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Eine Statue der Justizia.

Prozess

Rabiater Mann kommt in die Psychiatrie

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Wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung ist gestern ein in Limburg geborener Kroate zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt worden. Die Strafkammer ordnete die Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung an.

Insgesamt neun Straftaten hat ein 36-Jähriger im Zustand der Schuldunfähigkeit oder der verminderten Schuldfähigkeit begangen. Davon ist die 5. große Strafkammer am Landgericht unter Vorsitz von Benjamin Reichwein überzeugt. Deshalb schickte sie den Mann in eine Psychiatrie statt ins Gefängnis. Zwei Anklagepunkte wurden eingestellt. Der Limburger, dem die Zeugen eine fast schon leidenschaftliche Aggressivität bei der Ausführung der Körperverletzungen, Beleidigungen und Sachbeschädigungen attestierten, hatte die Taten gestanden.

Das Urteil basierte auf dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Ingo Baltes. Demnach leidet der Angeklagte bedingt durch seinen häufigen Drogenmissbrauch unter einer Geisteskrankheit und einer Psychose. Diese wiederum seien die Gründe dafür, dass er Situationen völlig falsch einschätze und diese durch Gewalt zu lösen glaube.

Der 36-Jährige habe schon in frühester Jugend an Depressionen gelitten und als Sechsjähriger den Freitod der depressiven Mutter nicht verkraftet. „Zu allem Überfluss konsumierte er auch noch Cannabis, den schärfsten Auslöser für Schizophrenie“, sagte Dr. Baltes.

Die Dogen seien der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. 55 Mal musste der Mann, der glaubte, keiner Behandlung zu bedürfen, in psychiatrischen Einrichtungen behandelt werden. „Ihm fehlte die Krankheitseinsicht, und er hat Medikamente eigenwillig abgesetzt. Dadurch entstehen Kurzschlüsse im Gehirn, und die Krankheit wird durch dauerhaftes Absetzen der Medikamente noch verschärft“, erläuterte der Psychiater.

Weil der Angeklagte als eine Gefahr für die Allgemeinheit angesehen werden müsse, befürwortete Dr. Baltes die Einweisung in die Psychiatrie. Es werde viel Arbeit zu leisten sein, um ihm eine Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen. Die Dauer der Therapie hänge von der Kooperationsbereitschaft des Patienten ab. Zunächst sollte der Aufenthalt aber nicht befristet werden. Ihm gegenüber habe der 36-Jährige sich stets nett und zuvorkommend gezeigt, sagte Baltes. Auch Beobachter hatten in der Verhandlung nicht den Eindruck, einem geisteskranken Menschen ohne Manieren ins Auge zu blicken.

Der Vorsitzende machte dem Angeklagten klar, dass die bisherigen 55 Behandlungen nichts gebracht haben. Nun sei die Chance auf eine Therapie günstig, und deren Dauer könne er durch seine Mitwirkung selbst bestimmen. Reichwein sah die Gefahr für weitere Straftaten als gegeben an. Deshalb habe die Unterbringung erfolgen müssen.

Staatsanwältin Raffaela Raulfs hatte 16 Monate Haft gefordert, Verteidiger Olaf Wolff die Strafhöhe ins Ermessen des Gerichts gestellt.

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