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Palmsonntag 1945: Als die Bomben auf Limburg fallen

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Von: Johannes Laubach

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Mit dem Anrücken der Amerikaner rechneten die Limburger am Wochenende vor Ostern 1945 zu jeder Stunde. Doch bevor die Soldaten kamen, gab es den schwersten von insgesamt elf Luftangriffen auf die Stadt. Einen Tag später, am 26. März, betraten die ersten amerikanischen Soldaten Limburger Boden.

Es ist der 25. März 1945, Palmsonntag, eine Woche vor Ostern. In den Morgenstunden greifen Maschinen aus der Luft an. Ihr Ziel ist das Bahnwerk. Es soll das letzte noch funktionstüchtige Werk der Reichsbahn sein. Es war zuvor auch schon Ziel von Bombenangriffen gewesen, ohne jedoch entscheidend zerstört worden zu sein. Als die Bomber den Himmel über Limburg wieder verlassen, ist von dem Bahnwerk nichts mehr übrig. Etwa 300 Sprengstoffbomben sollen die Maschinen innerhalb von zwei Stunden allein auf das Bahnanlage abgeworfen haben.

Auch wenn die Flugzeuge und ihre Besatzungen ein klares Ziel haben, es gibt auch Bomben, die in Wohnhäuser der Stadt einschlagen. Der Angriff hat etwa 40 Todesopfer gefordert. Allein 15 in der Zentrale der Firma Hammerschlag. In dem recht neuen Haus mit Schutzkeller in der heutigen Werner-Senger-Straße hatten sie sich vor der Bomben sicher gefühlt. Zeitzeugen erinnern sich in umserem heutigen Beitrag an den Angriff.

„In den Keller!“

„Ich rief meine Mutter zu: ,In den Keller!’ Die rannte die Treppe runter, rief den anderen Bewohnern zu ,In den Keller!’. Auf dem Treppenabsatz öffnete sie noch das Fenster. Wegen des eventuellen Luftdrucks. Dann krachte es. Als ich an dem Fenster vorbei kam, sah ich hinter dem Kalkwerk, also auf der Limburger Seite, eine riesige Dreckwolke. Trümmer flogen durch die Luft.“ Hans Stangier kann sich noch gut an den Angriff erinnern.

Der damals 17-Jährige hatte vor Ostern gerade ein paar Tage Urlaub vom Arbeitsdienst, an Gründonnerstag sollte er wieder einrücken. Die Familie, Mutter und Schwester, wohnten zu der Zeit in Freiendiez, das Haus in Limburg war nach einem Treffer nicht mehr bewohnbar. Gegen 9.30 Uhr gab es die ersten Hinweise auf den bevorstehenden Angriff. Und es dauerte nicht lange, da hörte Hans Stangier auch schon das Brummen der Flugzeugmotoren.

Zwei Stunden, so die Erinnerung, dauerte der Angriff. Ein Verband folgte dem nächsten. Die Flieger kamen so tief, dass die offenen Bombenschächte zu sehen waren. Kurz vor 12 Uhr ist Stangier dann ins Diezer Feld gegangen und hat von dort aus gesehen, dass von dem Haus, in dem die Familie zuvor wohnte, nichts mehr stand. Und die neue Halle der Firma Scheid lag platt auf dem Boden.

Nachmittags wagte der 17-Jährige einen Ausflug durch das Feld zum Stephanshügel. Die beiden Städte Diez und Limburg waren sich damals auf dieser Seite noch nicht so nahe gekommen, wie das heute der Fall ist. Dort, wo die Blauen Funker heute ihre Bleibe haben, hatte die Firma Hüfner einen Stollen für ihre Beschäftigten und Anwohner angelegt. Wie sich Stangier erinnert, war der Haupteingang verschüttet worden, jedoch schon freigeschaufelt, als er ankam. Es sei niemand zu Schaden gekommen.

Butter auf der Straße

Aus Richtung des Bahnwerks seien immer wieder kleinere Explosionen zu hören gewesen. Dabei habe es sich möglicherweise um Gasflaschen gehandelt. Auf dem Ladegleis direkt neben der Straße befanden sich zerstörte Waggons. In einem befanden sich unter anderem große Butterpakete, die nun auch auf der Straße lagen. Um sie einfach mitzunehmen, waren sie für Stangier zu schwer. Bis nach Freiendiez hätte er es nicht geschafft. Also ist er ohne Butter am total zerstörten Güterbahnhof zurück nach Freiendiez.

Limburg war kein ständiges Ziel von Angriffen, doch insgesamt gab es im Zweiten Weltkrieg elf größere Bombenangriffe auf die Stadt, dazwischen auch immer wieder einmal Angriffe von Fliegern, aus denen geschossen wurde. Erika Schön aus Dehrn, die damals als Kind in Limburg lebte, erinnert sich an einen solchen Angriff. Sie befand sich zu dieser Zeit mit anderen Kindern im Dom, wo sie von Stadtpfarrer Heinrich Fendel Kommunionunterricht erhielten. Die Erstkommunion sollte am Weißen Sonntag 1945 sein.

Angriff der Tiefflieger

„An einem dieser Tage in den letzten Wochen des Krieges gab es Alarm. Wir saßen in der Sakristei des Domes. Stadtpfarrer Heinrich Fendel unterrichtete uns. Anstatt uns dort zusammen zu halten, schickte er uns nach Hause“, berichtet Erika Schön. Ganz verstört und in großer Angst seien alle auseinander gelaufen. „Da kamen schon die Tiefflieger“, erinnert sie sich. Zusammen mit ihrer Freundin rannte sie links unter den Bäumen in Richtung „Sack“. „Ständig wurde aus den Fliegern geschossen“, so Erika Schön. In Todesangst liefen die Mädchen durch die Gassen, bis sie von Bewohnern in einen Keller gezogen wurden. Die besorgte Mutter suchte nach der Entwarnung ihre Tochter Erika. „Bis heute ein unvergessener Tag“, so Erika Schön.

Schutz im Dom

Konkrete Erinnerungen an den Angriff hat auch Rudolf Baldus, Jahrgang 1934. Den Bombenangriff erlebte die Familie im Gewölbekeller der Amtsapotheke in der Grabenstraße. „Als dort durch die Detonationen der Putz von der Decke fiel, rannten wir über die Straßen zum Dom, weil dieser angeblich nicht bombadiert würde“, so Rudolf Baldus. Dort harrte die Familie mit anderen aus, die ebenfalls im Dom Schutz gesucht hatten. Der Weg zurück in die Stadt führte zu einem vollig zerstörten Elternhaus. „Wir hatten keine Bleibe mehr“, so Baldus.

„Bekannte rieten uns, wir sollten in die Bürgermeistervilla an der Schiede gehen und dort vorerst bleiben“, erinnert sich Baldus. die Villa stand leer, da Nazi-Bürgermeister Willi Hollenders, er hatte sein Amt im November 1933 angetreten, die Stadt verlassen und vor den heranrückenden Amerikanern geflohen war.

Zu Hause geblieben

Auch in Ahlbach ist der Bombenangriff am Morgen des Palmsonntag zu hören. Dort hatte sich Willi Mink darauf vorbereitet, sich an dem Morgen zur Sammelstelle für den Volkssturm in (Bad) Camberg zu begegeben. Doch die Bomben, die das Bahnwerk in Schutt und Asche legen, hielten Willi Mink und seine Jahrgangskameraden von dem Gang nach Bad Camberg ab, der Volkssturm fand ohne sie statt. „Wir sind zu Hause geblieben“, erzählt er. Allerdings trafen die Bomben nicht nur das Bahnwerk. Auch die Zentrale der Firma Hammerschlag in der heutigen Werner-Senger-Straße, dort machte der damals 16-jährige Willi Mink seine Ausbildung, bekam einen Treffer ab. 15 Menschen starben dort. Sie hatten in dem recht neuen Gebäude in einem Schutzraum Unterschlupf gesucht.

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