Ella, Felix und Maximilian Schumann helfen Mama Tina und Papa Daniel Schumann immer gerne beim Nachtopfen der Bäumchen.
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Ella, Felix und Maximilian Schumann helfen Mama Tina und Papa Daniel Schumann immer gerne beim Nachtopfen der Bäumchen.

Trend in und um Limburg

Obstbäume sind begehrt wie nie

Pandemie und Bio-Boom: Einige Bäume und Sträucher sind seit Monaten ausverkauft

Limburg -Fahrräder, Hühner und Hunde dürften die Gewinner bei der Pandemie sein. Sie gehören nämlich zu den meisten Neuanschaffungen in den vergangenen 15 Monaten. Aber auch ein weiteres Produkt hat seine Beliebtheit immens gesteigert. Obstbäume sind so begehrt, dass sie in den Gärtnereien und Baumschulen sogar zeitweise ausverkauft sind - auch im Nassauer Land.

"Die Menschen haben ein anderes Verhältnis zum Garten bekommen", berichtet Daniel Schumann. "Der eigene Garten liegt hoch im Kurs und am liebsten wird Essbares und Nützliches angebaut. Jeder möchte inzwischen sein eigenes Obst produzieren. Bei uns ist schon seit vielen Monaten Nachfrage ohne Ende - zum Beispiel sind die Mirabellen seit Herbst ausverkauft. So geht es auch etlichen Kollegen." Der Baumschulmeister von der Baumschule Schumann bei Linter hat zwar einen grünen Daumen und mittlerweile alle Pflanzen aus dem Quartier geholt und nachgetopft, aber ein Wunderelexier für schnelleren Wuchs hat auch er noch nicht entdeckt. Gut Ding braucht eben Weile.

Ebenso begehrt sind Obststräucher: Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren in jeder Farbe gehören offensichtlich zu den Lieblingsspeisen der großen und kleinen Hobbygärtner. Das einstige Nischenobst wie beispielsweise Trauben, Cranburry, Sanddorn, Heidelbeeren und Aronia, von vielen früher gar nicht gekannt, schmückt ebenfalls immer häufiger die Wiesen. Einen Vorteil haben die Büsche: Wenn die Beeren einmal ausverkauft sind, gibt es nach einigen Monaten Nachschub. "Die Nachzucht geht wesentlich schneller als bei Obstgehölzen", berichtet Daniel Schumann.

Erst im Gewächshaus,

dann auf dem Feld

Der Baumschulmeister muss es wissen. Der 47-jährige Familienvater und seine Eltern Lydia und Waldemar Schumann bauen im Familienbetrieb an der B 417 zwischen Linter und Mensfelden bereits seit 1966 neben Stauden, Gräsern, Hecken und Kletterpflanzen, Rhododendren Laub- und Nadelgehölzen auch Obstbäume an. Die Jungpflanzen kommen in einer Größe von etwa fünf Zentimetern von Spezial-Baumschulen nach Linter. Dort wohnen sie zunächst im Gewächshaus. Später werden die Kleinen auf dem Feld gehegt, gepflegt und groß gezogen.

Vier bis sechs Jahre dauert die Aufzucht im Durchschnitt. Die Gärtner müssen also weit vorausplanen, was nach dieser Zeit angesagt ist. Das ist manchmal ganz schön schwierig. Manche Obstsorten sind aber auch Dauerbrenner. Besonders beliebt sind immer die Bäume, an denen schon die reifen Kirschen und Birnen hängen. "Die Menschen haben offensichtlich nicht mehr so viel Zeit wie früher, auf die Erträge zu warten", philosophiert der Baumschulgärtner. Und viele wollen beim Kauf natürlich schon gerne probieren, was sie sich da in den Garten stellen.

Und welches Obst wird bevorzugt? "Der Trend zu Wirtschaftsäpfeln, die zu Kompott und Kuchen, Apfelsaft und Apfelwein verarbeitet werden, nimmt zu", berichtet Daniel Schumann. Überhaupt sind Äpfel nach wie vor das beliebteste Obst - obwohl Pfirsiche und Aprikosen sich heute als Gewinner des Klimawandels zeigten und inzwischen richtig gute Erträge lieferten. Fakt ist jedenfalls: Die Pandemie, aber auch der Bio-Boom haben zahlreiche neue Hobbygärtner hervorgebracht. Und die werden sich, auch wenn die Pandemie vorbei ist, immer noch an den Früchten der selbst gesetzten Bäume freuen.

Nachfrage auch in Elz

stark gestiegen

Wer kleine gepflegte Bäume aus dem Inland kaufen möchte, ist bei den Baumschulen richtig. Die Pflanzen sind ans Klima gewöhnt, fachmännisch beschnitten und gezogen. Allerdings haben die Baumschulen und Staudengärtnereien der Region seit etwa einem Jahr alle ähnliche Erfahrungen gemacht. Ilona Steger von der gleichnamigen Baumschule in Elz-Malmeneich berichtet ebenfalls über die enorme Nachfrage. "Das hat sich auch bei uns schon im letzten Jahr herauskristallisiert", erzählt sie. "Insbesondere Viertelstämme und Obststräucher sind seither beliebt wie nie!"

Auch am Fuße des Westerwalds dreht sich offensichtlich vieles um die Äpfel - so rar sind sie hier. "Glücklicherweise schmecken Pfirsiche, Nektarinen, Kirschen oder Nashi-Birnen aber auch gut", schmunzelt die Baumschulgärtnerin, "und Halbstämme gibt es ja noch."

Anette in Concas

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