Wie realistisch sind Träume im Alter?

Wie und mit wem möchte ich im Alter zusammenleben? Wie lerne ich nach einer Trennung, Scheidung oder dem Tod des Lebensgefährten jemand Neues kennen?

Wie und mit wem möchte ich im Alter zusammenleben? Wie lerne ich nach einer Trennung, Scheidung oder dem Tod des Lebensgefährten jemand Neues kennen? Und wie realistisch sind Träume ab einem bestimmten Alter eigentlich noch, werden sie nicht zwangsläufig wie Seifenblasen platzen? Um diese und andere in Zeiten einer alternden Gesellschaft immer akuter werdenden Fragen kreist das Theaterstück „Blütenträume“ von Fritz Hübner, mit dem die Limburger Theater- und Konzertsaison 2013/2014 zu Ende ging.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte bildet eine Gruppe von sechs „Best Agern“, die sich zum Volkshochschulkurs „55 plus“ angemeldet haben. Dort sollen sie nach dem Willen des jungen, dynamischen und völlig überforderten Kursleiters, „Verkaufstaktiken trainieren“ und mithilfe griffiger Worthülsen mit dem jeweils anderen Geschlecht anbandeln.

„Da hatte ich mir etwas ganz anderes vorgestellt“, protestierte eine Zuschauerin leise. „Aber Du musst doch zugeben, in manchen Szenen finden wir uns Ältere schon wieder“, sagte ihre Nachbarin. Wiederholter Szenenapplaus und wissendes Gelächter des Publikums bei mancher verbaler Spitze rund um persönliche Eitelkeiten gaben ihr Recht.

Aber dennoch, wer bei „Blütenträume“ eine lockere, beschwingte Komödie erwartet hatte, wurde, trotz aller Situationskomik, weitgehend enttäuscht. Denn in seinen inzwischen mehr als 30 Theaterstücken greift Autor Fritz Hübner immer wider aktuelle gesellschaftliche Themen auf, wie zum Beispiel Demenz, Ehrenmorde oder Jugendkriminalität. So wurde er im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte auch zu einem der meistgespielten deutschsprachigen Dramatiker.

Auch bei den „Blütenträumen“ dauerte es nicht lange, bis die rüstigen Senioren auf der als VHS-Seminarraum hergerichteten Bühne ernste Themen wie Tod, Scheidung und Demenz diskutieren. Denn die Gruppe besteht unter anderem aus einem pensionierten Schuldirektor, dessen Seitensprünge seine Ehe ruiniert haben, einer Professoren-Witwe, die sechs Jahre lang ihren dementen Ehemann gepflegt hat sowie alleinstehenden Senioren, deren einsamer Alltag nur durch Babysitten und Hundeausführen unterbrochen wird.

Trotz aller persönlicher Unterschiede schließen sich die Alten aber schnell zusammen, um gemeinsam den ungeliebten Kursleiter abzusetzen. Die Treffen setzen sie aber fort, verlegen sie aber von der VHS in eine Privatwohnung. Bei einer Feier, beschwingt durch diverse alkoholische Getränke, wird dann die Idee einer Senioren-WG geboren.

Aber so schnell wie er kommt, zerplatzt der Traum auch wieder. Quasi schon am nächsten Morgen nehmen die Zweifler überhand. „Quertreiber gibt es immer“, kommentiert jemand die absehbare Entwicklung.

Dennoch hat sich am Ende der Geschichte zwar keine WG, aber doch wenigstens ein neues Pärchen gefunden. koe

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