Der Prozess am Limburger Landgericht läuft weiterhin schleppend.
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Der Prozess am Limburger Landgericht läuft weiterhin schleppend.

Verhandlung am Limburger Landgericht

Prozess gegen Brunhold S. wird nicht ausgesetzt

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Verteidigung fühlt sich "überrumpelt" und setzt Antragsserie fort.

Limburg -Konstant ist in diesem Verfahren nur die andauernde Programmänderung. Das gilt auch für den achten Prozesstag am Limburger Landgericht gegen Brunhold S. Dem aus Löhnberg stammenden 63-Jährigen wird vorgeworfen, psychisch labile Frauen in den Selbstmord getrieben zu haben, um sich an deren Tod sexuell zu befriedigen. Seine Verteidiger, Ramazan Schmidt und Oliver Guski, hatten für den gestrigen Verhandlungstag eine Aussage ihres Mandanten angekündigt. Daraus wurde jedoch nichts. Der Angeklagte saß sichtbar unbeeindruckt auf seinem Platz und schwieg, während sich Verteidiger Guski hörbar darum bemühte, das gesamte Verfahren gegen Brunhold S. zu torpedieren. Er beantragte, den Prozess auszusetzen.

Vorausgegangen war ein Hinweis des Gerichts, der sich aus der Beweiserhebung ergeben und in die Beurteilung des Falles einfließen müsse, hatte der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Janisch zu Beginn erklärt. Konkret ging es um jenen Fall in Bremen, bei dem der Angeklagte eine Frau am Telefon und über Internet-Chats so manipuliert haben soll, dass sie sich schließlich erhängte.

Tödliche Druckentlastung

Die unter einer Borderline-Symptomatik und einer depressiven Phase leidende Frau sei psychisch labil gewesen und habe die Folgen ihres Handelns nicht überblicken können, sagte Janisch. Das habe der Angeklagte gewusst und ausgenutzt. Er habe sie gesteuert und ihr eingeredet, ihren psychischen Druck nicht mit Schnittwunden abzubauen. Vielmehr redete er ihr ein, diesen Druck durch Strangulation zu bewältigen. Wie gefährlich dies ist, habe die Frau nicht erkannt. Nach Überzeugung des Gerichts war dem Angeklagten allerdings durchaus bewusst, dass sich die Frau nicht rechtzeitig selbst befreien könnte und sterben würde. Er habe das tödliche Szenario, das einem rund 45-minütigen Chat im Internet folgte, in Kauf genommen, weshalb nun auch eine Anklage wegen Mordes in Betracht komme, sagte Janisch.

Für die Verteidiger von Brunhold S. reicht ein Hinweis zu diesen Erkenntnissen, wie ihn das Gericht erteilte, indes nicht aus. Damit werde deutlich von der konkreten Anklage abgewichen, argumentierte Guski. Sein Mandant weise die Vorwürfe zurück. Darüber hinaus sei die geänderte Sachlage jetzt so komplex, dass eine aufwendige Vorbereitung notwendig sei. Die sei aber wegen der engen Terminkalenders von ihm und seinem Kollegen nicht kurzfristig möglich. "Die Verteidigung fühlt sich überrumpelt", rief Guski.

Die Staatsanwälte Sabine Hönnscheidt und Thomas Pohling sowie Rechtsanwältin Daniela Post, die die Nebenklage vertritt, sehen das anders. Die Aussetzung des Verfahrens sei nicht angemessen, sagte Pohling. Der bei der Beweisaufnahme vorgelegte Chat-Verlauf untermauere, was das Gericht als Hinweis dargestellt habe. Die Verteidigung habe ausreichend Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Auch Rechtsanwältin Post sagte, sie könne keine Gründe für eine Aussetzung des Verfahrens erkennen.

Das Gericht lehnte den Antrag der Verteidigung ab. Es gebe "keine überraschende Entwicklung", wegen derer der Prozess ausgesetzt werden müsse, argumentierte Richter Janisch. Ein bisschen Zeit zur weiteren Vertiefung bekamen die Verteidiger trotzdem. Die Verhandlung im externen Gerichtssaal wird erst in zwei Wochen, am 29. November, fortgesetzt.

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