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Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv

Amtsgericht

Prozess: Junge Frau beleidigt, getreten und bespuckt

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Zwei Männer haben am 15. August gegen 23 Uhr am Limburger Bahnhofsvorplatz eine 22 Jahre alte Frau zunächst übel beleidigt und bespuckt.

Zwei Männer haben am 15. August gegen 23 Uhr am Limburger Bahnhofsvorplatz eine 22 Jahre alte Frau zunächst übel beleidigt und bespuckt. Wenig später fielen sie in der Graupfortstraße über sie her, schlugen und traten auf sie ein. Einer der Täter wurde festgenommen und wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung angeklagt.

Die Frau war mit dem Fahrrad in Limburg unterwegs und traf in Höhe des Bahnhofkreisels auf die beiden Männer. Diese beleidigten die ihnen unbekannte Frau ohne erkennbaren Grund in „Gossensprache“ und bespuckten sie. Als die beiden davonzogen, verfolgte die Frau das Duo mit dem Fahrrad und stellte es in der Graupfortstraße zur Rede. Ohne Vorwarnung schlugen die Männer zu, stießen die junge Frau zu Boden und traktierten sie mit Fußtritten. Zeugen hielten einen der beiden Täter fest und warteten auf die vom Opfer alarmierte Polizei.

Der 20-jährige, wegen gefährlicher Körperverletzung bereits vorbestrafte Angeklagte, der dem Gericht den Namen seines Komplizen nicht nennen wollte, fühlte sich unschuldig und belastete sogar die von ihm Überfallene. „Eigentlich weiß ich nicht mehr viel, schließlich hatte ich eine Flasche Wodka getrunken. Zudem glaube ich, dass die Frau die Tat nur vorgetäuscht hat. Sie beschuldigte mich, um dann die erstattete Anzeige gegen Geld zurückzuziehen. Das ist bekannt in Limburg“, sagte der Angeklagte. Angesichts der Rippen- und Knochenbrüche der Frau eine nicht nachvollziebare Version.

Weitere Zeugen berichteten, dass sie die Attacken gesehen hätten. Opfer und Zeugen sagten außerdem, dass einer der beiden Männer die Hose heruntergezogen und sein Geschlechtsteil entblößt habe. Da nicht festzustellen war, welcher von beiden die exhibitionistische Handlung begangen hatte, blieb eine Bestrafung dafür aus. Die misshandelte zierliche Frau stand noch ganz unter dem Eindruck des Überfalls und befindet sich derzeit in Behandlung bei einem Psychotherapeuten, um die Ereignisse zu verarbeiten. Der Polizeibeamte, der den Angeklagten festgenommen hatte, sagte, der Mann sei betrunken gewesen, er habe jedoch den Eindruck gehabt, dass er eine noch stärkere Trunkenheit simuliert habe. Im Polizeigewahrsam sei er aggressiv gewesen und habe einen Alkoholtest abgelehnt.

Staatsanwältin Michelle Krämer forderte wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung einen Dauerarrest von drei Wochen und eine Zahlung von 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Eine härtere Gangart schlug Jugendrichter Thomas Becker ein. Er verurteilte den abgelehnten Asylbewerber aus Afghanistan zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und zwei Wochen Dauerarrest. Der Mann muss 1500 Euro an das Rote Kreuz zahlen, an einem Anti-Aggressionstraining teilnehmen und sich beim Opfer schriftlich entschuldigen. Der Richter sagte, es sei nicht hinzunehmen, dass ein Gast in Deutschland nun schon zum zweiten Mal wegen Gewaltdelikten vor Gericht stehe. „Sie zerstören die Bereitschaft der Öffentlichkeit, sich für Flüchtlinge und Asylbewerber einzusetzen“, sagte er. Mildernde Umstände infolge des Alkoholgenusses sah Becker nicht.

(bb)

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