Eine Stunde Parken in der Hospitalstraße in Limburg in der Nähe der Fußgängerzone soll nach dem Willen der Stadt künftig zwei Euro kosten.
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Eine Stunde Parken in der Hospitalstraße in Limburg in der Nähe der Fußgängerzone soll nach dem Willen der Stadt künftig zwei Euro kosten.

Gesprächsbedarf

Parken in Limburg: Stadt will Preise deutlich erhöhen – doch es gibt Kritik

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Die Stadt Limburg will die Tarife für Kurzzeit- und Tagesparker in der City drastisch erhöhen. Einzelhändler kritisieren die Pläne.

Die Stadt Limburg will die Parkgebühren in der Innenstadt deutlich erhöhen: Vom 1. August an ist eine Preissteigerung von 100 Prozent für Kurzzeit- und Tagesparker geplant. Auch Dauerparker, die für einen Parkplatz eine Monatsgebühr entrichten, sollen mehr bezahlen.

Allerdings ist eine Entscheidung noch nicht gefallen: Innerhalb der Stadtpolitik gibt es Gesprächsbedarf. Teurer dürfte es gleichwohl in jedem Fall werden. Die SPD setzt sich dafür ein, dass Parken in Parkhäusern deutlich günstiger sein sollte als am Straßenrand, um den Parksuchverkehr einzuschränken. Mehr zahlen müssten Autofahrer trotzdem.

Parken in Limburg soll doppelt so teuer werden

Betroffen von der drastischen Preiserhöhung wären die von der Stadt betriebenen Parkhäuser wie unter anderem das Altstadtparkhaus und die Tiefgarage der Stadthalle genauso wie alle öffentlichen Parkplätze am Straßenrand wie zum Beispiel an der Hospitalstraße. Der zuständige Ausschuss wird darüber am kommenden Mittwoch beraten, die Stadtverordneten sollen in ihrer Sitzung am Montag, 5. Juli, entscheiden.

Und das ist laut Magistrat geplant:

Kurzeitparker und Tagesparker sollen doppelt so viel zahlen wie bislang: Statt einem Euro pro Stunde sollen zwei Euro fällig werden, und statt fünf Euro am Tag sollen es künftig zehn Euro sein. Diese Preise sollen vom 1. August an im Altstadtparkhaus gelten, im ZOB-Parkhaus an der Graupfortstraße, in der Tiefgarage der Stadthalle an der Diezer Straße, für alle Nutzer der Parkscheinautomaten in der Innenstadt, aber auch auf dem Parkdeck am Hauptfriedhof.

Auch für Dauerparker soll es teurer werden: Im Altstadtparkhaus will die Stadt künftig 60 Euro verlangen statt bislang 50 Euro und im ZOB-Parkhaus 90 Euro statt bislang 71,40 Euro. Die Monatsmiete auf dem Parkdeck am Hauptfriedhof soll von 30 Euro auf 50 Euro steigen. Diese Parkplätze werden überwiegend von Anwohnern angemietet.

Nutzer des Pendlerparkplatzes Eschhofen sollen mehr zahlen: Auch der von Zugpendlern genutzte P+R-Parkplatz am Eschhöfer Bahnhof ist betroffen: Die Tageskarte soll sich von einem auf zwei Euro erhöhen, die Wochenkarte von 2,50 Euro auf fünf Euro, die Monatskarte von sechs auf zehn Euro und die Jahreskarte von 60 auf 100 Euro. Auch das Kurzzeitparken für Bahnkunden im ICE-Parkhaus soll teurer werden von einem auf zwei Euro pro Tag.

Parken in Limburg: Höhere Gebühren schon länger angekündigt

Dass die Parkgebühren in Limburg erhöht werden, hatte die Stadt schon im vergangenen Jahr indirekt angekündigt - durch ein öffentlich bekanntgegebenes Schreiben des Rechtsamts der Stadt an den Verwaltungsgerichtshof Kassel, der noch in diesem Jahr eine Entscheidung über mögliche Dieselfahrverbote in Limburg treffen will. Darin waren bereits höhere Parkgebühren zum 1. Juli dieses Jahres angekündigt worden, obwohl diese Entscheidung allein den Stadtverordneten vorbehalten ist. Hintergrund sind die Bestrebungen, den Autoverkehr in der Innenstadt zu reduzieren, damit der Grenzwert beim Atemgift Stickstoffdioxid an der Schiede eingehalten wird.

Weil dies elf Jahre nach der verbindlichen Einführung noch immer nicht der Fall ist, drohen vor Gericht Dieselfahrverbote, die das Land Hessen allerdings inzwischen selbst (auch ohne ein Urteil) für die richtige Entscheidung hält - zumindest plant das Land Fahrverbote für ältere Diesel auf der Schiede und Frankfurter Straße (B 8). Die Stadt Limburg und der Landkreis wollen das verhindern, weil sie auf den Nebenstrecken einen Ausweichverkehr mit einer stärkeren Belastung der dortigen Anwohner befürchten; es wird allgemein davon ausgegangen, dass die Fahrer älterer Diesel trotzdem in die Stadt fahren, nur eben anders.

Parken in Limburg: Koalition wünscht Änderungen

Doch das letzte Wort bei den Parktarifen ist noch nicht gesprochen. Die große Koalition aus CDU und SPD wünscht Änderungen. Die SPD drängt auf unterschiedliche Tarife in Parkhäusern und an der Straße. Die SPD schlägt eine geringere Verteuerung in den städtischen Parkhäusern auf 1,50 Euro pro Stunde vor und will stattdessen die Parkplätze an der Straße deutlich teurer machen mit drei Euro pro Stunde. Der Tagespreis in den städtischen Parkhäusern soll aus Sicht der SPD nur auf 7,50 Euro steigen. Denn zum Konzept der in Limburg politisch beschlossenen Verkehrswende gehört es eigentlich, Autofahrer zu animieren, ins nächstgelegene Parkhaus zu fahren statt auf einen bestimmten Straßenparkplatz zu lauern, der immer wieder angefahren wird, bis er frei ist.

Die CDU wiederum tut sich schwer mit der geplanten Verteuerung auf den Pendler-Parkplätzen wie in Eschhofen und wünscht auf diesen Parkflächen eine moderatere Erhöhung. Außerdem soll die Stadt verstärkt Straßenparkplätze umwandeln in Parkplätze nur für E-Autos oder Hybrid-Autos. Die Stadt soll Anbietern wie der EVL ermöglichen, auf diesen Parkflächen Ladesäulen zu errichten.

Parken in Limburg: Darum soll Parken nicht mehr so günstig sein

Warum höhere Parkgebühren? Der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) führt mehrere Gründe auf:

  • Luftreinhalteplan: Die Erhöhung der Parkgebühren ist Bestandteil im aktuell geltenden Luftreinhalteplan, um unter anderem mit dieser Maßnahme dem drohenden Dieselfahrverbot entgegenzuwirken. Die Erhöhung von Parkgebühren sei auch in anderen Luftreinhalteplanverfahren (wie etwa in Frankfurt) von großer Bedeutung gewesen. "Dabei wurden die Parkgebühren teilweise verdreifacht", argumentiert Stanke.
  • Inflation: In der Vorlage ist von einer inflationsbedingten Anpassung der "bereits länger zurückliegenden" Erhöhungen der Parkgebühren die Rede, "um gleichbleibende Gebühreneinnahmen zu gewährleisten". Die Preise an den Parkscheinautomaten waren 2015 von 75 Cent auf einen Euro pro Stunde gestiegen.
  • Finanzierung der Parkhäuser: Diese müssen saniert werden (schon geschehen in der Altstadt und an der Stadthalle) oder stehen kurz davor wie beim ICE-Parkhaus und das am ZOB.
  • Förderung des ÖPNV: Der Eigenbetrieb Stadtlinie (betreibt zwei Parkhäuser) habe das Ziel, den ÖPNV weiter auszubauen. Der Eigenbetrieb sei dafür auf höhere Einnahmen angewiesen.

Parken in Limburg: Einzelhandel hält höhere Parktarife ab August für falsch

"Bedenklich" hält der Vorsitzende des Limburger City Rings, Horst O. Hoppe, den Zeitpunkt für höhere Parktarife. "In der augenblicklichen Situation in der Pandemie - und wir wissen noch gar nicht, wie sich die Lage im Herbst entwickelt - wäre eine Verdopplung der Parkgebühren übers Ziel hinaus geschossen", sagt Hoppe als Vertreter des heimischen Einzelhandels. Er empfiehlt stattdessen, bis nächstes Jahr zu warten und dann die Parkgebühren "moderat" zu erhöhen.

"Wir haben in der Limburger Innenstadt noch nicht die Kundenfrequenz wie vor der Pandemie", sagt er. Er könne grundsätzlich verstehen, wenn Kommunen Parkgebühren irgendwann anheben, "denn nichts wird billiger", aber noch sei die Situation für den Einzelhandel und die Gastronomie zu angespannt, um höhere Parkgebühren zum jetzigen Zeitpunkt zu rechtfertigen.

Parken in Limburg: Angebot von Fahrradstellplätzen soll ausgeweitet werden

Verwundert über eine deutliche Erhöhung der Parkgebühren zeigt sich auch WERKStadt-Inhaber Marcel Kremer. "Ich bin froh, über jeden Kunden, der bei uns parkt", sagt er. An seinem Konzept, dass jeder WERKStadt-Kunde 90 Minuten kostenlos am Einkaufszentrum parken kann, will er festhalten. Auch der anschließend anfallende Parktarif von 1,50 Euro pro Stunde soll unverändert bleiben. "Wir wollen doch die Kunden nach der Pandemie in die Stadt locken", sagt er. Die Parkgebühren zu erhöhen, sei dabei der falsche Weg. "Viel sinnvoller wäre es, noch mehr Parkflächen mit Ladestationen für E-Autos anzubieten." Eine Strategie, die er nach seinen Angaben auf seinen Parkflächen selbst verfolgt.

Außerdem sei es sinnvoller, Arbeitnehmern, die jeden Tag mit dem Rad in die Stadt kommen wollen, einen sicheren Fahrrad-Stellplatz anzubieten. Deshalb sei in Zusammenarbeit mit der Stadt geplant, von September an 60 bis 70 dauerhaft zu mietende und abschließbare Stellplätze für Fahrräder in der Tiefgarage der WERKStadt anzubieten.

Parken in Limburg: Betreiber von Parkhaus überrascht von Gebührenerhöhung

Überrascht von der geplanten Preiserhöhung zeigt sich auch der Betreiber des Parkhauses Mitte an der Grabenstraße (in der Nähe des Kinos), Roman Bender. "Das ist definitiv zu viel", sagt er zu einer angedachten Preiserhöhung um 100 Prozent. In der jetzigen schwierigen Situation für den Einzelhandel und der Gastronomie Parken in der Innenstadt deutlich teurer zu machen, sei ein Fehler. Die in seinem Parkhaus erhobenen Gebühren sollen erst einmal unverändert bleiben. Sollten die Autofahrer verstärkt auf die günstigeren Parkhäuser wie seines ausweichen, wolle er auch bei den alten Preisen bleiben.

Die Preisgestaltung der Tiefgarage der Kreissparkasse (KSK) Limburg an der Diezer Straße sei unabhängig von der Preisgestaltung der städtischen Parkplätze, erklärt auf Anfrage Oliver Schrangs von der KSK. Es sei nicht geplant, das Kurzzeitparken in der Tiefgarage zu verteuern. Bislang kann dort bis zu 30 Minuten lang kostenlos geparkt werden, anschließend werden 50 Cent pro 30 Minuten fällig. Das kostenfreie Parkangebot werde überwiegend von Kunden der KSK genutzt, die zur Bank wollten.

City Ring-Vorsitzender Hoppe plädiert dafür, am Limburger Stadtrand Park+Ride-Parkplätze für Limburg-Besucher zu schaffen, die mit einem kleinen Elektrobus alle zehn bis 15 Minuten in die Innenstadt fahren könnten, um dort einzukaufen, einen Kaffee zu trinken und essen zu gehen. Es gebe viele Städte, die auf ein solches Konzept setzten, sagt er und verweist auf Maastricht. Er empfiehlt der Stadt Limburg, ein solches Konzept ebenfalls zu prüfen. (Stefan Dickmann)

Weitere Parkplätze in Limburg könnten durch eine zweite Ebene unter der Lichfieldbrücke entstehen.

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