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Die Einrichtung von Fahrradboxen, wie hier am Limburger Bahnhof, wird im Nahmobilitäts-Check empfohlen.

Masterplan fürs Rad soll folgen

Planer empfehlen: Beim Radwege-Ausbau groß denken

  • vonBernd Lormann
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Nahmobilitäts-Check zeigt Schwächen im Kreis Limburg-Weilburg auf und präsentiert Verbesserungsvorschläge.

Limburg -Nach Vorliegen eines Nahmobilitäts-Checks wird ein kreisweites Radverkehrskonzept erstellt. In diesem Masterplan sollen nicht nur die Zentren sondern auch entlegene Gebiete oder Kommunen des Landkreises Limburg-Weilburg mit eingebunden werden. Das hat der Ausschuss für Raumordnung, Wirtschaft und Verkehr des Kreistages beschlossen und empfiehlt dem Kreistag Limburg-Weilburg in seiner Sitzung am Freitag, 4. Dezember, in der Sporthalle in Merenberg die Zustimmung.

Wegen der Corona-Pandemie fand die öffentliche Sitzung des Ausschusses unter Einhaltung der Hygienebestimmungen bei geöffneten Fenster in der Aula der Limburger Adolf-Reichwein-Schule statt. Per Video zugeschaltet war Maik Bock von plan:mobil aus Kassel, die zusammen mit der Firma LK-Argus GmbH Kassel den 75 Seiten umfassenden Nahmobilitäts-Check erarbeitet haben.

In der Sitzung vertiefte Maik Bock die im Check angedeuteten Verbesserungsvorschläge und Maßnahmen, die am Ende in den Kommunen beschlossen werden müssen. Das Land Hessen fördert solche Maßnahmen mit 70 Prozent. Im Nahmobilitäts-Check gehen die Planer neben grundlegenden Verbesserungsvorschlägen auf drei Schwerpunkte für den Radverkehr ein. Das sind Beselich, Hünfelden sowie Limburg-Elz-Hadamar.

Beselicher Gewerbegebiet

besser erreichbar machen

Für den Gewerbestandort Beselich auf beiden Seiten der B 49 wird festgehalten, dass dieser stark auf Erreichbarkeit mit dem Pkw ausgelegt sei. Um es mit dem Rad und zu Fuß besser erreichen zu können, schlagen die Planer den alten Abschnitt der B 49, der parallel zur Bundesstraße verläuft, vor. Dieser werde wenig von Pkw genutzt und lasse sich mit gut sichtbarer Beschilderung sehr gut als Radverbindung nutzen. In den Betrieben des Gewerbegebietes sowie in den Ortskernen sollten ausreichend und hochwertige Abstellanlagen für Fahrräder eingerichtet werden. In Obertiefenbach solle auf der Hauptstraße zwischen Georg-Wagner-Straße und den Nahversorgern eine sichere Radverkehrsführung geschaffen werden.

Für Hadamar-Elz-Limburg empfiehlt der Check unter anderem, im Zentrum von Hadamar den Radverkehr über das Nebenstraßennetz mit geringerer Verkehrsbelastung zu führen. Entlang des Radfahrweges R 8 wird die Kreuzung Neue Chaussee/Am Bahnhof in Hadamar kritisiert, weil eine sichere Querungsmöglichkeit für Radfahrer fehlt. Auch die Kreuzung Brötzenmühlweg/Offheimer Straße in Elz müsse sicherer gestaltet werden, um eine ungefährlichere Verbindung zum Bahnhof zu schaffen. An den Bahnhöfen sollten ausreichend Fahrradabstellanlagen geschaffen werden, auch sichere Fahrradboxen für hochwertige Räder. Das betreffe die Bahnhöfe Limburg, Staffel, Elz, Niederhadamar und Hadamar.

Für Hünfelden wird in Kirberg eine sichere Radverkehrsführung für die Mainzer Landstraße empfohlen. Die Kreuzung Limburger Straße/Landesstraße 3022 (Zuweg zum P+R-Parkplatz) solle so verändert werden, dass Radfahrer diese sicher überqueren können, um auf den Geh- und Radweg zu gelangen. Direkte Routen sollen entlang der Bundes- und Landesstraßen entstehen, um vor allem Dauborn und Heringen deutlich besser an Kirberg anzubinden. Auch für die Anbindungen nach Kaltenholzhausen und Netzbach müssten gemeinsame Lösungen über Kreisgrenzen hinweg gefunden werden.

Im Nahmobilitäts-Check wird den Kommunen geraten, vor großen Schritten nicht zurückzuschrecken. Aktuelle Probleme könnten nur offensiv gelöst werden. Für eine schnelle und gezielte Umsetzung empfehle sich, ausreichend Personal bereitzustellen, das den Kommunen in Sachen Planung und Förderung beistehen könne. Der Dornburger Bürgermeister und Kreistagsabgeordnete Andreas Höfner (CDU) wünschte sich mehr pragmatische Lösungsvorschläge als allgemeinverbindliche Ratschläge. Wichtig, so Höfner, sei die Einbindung der Verbände und Behörden für Naturschutz, weil ansonsten der Ausbau von Radwegen problematisch sei. Der Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer (SPD) trat wegen der Zunahme von E-Bikes für den Ausbau von alltagstauglichen Radwegen unter Einbindung von naturschutzrechtlichen Vorgaben ein.

Naturschutz kann

Ausbau erschweren

Kreistagsabgeordneter Valentin Bleul (FW) meldete Bedenken an, ob die Fördertöpfe überhaupt noch gut gefüllt seien. Jörg Sauer entkräftete dessen Sorgen und meinte, die Fördermittel seien vom Land noch einmal erhöht worden. Die Lösung der Probleme mit dem Naturschutz seien nicht einfach, bemerkte der Hadamarer Bürgermeister und Kreistagsabgeordnete Michael Ruoff (CDU) und verwies auf den geplanten Ausbau eines Radweges zwischen Niederzeuzheim und Thalheim abseits der Landesstraße in einem Tal. Ruoff sprach die Gefahr einer Doppelförderung an, weil bereits jetzt schon Finanzierungen über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz bestünden.

Sauer sagte, mit dem Masterplan könne genau dargestellt werden, was aus welchem Förderprogramm komme. Der Kreistags- und Landtagsabgeordnete Tobias Eckert (SPD) betonte, mit dem Masterplan seien alle Grundlagen geschaffen, eklatante Schwächen zu beseitigen. Dann dürfte es nur ein Federstrich sein, die Zusage zur Förderung zu erhalten. Auf Vorschlag von Andreas Höfner und des Ausschussvorsitzenden Peter Trottmann (CDU) sprach sich der Ausschuss einstimmig dafür aus, das zu erstellende Radverkehrskonzept auf das gesamte Kreisgebiet, auch auf abseits gelegene Kommunen, auszudehnen.

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