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Morgens ab 6.30 Uhr belädt René Vetter sein Fahrzeug im Postverteilzentrum Limburg. Anschließend fährt er die Pakete aus. An diesem Tag muss er 200 davon in der Domstadt zustellen.

Weihnachtsgeschäft

Paketzusteller geben in der Weihnachtszeit alles für unsere Geschenke

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Dass wegen des Online-Handels immer mehr Weihnachtsgeschenke per Post zugestellt werden, merken die Zusteller genau. Für René Vetter und seine Kollegen sind es daher die stressigsten Wochen des Jahres. Dennoch gibt er alles, damit die Pakete auch pünktlich zum Fest da sind.

Im Postverteilzentrum in Limburg ist kurz vor den Weihnachtsfeiertagen eine Menge los. Aus den Postverteilzentren Neuwied, Obertshausen und Saulheim kommen pro Nacht rund 4400 Pakete für Limburg herein, wie Leiter Thomas Schmid erzählt. Er ist für den Bereich von Diez bis Bad Camberg zuständig, hat 77 Postzusteller und Sortierer unter sich. Pro Jahr steige die Paketzahl durch Online-Handel um zehn Prozent, sagt er.

Die Post habe durch Mitarbeiterwerbung ihre Probleme des vergangenen Jahres in den Griff bekommen, sagt Schmid. Mittlerweile seien wieder 90 Prozent der Paket- und Briefsendungen innerhalb Deutschlands am nächsten Tag beim Empfänger. Um 3 Uhr nachts kommen in Limburg mit Transportern die ersten Sendungen herein. Um 9 Uhr fahren die Postzusteller für Limburg und Umgebung in ihre Bezirke los.

Einer davon ist René Vetter aus Staffel. Der 40-Jährige hat mittlerweile einen Stammzustellbezirk im Elzer Gewerbegebiet und in Malmeneich. An diesem Tag vertritt Vetter aber einen Kollegen in der Limburger Kernstadt. Nach dem Hauptschulabschluss an der Limburger Theodor-Heuss-Schule hat Vetter bei der Post seine Ausbildung absolviert und ist ihr bis heute treu geblieben. Unterwegs im Auto erzählt er: „Ein Bürojob, das wäre überhaupt nichts für mich. Ich bin gerne draußen an der frischen Luft, liebe Kontakt mit vielen Menschen.“

Beim Nachbarn abgeben

Der 40-Jährige würde am liebsten bis zur Pensionierung bei der Post bleiben. Er sei froh, mittlerweile einen festen Bezirk zu haben, in dem er die Leute und ihre Gewohnheiten kenne. Da weiß er, wenn jemand nicht daheim ist, wo er das Paket bei Nachbarn abgeben oder sicher ablegen kann. Allerdings habe er jetzt in der Vorweihnachtszeit gar nicht die Zeit, um für ein Paket noch mal beim Nachbarn zu klingeln. Aber er macht es trotzdem. Silvia Farruggo etwa nimmt für ihre Nachbarin gerne ein Paket an. „Es gibt natürlich auch Leute, die Zoff mit ihren Nachbarn haben und das nicht wollen“, sagt Vetter. „Aber das läuft immer unkompliziert. Die sagen mir das einfach und dann weiß ich Bescheid.“ Dann unternimmt er einen Tag später eben noch einen zweiten Zustellversuch. „Ich bin da hundertprozentig korrekt“, versichert er.

Vom Fernsehen aufgedeckte Fälle, in denen Auslieferer keine Lust hatten, in höhere Stockwerke zu gehen und darum vergebliche Zustellversuche vortäuschten, gebe es bei ihm nicht. Auch könne er keine Pakete verschwinden lassen, wenn ihm die Arbeit zu viel werde, betont Vetter. Denn alles, was er morgens übernehme, sei im System registriert.

Zum Glück hat Limburg nicht so viele Hochhäuser wie anderswo. Aber es gebe doch einige und dann müsse er mit bis zu 31,5 Kilo schweren Paketen auch schon einmal bis in den dritten Stock laufen. „Körperlich anstrengend ist die Arbeit schon, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist“, sagt er offen. Bis zu zehn Stunden und 45 Minuten können die Schichten dauern. Dann muss er abbrechen. „Mein Ziel ist natürlich, vorher alles zugestellt zu haben. Ich möchte ja, dass die Kunden zufrieden sind und noch nicht einen Tag länger warten müssen“, sagt Vetter.

„Ein bisschen selbst schuld“

Die meisten Kunden seien, gerade in der Vorweihnachtszeit, sehr nett. Doch einige warteten doch ungeduldig auf ihre Pakete und machten ihrem Ärger bei ihm Luft. „Aber wenn jemand erst drei Tage vor Weihnachten einfällt, dass er noch Geschenke braucht, der ist auch ein bisschen selbst schuld“, sagt der Zusteller. Er betont aber, dass seine Kollegen und er alles dafür täten, dass möglichst sämtliche vor dem 24. Dezember abgeschickten Pakete noch an Heiligabend an den Haustüren seien.

Im Verteilzentrum in Limburg sortiert Vetter die Sendungen nur grob nach Straßen vor. Im stehenden Postfahrzeug sortiert er sie vor dem Ausliefern noch schnell nach Hausnummern. Am Anfang bekomme man den Bezirk von einem erfahrenen Kollegen gezeigt. Aber nach zwei Tagen müsse man sich dann eben in seinem neuen Gebiet alleine zurechtfinden.

René Vetter hat als ganz normaler Briefträger angefangen. Doch mit den Jahren wurden bei der Post nicht nur die Zustellbezirke größer. Irgendwann mussten die Briefzusteller dann auch die Pakete „nebenbei“ mit ausfahren. Um 6.30 Uhr hat Vetter an diesem Morgen mit dem Dienst angefangen. 200 Pakete muss er zustellen, ist bis 15.30 Uhr unterwegs. „Im Dezember fängt es immer an, mehr zu werden“, sagt er. Dass die Weihnachtsgeschenke kämen, merke er an den vielen Sendungen von Amazon, Zalando und Ebay. „Der Online-Handel boomt, weil es für die Leute am einfachsten ist, sich alles nach Hause bringen zu lassen“, sagt der Postmitarbeiter. Und umgekehrt nehme er viele Retour-Sendungen wieder zur Post mit. Nach den hektischen Wochen vor den Festtagen ist der Staffeler dann froh, die Weihnachtswoche frei zu haben und einfach daheim mal für ein paar Tage die Beine hochlegen zu können.

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