Traum von eigener Wohnung

Wie der Obdachlose Wolfgang Bank Weihnachten feiert

Uns hat Wolfgang Bank erzählt, wie sein Leben in Schieflage geriet und mit welchen Problemen er zu kämpfen hat. Immerhin hat er seine Alkoholabhängigkeit überwunden: Er ist seit 1976 trocken.

Die Limburger Obdachlosen waren Heiligabend im Limburger Kolpinghaus zum Abendessen eingeladen. Einer von ihnen hat uns seine Geschichte erzählt. Der aus Gummersbach stammende Wolfgang Bank fühlt sich an Weihnachten nicht einsam. Selbst wenn er an den Feiertagen nicht nach Nordrhein-Westfalen zu seiner Familie fährt. Denn er möchte seinen Geschwistern nicht zur Last fallen. Doch der 67-Jährige hat Freunde in Limburg, mit denen er sich immer in seiner Stammkneipe trifft. Bank bleibt brav. Als trockener Alkoholiker trinkt er seit vielen Jahren nur noch Kaffee, Orangensaft und stilles Wasser. „Jetzt an Weihnachten, wenn die Kneipe zu hat, dann lege ich eben mal einen Fernsehtag ein“, sagt er. Und Bank geht fast täglich bis zu 40 Kilometer spazieren, um sich seine Zeit zu vertreiben.

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Als Hausmeister aktiv

Derzeit ist er in der Notunterkunft der Stadt in der Limburger Robert-Bosch-Straße untergebracht. Dort hat er auch als Hausmeister eine kleine Beschäftigung gefunden. Wolfgang Bank hätte aber nichts lieber als wieder eine eigene Wohnung für sich. „Doch ich will in Limburg bleiben, weil ich hier einen Bekanntenkreis habe“, so der Rentner. Zudem sei er ohne Führerschein und nicht mobil. Er hat in seinem Leben viel Pech gehabt. Bank, wegen einer Stelle nach Limburg gekommen, ist eigentlich nach wie vor verheiratet. Doch seine aus Bosnien stammende Frau ist einfach mit unbekanntem Ziel über Nacht aus seinem Leben verschwunden. Banks Leben geriet in Schieflage. Er hatte Mietrückstände in seiner alten Blumenröder Wohnung, wurde rausgeklagt.

700 Euro reichen nicht für Miete

Bank musste feststellen, dass es mit 700 Euro Rente in Limburg aktuell unmöglich ist, eine neue Wohnung zu bekommen. Er habe sich schon auf genügend Angebote beworben. Doch bezahlbare Wohnungen seien rar und oft auf ein Angebot 30 Bewerber. Folglich habe er ohne jegliche Beziehungen keinerlei Chance. Der Tag kam, als Bank aus seiner alten Wohnung raus musste, ohne dass eine neue in Sicht war. Zum Glück bekam er von der Stadt Limburg 2011 wenigstens das Angebot, vorübergehend in deren Notunterkunft in der Brückengasse in die Altstadt zu ziehen. Bank lebte auch in dem Haus, als ein afrikanischer Obdachloser von fremdenfeindlichen Tätern zusammengeschlagen wurde und an den Folgen der Tat verstarb.Zum Glück für ihn kam Bank an diesem Abend erst spät heim, als alles schon vorbei und die Polizei schon da war.

Wolfgang Bank fühlt sich bei der Suche nach einer eigenen Wohnung im Stich gelassen. Bisher habe die Stadt ihm nicht dabei geholfen, wie er berichtet. Folglich musste er nach eigenen Angaben fünf Jahre in der Brückengasse in kärglichen Verhältnissen hausen, ohne Möbel, ohne richtigen Fußboden und ohne Tapeten an der Wand. Bad und Küche musste er sich mit anderen Bewohnern teilen. In der Rudolf-Schuy-Straße, in einem früheren Laufhaus nahe der Diezer Stadtgrenze, wo vorher Prostituierte ihre Freier bedienten, hat Bank vor zwei Jahren ein neues Zimmer zugeteilt bekommen. Dort lebe er aktuell mit 16 anderen Wohnungslosen.

Eigene kleine Küche

Der Gummersbacher findet die Wohnzustände dort besser. Hier hat er wenigstens sein abgetrenntes Zimmer, mit eigener kleiner Küche, Toilette und Dusche. Trotzdem ist es für Wolfgang Bank nach wie vor schlimm, in keiner normalen Wohnung zu wohnen, sondern unter Menschen, die teilweise erhebliche Probleme mit ihrem Leben hätten. Im Gespräch mit dieser Zeitung spricht Bank davon, dass Alkohol und Drogen in dieser Unterkunft zum Alltag gehörten. Er selbst komme mit den anderen Leuten gut aus. Aber immer wieder werde es im Haus laut, komme es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Er habe es sogar schon einmal erlebt, dass jemand dabei ums Leben gekommen sei. Folglich stehe öfter mal die Polizei im Haus. Wenn nicht gerade Feiertage seien, schaue ein Mitarbeiter der Stadt zwar mal kurz oder für ein paar Stunden vorbei. Doch es gebe eben nicht den ganzen Tag über vor Ort einen Ansprechpartner. Folglich machten viele Bewohner dort, was sie wollten. Wolfgang Bank will eigentlich kein Leben in der Obdachlosenszene leben. Doch bis heute konnte ihm keiner eine Wohnung besorgen. Mit mindestens 60 Quadratmetern wäre er schon zufrieden, sagt Bank. Mit ihm als Mieter sollte es, wenn man ihm Glauben schenkt, keine Probleme geben. Zwar geriet er zu Anfang seiner Ausbildungszeit mit 14 Jahren schon in die Alkoholabhängigkeit. Doch er habe 1976 einen Entzug gemacht und sei seitdem bis heute trocken, so der Rentner.

Kleine Wohnung ist sein größer Traum

 „Ich will einfach hier raus“, sagt Bank zu seinem Leben in Limburger Notunterkünften. Sein größter Weihnachtswunsch wäre es, wenn sich jemand bei ihm melden und ihm eine anständige kleine Wohnung in Limburg anbieten würde.

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