bauausschusses und der Bürgermeister, das traditionsreiche Weinhaus Schultes an der Plötze in der Altstadt, aber eben nur die Stube im Erdgeschoss.

Das 1567 errichtete Gebäude wird seit einem Jahr aufwendig saniert und soll, etwas später als geplant, von November an wieder gewerblich genutzt werden, erklärte der Bauherr Achim Kramb (48) aus Hadamar den Mitgliedern des Bauausschusses, die sich den Fortschritt der Arbeiten am Donnerstagabend anschauten und von dem Ergebnis sichtlich beeindruckt waren.

„Sensationell. Wow. Da freut man sich auf den ersten Schoppen Wein“, sagte der Bürgermeister nach der 45-minütigen Besichtigung. „Das ist ein Wahnsinns-Bauwerk, ein Kleinod, auf das Limburg stolz sein kann“, sagte Hagen und dankte dem Bauherrn für sein großes Engagement.

Kramb arbeitet als Flugkapitän für die Lufthansa und war während der Sanierung in jeder freien Minute auf der Baustelle. Der 48-Jährige wird das Weinhaus Schultes verpachten an den Besitzer des Restaurants „Die Straußwirtschaft“ an der Frankfurter Straße, Oliver Birkhölzer. Neben der Weinstube im Erdgeschoss und einem großen Saal in der ersten Etage, der sowohl für die Gastronomie als auch für Feiern genutzt werden kann, wird Birkhölzer in der gleichen Etage drei Gästezimmer mit Dusche und Toilette anbieten und in der zweiten Etage eine Ferienwohnung.

Dass Architekt Stefan Dreier seinen Auftraggeber Achim Kramb als „120-prozentigen Ästheten“ bezeichnet, hat neben der Leidenschaft für das Weinhaus Schultes auch damit zu tun, dass der mit dem Anstrich der Fassade in einem leicht gelblichen Ockerton nicht zufrieden ist: Der Farbton ist ihm zu hell geraten und soll nach seinem Wunsch dunkler und schlammiger mit etwas mehr Grünstich werden. Der Architekt sieht das alles pragmatischer. „Das lohnt den Aufwand“, sagt aber der Bauherr.

Das Ziel der Sanierung sei es, das Gebäude in den Zustand wiederherzustellen wie um das Jahr 1900, erklärte Architekt Dreier den Mitgliedern des Ausschusses. Deshalb gebe es zum Beispiel einen verschieferten Giebel, aber kein Fachwerk wie es im Baujahr 1567 noch der Fall gewesen sei. Wenn ein altes Gebäude über Jahrhunderte baulich mehrmals verändert worden sei, sei es bei einer Sanierung gute Tradition, auf die letzte bauliche Veränderung Bezug zu nehmen.

Im Schankraum klärte der Architekt die staunenden Mitglieder des Bauausschusses darüber auf, dass „kein Liter Farbe“ verwendet worden sei. Die Wand oberhalb der Holzvertäfelung sei vielmehr aufwendig gereinigt worden. Über einen Zeitraum von 150 Jahren war die ockerfarbene Wand durch Nikotin, Fett und Schmutz immer dunkler und schließlich tiefbraun geworden. Bauherr Kramb und sein Architekt wollten erst diesen Farbton erhalten, weil sie dachten, es sei die originale Farbe. . .

„Ganz schön hell für ein Altstadthaus“, sagte Ausschussmitglied Sonja Hahn (SPD), als sie den großen Saal in der ersten Etage sah. Im Flur machte der Architekt darauf aufmerksam, dass die Decke abgehängt worden sei. „Sie glauben gar nicht, wie viele Leitungen, wie viel Technik in der Decke steckt.“ Dass die Sanierung innerhalb eines Jahres abgeschlossen werde, sei eine „absolute Rekordbauzeit“.

1763 wurde in dem Haus eine Gaststätte eröffnet. Als Weinhaus Schultes ist es seit 1836 eine Institution. Das hat viel mit der 2002 verstorbene Änny Conradi zu tun, die als Betreiberin der Gaststätte im Ruf stand, ein Feldwebel zu sein, weil der Gast sich nach ihr zu richten hatte. Heute undenkbar, im Rückblick legendär.

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