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Beamte der Spurensicherung untersuchen im Januar 2014 am Landgericht in Frankfurt das Opfer einer Schießerei. Zwei Männer wurden im Landgericht in einem Blutbad getötet.

Bluttat

Prozess um tödliche Schüsse auf dem Weg ins Gericht wird neu aufgerollt

Fast fünf Jahre nach der Tat wird ein blutiger Zwischenfall mit zwei Toten vor einem Gerichtsgebäude neu aufgerollt. In dem Prozess geht es um Rache und Notwehr. Ein früheres Urteil hatte der Bundesgerichtshof einkassiert.

Nicht in Frankfurt, sondern am Landgericht Limburg beginnt am 19. Oktober der zweite Prozess um die Schüsse und Messerstiche am Frankfurter Justizzentrum. Bei dem blutigen Zwischenfall im Januar 2014 waren zwei Menschen getötet worden. Angeklagt wegen zweifachen Mordes ist Hayamon S., der bereits 2015 vom Landgericht Frankfurt zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Das Frankfurter Urteil hatte jedoch nach der rechtlichen Überprüfung des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe keinen Bestand mehr.

Die Richter sahen Anhaltspunkte für eine Befangenheit des Vorsitzenden der Schwurgerichtskammer. Über das Alter des Angeklagten gibt es widersprüchliche Angaben. Laut Staatsanwaltschaft wäre er 52 Jahre alt, dem Revisionsurteil des Bundesgerichtshofes zufolge bereits 58 Jahre.

Bei der Bluttat am Morgen des 24. Januar 2014 handelte es sich nach Einschätzung der Richter um eine Hinrichtung mit dem Charakter einer Selbstjustiz. Der Afghane S. habe damit den gewaltsamen Tod seines Bruders rächen wollen, der von den beiden 45 und 50 Jahre alten späteren Opfern bei einem Streit über Parkplätze getötet worden war. Die Männer waren zuvor vom Landgericht vom Tötungsvorwurf aufgrund Notwehr freigesprochen worden und mussten sich Anfang 2014 in einem zweiten Prozess vor der zweiten Frankfurter Schwurgerichtskammer erneut deshalb verantworten.

Weil sie auf freiem Fuß waren, wollten sie das Gerichtsgebäude durch den regulären Eingang betreten. Dort trafen sie mit dem Todesschützen zusammen, der sofort das Feuer eröffnete. Anschließend stach er auch noch mit einem Messer auf die beiden Schwerverletzten ein. Einer von ihnen starb noch am Tatort, der andere kurze Zeit später im Krankenhaus.

Nachdem der Bundesgerichtshof die lebenslange Haftstrafe für den Täter vollständig aufgehoben hat, muss der Fall komplett neu verhandelt werden. Beide Frankfurter Schwurgerichtskammern sind bereits „vorbefasst“ gewesen, so dass die BGH-Richter das Landgericht in Limburg für den neuen Prozess auswählten. Die zahlreichen Zeugen aus den Frankfurter Justizbehörden müssen sich für ihre Aussage damit auf den Weg nach Limburg machen. Die Terminliste reicht vorerst bis Januar kommenden Jahres.

(lhe)

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