Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch.
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Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch.

Heimischer CDU-Bundestagsabgeordneter

Party-Ärger für Klaus-Peter Willsch

  • vonSebastian Semrau
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"Bin Vorbildfunktion nicht gerecht geworden". Kritik kommt auch aus der eigenen Partei.

Limburg -Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch steht wegen einer privaten Feier in der Kritik. Der Hohensteiner gab gestern in einer Stellungnahme an, mit seiner Familie seinen 60. Geburtstag gefeiert zu haben. Diese Feier sei "nach den geltenden Regeln in Hessen nicht verboten" gewesen.

Am Donnerstag berichtete unter anderem der "Spiegel" über den Vorfall und veröffentlichte einen Ausschnitt aus einem Video, das Willsch zeigt, wie er mit weiteren Menschen feierte. Auf den Aufnahmen trug keiner der Gäste einen Mund-Nasen-Schutz, Sicherheitsabstände wurden nicht eingehalten. Laut "Spiegel" haben mindestens zwölf Personen an der Feier teilgenommen.

Den Abend habe er mit seiner Hausgemeinschaft verbracht, so Willsch, der fünf Kinder hat. Später sei unangekündigt eine befreundete Familie zur Runde hinzugestoßen, um zu gratulieren, erklärte der Politiker. Nach den in Hessen geltenden Regeln sei das erlaubt gewesen, jedoch bedaure er, dass "ich damit meiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden bin". Private Treffen mit mehreren Haushalten sind in Hessen während der Corona-Pandemie tatsächlich nicht verboten. Zum Zeitpunkt der Feier aber hieß es in der hessischen Verordnung: "Für private Zusammenkünfte wird eine Beschränkung auf den eigenen Hausstand sowie eine weitere nicht im Haushalt lebende Person dringend empfohlen." Diese Empfehlung hat Willsch, der im September erneut in den Bundestag gewählt werden will, offensichtlich ignoriert.

Das stößt auch in der eigenen Partei auf deutlich Kritik: "Politischen Verantwortungsträgern kommt eine Vorbildfunktion zu und dies gerade auch in Krisenlagen. Insofern bin ich verärgert, dass der Kollege dringende Empfehlungen zur Kontaktreduzierung nicht beachtet hat", schreibt der Kreisvorsitzende der CDU Limburg-Weilburg, Andreas Hofmeister. Auf die Nachfrage zu möglichen Konsequenzen antwortete er nicht.

Das gilt auch für den für mögliche Strafen zuständigen Rheingau-Taunus-Kreis. Dessen Sprecher Christoph Zehler teilte lediglich mit, dass der Hinweis aus das Video erst gestern Vormittag eingegangen sei.

Deutliche Kritik kommt dagegen von der politischen Konkurrenz: "Es macht mich fassungslos, wenn ausgerechnet Klaus-Peter Willsch jene Regeln und Empfehlungen einfach ignoriert, die wir seit Monaten der Bevölkerung zumuten. Gerade er, der sich sonst als Hüter von Recht und Ordnung inszeniert. Er macht sich selbst unglaubwürdig und schadet dem Ansehen von Politik insgesamt", sagt der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Rabanus, der bei den vergangenen Bundestagswahlen im Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis 178 Rheingau-Taunus - Limburg Willsch stets unterlegen war.

"Die Haltung des CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch ist verantwortungslos und sollte Konsequenzen nach sich ziehen. Politiker haben eine Vorbildfunktion. Mit seinem Verhalten schadet Klaus-Peter Willsch fundamental dem Ansehen der parlamentarischen Vertreter in unserem Land", sagt auch Dieter Oelke, Mitglied des Kreisvorstands der Grünen. Die FDP-Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Marion Schardt-Sauer sagt: "Jeder, der ein Vorbild ist, muss selbst wissen, wie er diese Anforderung erfüllt."

Valetin Zill vom Kreisverband der Linken: "Willsch zeigt gerne und häufig, wie wenig ihm christliche Nächstenliebe und menschliches Leben bedeuten. Die Corona-Pandemie durchstehen wir nur mit Solidarität. Es passt, dass jemand, der durch sein Abstimmungsverhalten im Bundestag die Lasten der Krise systematisch auf die Schwächsten unserer Gesellschaft schiebt, sich selbst nicht einmal an grundlegende Regeln hält und dadurch Menschenleben gefährdet." afp/ses

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