Landtagswahl 2018

Parteien auf Stimmenfang - Straßenwahlkampf tobt

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Der große Wahltag in Hessen rückt immer näher. Da gilt es für die Parteien, noch einmal die Werbetrommel zu rühren. Die AfD fühlt sich dabei ausgegrenzt und die Freien Wähler setzen auf ein Comeback.

Gut eine Woche vor der - und Landratswahl am 28. Oktober hat der Straßenwahlkampf in Limburg am Samstag einen Höhepunkt erreicht. Auffällig ist dennoch, dass die meisten Passanten achtlos an den Ständen vorbeieilen. Dabei hat sich Michael Köberle (CDU) extra sein Initial K in Brezeln backen lassen, Viktoria Spiegelberg-Kamens (SPD) hat „die besten Waffeln“ und Marion Schardt-Sauer (FDP) sogar Kinderspielzeug dabei.

Doch viele der Standbesucher sind Parteifreunde und nur wenige „normale“ Bürger wollen sich für ihre Entscheidung einen Überblick verschaffen. Am Stand der Freien Wähler (FW) feierte Andreas Bendel Samstag sein überraschendes Comeback als Landratskandidat. „Meine Freunde haben mir gesagt, wenn Du gewählt wirst, musst du die Wahl auch annehmen“, berichtet er. Das würde er nun auch. Vor einigen Wochen hatte er noch seinen Rückzug bekanntgegeben, steht aber bereits auf den Wahlzetteln.

„Viele, die zu uns kommen, sind mit der Politik von CDU und SPD unzufrieden“, sagt Valentin Bleul, der frühere Eschhöfer Ortsvorsteher. Oft fragten die Menschen am Stand nach den Versprechen der FW für den kompletten Wegfall der Anlieger-Straßenbeiträge und Kindergartengebühren. Landtagskandidat Georg Horz meint, die Unzufriedenheit mit der Situation an den heimischen Schulen sei bei vielen groß, auch wenn die Kreisspitze öffentlich immer etwas anderes erzähle.

Limburgs CDU-Stadtverbandsvorsitzender Christian Wendel bezeichnet die Stimmung als gut. „Viele wollen mit uns ins Gespräch kommen.“ Natürlich gebe es auch Unzufriedene aufgrund der Streitereien in Berlin, „doch unsere heimischen Kandidaten, die schätzen die Leute“. Diskutiert werde über innere Sicherheit, Schulen und Zukunftschancen junger Menschen. Landratskandidat Köberle meint, die meisten Menschen interessierten sich für kommunale Aspekte. Es gehe um Infrastruktur, Arbeitsplätze, Familien- und Seniorenthemen.

„Mich überrascht, dass die Leute sehr differenzierte Fragen stellen“, sagt gegenüber am FDP-Stand Landtagskandidatin Schardt-Sauer. Gesprochen werde über Bildung, Infrastruktur wie Umgehungsstraßen oder Windkraft. Sie berichtet, dass in der Region nach Meinung der Standbesucher in Sachen schnellem Internet noch einiges an Nachholbedarf sei.

Spiegelberg-Kamens besuchen die Bürger am SPD-Stand, wie sie sagt, weil sie vom Pflegenotstand betroffen seien oder Angst hätten, ihre Wohnungen in Limburg und Umland aufgrund steigender Mieten zu verlieren. „Viele kritisieren auch, dass sie keine Anbindung mit dem Nahverkehr von ihren Dörfern aus nach Limburg mehr haben“, sagt sie. Zudem berichteten viele Standbesucher, dass an vielen Schulen Lehrer für die Nachmittagsbetreuung fehlten und auch, dass es in Limburg zu wenige Polizisten gebe und bei Anrufen in der Zentrale oft keine Streifenwagen zeitnah geschickt werden könne. Was Kamens-Spiegelberg nicht verstehen kann, ist, dass manche Leute ihr sagten, dass sie aus Protest gegen die großen Parteien nun die Grünen wählen wollten. Denn die regierten schließlich seit fünf Jahren in Hessen mit und seien mitverantwortlich.

Nikoletta Agumes, stellvertretende Kreissprecherin der AfD, ärgert sich, dass ihre Konkurrenten genau das machten, was sie der „Alternative für Deutschland“ vorwerfen würden, nämlich ausgrenzen. So habe die Stadt Limburg den Stand der AfD als einzigen der Parteien abseits der anderen am Europaplatz platziert. „Wenn miteinander reden hier nicht mehr möglich ist, sehe ich die Demokratie gefährdet“, kritisiert sie. Weil ihre Partei von den etablierten Parteien immer als böse dargestellt werde, gehe es am AfD-Stand oft sehr emotional zu. Manche seien aber auch über „die Etablierten“ wütend, „weil sie für ihre Arbeit zu wenig Lohn und Rente bekommen“.

Linken-Landtagskandidat Harff-Dieter Salm steht Flugblätter verteilend in der Fußgängerzone. Der Bad Camberger erzählt, dass sich viele bei ihm über den Rassismus in unserer Gesellschaft ärgerten, die soziale Ungerechtigkeit, und dass Deutschland zu viele Waffen in die Welt exportiere.

Grünen-Landtagskandidat Dr. Sebastian Schaub sagt, dass am Stand zu spüren sei, dass die Grünen derzeit beliebt seien. Es gebe im Vergleich zu vorherigen Wahlkämpfen auf einmal viel Lob. Bürger sagten, die Grünen würden im Gegensatz zu anderen glaubhafte Politik machen. Die Leute interessierten sich für Umweltthemen, Windkraft, Bildungsgerechtigkeit oder die Digitalisierung an Schulen.

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