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ARCHIV - 25.01.2014, Hessen, Frankfurt/Main: Beamte der Spurensicherung untersuchen am Landgericht in Frankfurt am Main (Hessen) das Opfer einer Schießerei. Der Täter hatte noch einen weiteren Mann mit Messerstichen und Schüssen getötet. (zu dpa "Zweiter Prozess um Schüsse im Frankfurter Justizzentrum beginnt" vom 18.10.2018) Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Justiz

Prozess gegen mutmaßlichen Doppelmörder neu aufgerollt

Unter verschärften Sicherheitsbedingungen begann gestern in Limburg die Neuauflage im Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelmörder vom Frankfurter Justizzentrum.

Vor dem Landgericht muss sich Hayamon S. verantworten. Der Afghane soll am 24. Januar 2014 zwei 45 und 50 Jahre alte Landsleute mit Schüssen und Messerstichen getötet haben. Hayamon S. war für diese Tat vom Landgericht Frankfurt 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hatte die Entscheidung jedoch Anfang des Jahres aufgrund des Verdachts der Befangenheit aufgehoben.

Laut Anklage hatte der Afghane seinen Opfern vor dem Gerichtsgebäude aufgelauert und diese sowohl mit zahlreichen Schüssen aus einer halbautomatischen Pistole als auch Stichen eines Jagdmessers getötet. Die Pistole will er zuvor für den Eigenschutz im Frankfurter Bahnhofsviertel gekauft haben.

Zur Sprache kam auch, dass die beiden Opfer Jahre zuvor den Bruder des Angeklagten getötet und seinen Sohn schwer verletzt hatten. Offenbar ging es um einen Streit um Abstellplätze für gebrauchte Autos, der mit Messern ausgetragen wurde. Die beiden späteren Opfer waren aber freigesprochen worden, weswegen die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der Angeklagte zur Selbstjustiz griff, um seinen Bruder zu rächen. Aber auch dieser Prozess wurde vom BGH kassiert und sollte neu aufgerollt werden. Die Staatsanwaltschaft sieht weiter das Mordmerkmal der Heimtücke gegeben, während die Verteidigung eine Verurteilung wegen Totschlags für den Angeklagten erreichen will.

Um seinen Mandanten emotional nicht zu belasten, schlug der Verteidiger vor, die Übersetzung für den schlecht Deutsch sprechenden Afghanen während des Prozessauftakts zeitweise auszusetzen. Das lehnte das Gericht mit dem Hinweis ab, dass der Angeklagte wissen müsse, was in seinen Namen erklärt werde.

Ein Gutachter bescheinigte dem Angeklagten, der wegen Körperverletzung vorbestraft ist, dass dieser sehr aufgeregt über die Vorkommnisse berichtet habe. So sei seine Familie anonym mit dem Tod bedroht worden. Der Angeklagte habe ihm mitgeteilt, dass eine „innere Stimme“ kurz vor der Tat zu ihm gesagt habe: „Jetzt musst du schießen, sonst wirst du sterben.“ Denn zuvor hätten ihn afghanische Anrufer gewarnt: „Wenn du aussagst, werden wir deine ganze Familie töten.“

Der Prozess wird fortgesetzt. Die Terminliste der Limburger Schwurgerichtskammer reicht vorerst bis zum 29. Januar kommenden Jahres.

(dpa)

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