Veranstaltung

Orgelspaziergänger: Ein Zeichen der Ökumene und Toleranz setzen

Sie ist schon vielfältig, die Limburger Orgellandschaft. Mindestens vier große, konzertfähige Instrumente gibt es in den Kirchen der Domstadt. Die Anzahl ausgezeichneter Organisten ist nicht geringer. Und wenn sie sich zum Limburger Orgelspaziergang zusammentun, dürfen die Besucher an einem Nachmittag die ganze Bandbreite diese Instruments erleben.

Es gibt nicht nur ziemlich viele Orgeln in Limburg, an ihnen ist naturgemäß auch immer irgendetwas zu reparieren, restaurieren oder zu verbessern. Daher waren die Spendeneinnahmen des diesjährigen Orgelspaziergangs für die Instandsetzung und Restaurierung des Orgelgehäuses in der katholischen Stadtkirche am Bischofsplatz gedacht. Das stammt immerhin aus dem Jahr 1686 und ist nicht mehr ganz so stabil.

Bei der großen Anzahl der Besucher dürfte eine erkleckliche Summe zusammengekommen sein. Bereits an der ersten Station, der evangelischen Kirche am Bahnhof, reichten die vorgesehenen Stühle nicht für alle Interessierten. Sie durften dort auch gleich einen neuen Stern am Limburger Organistenhimmel erleben. Die aus Südkorea stammende Min Uhlig versieht seit Januar den Orgeldienst in der Gemeinde. Sie hat unter anderem bereits ein Musikstudium abgeschlossen und lässt sich nun in Stuttgart zur hauptamtlichen Kirchenmusikerin ausbilden. Mit Werken von Camille Saint-Saëns, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy demonstrierte sie klangvoll die Möglichkeiten ihres Instruments. Es war ein Vergnügen, ihrem Spiel zuzuhören – technisch auf Topniveau, ambitioniert und ausdrucksvoll zugleich.

In der Annakirche steht wohl die jüngste der Limburger Orgeln. Seit etwa 15 Jahren kann man das schöne Instrument des Orgelbauers Schiegnitz hören. Hier traf die Konzertgemeinde auf Harald Opitz, Kantor im Dekanat Runkel und bekannt für Jazz- und Swing-Ausflüge auf der Orgel. Dass das auch die Schiegnitz-Orgel kann, bewies er mit einer Eigenkomposition über das Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“. Wunderschön geriet der meditative Choral Nr. 1 in E-Dur von César Franck. Danach konnten sich die Orgelspaziergänger bei Kaffee und Kuchen, angeboten von der italienischen Gemeinde, stärken, bevor in der Stadtkirche Dekanatskantor Martin Buschmann zu hören war.

Es ist schon speziell und zeugt von einer Atmosphäre der Ökumene und Toleranz, wenn ein evangelischer Kantor in einer katholischen Kirche den Reformationschoral schlechthin, Martin Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott“, intoniert. Gleich zwei Bearbeitungen des Liedes erklangen zu Beginn und am Schluss. Die erste stammte von einem ehemaligen Lehrer Buschmanns, Matthias Nagel, und kam leicht verjazzt und schwungvoll daher. Mit Schwung und auch verspielter Heiterkeit ging es weiter bis zur „Fantaisie sur ,Ein feste Burg ist unser Gott‘“ des Kanadiers Denis Bédard, bei der das Thema nach allen Regeln der Kunst durchbuchstabiert, betrachtet, verfremdet und apotheotisch aufgestellt wird.

Die letzte Station war wie immer der Limburger Georgsdom mit seiner großen Klais-Orgel. Dort war Domorganist Carsten Igelbrink der Interpret. Ohrwürmer wie die „Hornpipe“ aus Georg Friedrich Händels „Wassermusik“ oder das „Ave verum“ von Wolfgang Amadeus Mozart gesellten sich zu Fugen von Bach und auch von Mozart. Mit der großartigen, stürmisch vorwärts treibenden „Toccata G-Dur“ von Théodore Dubois zog Igelbrink im wahrsten Sinne des Wortes alle Register seines Instruments und füllte das Gotteshaus mit großem Klang. Ein gelungener Abschluss des Orgelspaziergangs!

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