Im Prozess vor dem Limburger Landgericht wurden am MittwochChat-Protokolle verlesen.
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Im Prozess vor dem Limburger Landgericht wurden am MittwochChat-Protokolle verlesen.

Weitere Gutachten nötig

Prozess um Misshandlung eines Babys kommt schleppend voran

Verhandlung vor dem Limburger Landgericht dauert vermutlich bis in den Februar.

Limburg -Der seit Mitte November vor der zweiten Schwurgerichtskammer des Limburger Landgerichtes laufende Prozess gegen einen 33-Jährigen Deutschen ist am Mittwoch fortgesetzt worden. Er soll am 29. August 2017 in Merenberg das nur gut vier Wochen alte Baby seiner Lebensgefährtin so stark geschüttelt haben, dass er den Tod des kleinen Mädchens billigend in Kauf genommen habe, so die Anklage. Erst nachdem das Kind am Folgetag krampfte, sei der Angeklagte zusammen mit der Mutter ins Limburger Krankenhaus gefahren. Da die dortigen Mediziner anhand von Ultraschallbildern eine Hirnblutung vermuteten, ließen sie das Kind nach Wiesbaden verlegen.

Bei der MRT-Untersuchung in den Horst-Schmidt-Kliniken wurden tatsächlichen Blutungen im Hirn des Säuglings festgestellt. Der Verdacht auf ein Schütteltrauma erhärtete sich durch eine augenärztliche Untersuchung. Wie eine Kinderärztin im Prozess erklärte, seien deutliche Einblutungen am Augenhintergrund ein typisches Verletzungsmuster bei derartiger Misshandlung.

Das Verfahren gegen den 33-jährigen Angeklagten kam allerdings nicht aufgrund von Hinweisen aus den Horst-Schmidt-Kliniken ins Rollen, sondern erst im Januar 2018, als die Kindsmutter ihren damaligen Freund wegen häuslicher Gewalt angezeigt hatte und dabei auch erwähnte, dass es bereits eine fragwürdige Situation mit der kleinen Tochter gegeben habe.

Das Gericht steht nun vor der Herausforderung, eine weit zurückliegende Tat einordnen zu müssen. Hat der Angeklagte dem Baby tatsächlich Verletzungen zugefügt, die zu einem irreparablen Hirnschaden führten? Wurde das Schütteltrauma von der Mutter selbst verursacht? Oder waren vielleicht sogar beide daran beteiligt?

Liebevoll um das

Kind gekümmert

Wie die am Mittwoch verlesenen Chat-Protokolle zwischen dem Angeklagten und seiner Freundin an den beiden infrage kommenden Tattagen bestätigen, kümmerte sich der 33-Jährige liebevoll um die Kleine. So schrieb er beispielsweise gegen halb fünf am Morgen des 29. August 2017, dass er das Kind gefüttert und ihm Medizin gegen Blähungen verabreicht habe. Auch am Folgetag stand er weit vor der Kindsmutter auf, um dem Baby das Fläschchen zu geben, und ließ seine Freundin ihrem Wunsch entsprechend noch einmal einschlafen.

"Es kam nicht selten vor, dass wir uns Nachrichten, Liebeserklärungen oder Emojis schickten, selbst wenn wir uns in der gleichen Wohnung aufhielten", erklärte der Angeklagte auf Rückfrage des Richters. Die weitere Whatsapp-Korrespondenz des Paares an diesem Tag lässt allerdings auch erkennen, dass die Kindsmutter unter Eifersucht litt und ihrem Partner vorwarf, sich für andere Frauen zu interessieren.

Die für den gestrigen Prozesstag eingeplanten Stellungnahme einer Rechtsmedizinerin musste entfallen. Die Expertin wird voraussichtlich am 20. Januar ab 11.30 Uhr zu Wort kommen. Darüber hinaus hält es der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Janisch für erforderlich, einen zertifizierten Kinderschutzmediziner mit einem Gutachten zu beauftragen. Somit wird sich das Ende des Prozesses vermutlich in den Februar hinein verschieben. Kerstin kaminsky

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