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Auf 700 Quadratmeter Außenfläche könnte nach Ansicht von Sportpark-Betreiber Dr. Alexander Arendt ohne Infektionsrisiko trainiert werden.

Unverständnis

Sportpark-Betreiber in Limburg: "Lockdown schadet der Gesundheit"

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
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Die Fitnessstudios sind geschlossen, der Betrieb der Sportvereine ruht. Dadurch bleibt bei Vielen die Bewegung auf der Strecke.

Limburg – Der Corona-Lockdown für Sportstätten und Fitnessstudios schadet den betroffenen Betrieben nicht nur finanziell, sondern auch der Gesundheit vieler Menschen. Davon ist Dr. Alexander Arendt, Sportwissenschaftler und Inhaber des Sportparks Elz überzeugt. Die erneute Zwangsschließung ist aus seiner Sicht eine Absurdität: "Man versucht, mit dem Lockdown die Gesundheit der Menschen zu schützen, nimmt ihnen aber das wichtigste Mittel, um gesund zu bleiben: die Bewegung." Zudem fehle für einen Lockdown in seiner Branche "jede faktische Grundlage", kritisiert der Unternehmer.

Sport stärkt die Immunabwehr – Und kann dadurch bei Corona helfen

Der Sportpark Elz, sagt Arendt, sei ein Ort, an dem sich Menschen gesund halten wollen. "70 Prozent unserer Kunden haben gesundheitliche Probleme." Sie treffe der gegenwärtige Lockdown hart. "Diese Menschen besuchen unsere Trainingseinrichtung nicht aus Spaß und als Freizeitbeschäftigung, sondern weil sie Schmerzen, Stress und Pfunde reduzieren und Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und psychische Erschöpfungssymptome bekämpfen. Die gesundheitlichen Folgen für unsere Besucher übertreffen den Nutzen des Lockdowns um ein Vielfaches", ist Arendt sicher.

Ein gezieltes Muskeltraining beispielsweise sei gut, um Entzündungen im Körper zu bekämpfen, was wiederum die Immunabwehr stärke und somit die Widerstandsfähigkeit bei einer eventuellen Erkrankung an Covid-19, erläutert der Sportwissenschaftler. Doch auch für Menschen mit psychischen Erkrankungen sei Bewegung wichtig, um nicht depressiv zu werden.

Dabei gebe es aus seiner Sicht gar keinen schlüssigen Grund für die Schließung von Gesundheitszentren und Fitnessstudios. Nach Auswertung von 62 Millionen "Check ins" liege die Inzidenz in Fitnessstudios bei 0,78 pro 100 000 Mitglieder. Bei einer guten vierstelligen Mitgliederzahl im Sportpark Elz sei dort eine Ansteckung somit nahezu ausgeschlossen, meint Arendt. Die finanziellen Folgen für den seit acht Jahren bestehenden Betrieb seien zudem erheblich: "Jeder Monat kostet uns einen nicht niedrigen fünfstelligen Betrag", sagt er. Und ob sein Betrieb von den zugesagten 75 Prozent Schadenersatz profitieren wird, sei derzeit "völlig unklar".

Hygienekonzept des Sportparks in Limburg: Trainingsfläche verdoppelt

Arendt verweist auf das umfangreiche Hygienekonzept im Sportpark Elz, aber auch auf eine verdoppelte Trainingsfläche, um die Abstandsregeln besser einzuhalten zu können, und eine 700 Quadratmeter große Outdoor-Trainingsfläche. "Gleichzeitig stehen die Menschen dicht gedrängt in der S-Bahn, sitzen nebeneinander im Flieger, treffen sich aus Alternativlosigkeit privat in Gruppen, und der Ball in der Fußball-Bundesliga rollt", schimpft er. Unverständlich sei auch, warum der Sportpark Elz schließen muss, während das von ihm ebenfalls betriebene MediVital Limburg aufgrund einer integrierten Physiotherapiepraxis weiter geöffnet bleiben darf. Gerätetraining auf Rezept sei hier ebenfalls erlaubt. "Wir erfüllen in beiden Einrichtungen die gleichen Qualitäts- und Hygienestandards. Dennoch: Der Sportpark Elz muss schließen und das MediVital nicht. Wer kann das verstehen?"

Tomas Büker, Inhaber von FitFun Limburg, klagt über Einnahmeausfällen von rund 50 000 Euro pro Monat im Lockdown. Immerhin dürfe in seiner Sportstätte noch Badminton und Squash gespielt werden - alles Übrige sei dicht. "Dabei brauchen die Menschen den Sport gerade in der dunklen Jahreszeit ganz besonders", sagt er. Gefragt seien derzeit - ebenso wie im Sportpark Elz - Online-Kurse. Jeden Abend hielten sich bei FitFun zwischen 50 und 60 Teilnehmer vor dem heimischen Computer-Bildschirm fit. Wer keinen eigenen Fitnessgeräte besitzt, könne sich beispielsweise Hantel-Sets ausleihen. Für die Zukunft ist Büker optimistisch: "Wir werden stärker aus dieser Krise herauskommen als vorher", ist er überzeugt. "Die Leute merken jetzt, wie wichtig es ist, etwas für seine Gesundheit zu tun."

Sport im Lockdown: Auch die Gemeinschaft fehlt

Auch bei den Sportvereinen ruht der Spiel-, Trainings- und Kursbetrieb vollständig. Schon alleine deshalb, weil keine Trainingsstätten mehr zur Verfügung stehen: "Wir haben keine eigene Turnhalle", berichtet Bodo Schäfer vom Turnverein Runkel. "Und die Hallen von Stadt und Kreis sind dicht." Das bedeutet: "Die ganze Gesundheitssparte ruht, ebenso die Leichtathletik." Bei den Mitgliedern stoße der Lockdown aber auf Verständnis, sagt Schäfer. Einige Kursteilnehmer hätten ihr Training nun selbst in die Hand genommen, sei es mit Gymnastik im Wohnzimmer oder mit Laufen im Freien. Viele vor allem ältere Mitglieder benötigten aber einfach die Gemeinschaft, die sie mitzieht, so Schäfer. "Das geht momentan nicht."

Sport alleine statt gemeinsam lautet derzeit auch das Motto beim SV Bad Camberg, wie Vorsitzender Herbert Falkenbach berichtet. "Wir hoffen aber, dass das kein Dauerzustand ist und ab Dezember wenigstens kontaktloses Training wieder möglich ist." Auch das soziale Vereinsleben leide enorm: Sämtliche Weihnachtsfeiern wurden abgesagt und die für 2021 geplante 100-Jahrfeier um ein Jahr verschoben.

Kreisfußballwart Jörn Metzler hält das Ruhen des Spielbetriebs bis Jahresende für gerechtfertigt. "Alles andere wäre nicht vermittelbar gewesen", sagt er. Ob allerdings die aktuelle Meisterschaftsrunde zu Ende gespielt werden kann, stehe in den Sternen. Für die Gesundheit der Spieler bedeute ein Lockdown auch eine Belastung, weil in der verbleibenden Zeit häufiger gespielt werden müsse. Dies habe in der letzten Runde bereits zu vermehrten Verletzungen von Spielern geführt.

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