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Wie steht’s mit der Straßensauberkeit? Auch dafür ist Peter Heuser vom Ordnungsamt der Stadt Hadamar zuständig.

Porträt

Peter Heuser setzt in Hadamar das Recht auf Ordnung durch

Die „Bürger haben ein Recht auf Ordnung im Straßenbild, auf den stadteigenen Plätzen, Anlagen und Spielplätzen, aber auch ganz entschieden in der Nachbarschaft ihrer Wohnung“, fasst Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) zusammen, wofür das Ordnungsamt zuständig ist. Das klingt überschaubar, ist aber ein Mammutprogramm.

Limburg - „Schön ist das nicht“, sagt Peter Heuser, setzt seine weiße Uniformmütze auf und steigt aus seinem Dienstwagen. Wieder mal muss er ein Auto „entstempeln“, also die Zulassungsplakette am Kennzeichen abkratzen und ein rotes Benachrichtigungsschild gut sichtbar auf die Windschutzscheibe kleben.

Die Gründe für dieses Entwerten können vielfältig sein. Der Halter des Autos hat beispielsweise seine Kfz-Steuer nicht entrichtet, es besteht keinen Versicherungsschutz, oder das Auto hat technische Mängel. In jedem Fall muss das Fahrzeug aus dem Verkehr gezogen werden. Und dafür ist Peter Heuser, der Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamts der Stadt Hadamar zuständig.

Entstempeln ist eine von mehreren Aufgaben, die Heuser zu erledigen hat neben regelmäßigen Geschwindigkeitskontrollen, Aufenthaltsermittlungen, Gehwegüberprüfungen und Bestandsaufnahmen von illegal entsorgtem Müll. Er trägt dazu bei, dass „die Ordnung innerhalb der Stadt erhalten bleibt“, sagt Peter Wilhelmy, Leiter des Ordnungsamts. Und Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) bekräftigt: „Unsere Bürger haben ein Recht auf Ordnung im Straßenbild, auf den stadteigenen Plätzen, Anlagen, Spielplätzen, Grillplätzen, aber auch ganz entschieden in der Nachbarschaft ihrer Wohnung.“

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Das Auftragsvolumen, das Peter Heuser jeden Tag zu bewältigen hat, ist in den vergangenen Jahren derart angeschwollen, dass er dringend Verstärkung braucht. Zwei zusätzliche Kräfte für den Außendienst wären gut, sagt Peter Wilhelmy. Der Bürgermeister formuliert zurückhaltender: „Wir brauchen eine bessere Personalausstattung. Zusammen mit unserem Schutzmann vor Ort müssen wir die Präsenz und die Zahl der Streifen, also die sichtbare Anwesenheit, im öffentlichen Raum erhöhen.“ Tatsächlich haben die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstagabend beschlossen, eine neue Stelle zu schaffen. Aber bis die besetzt ist, kurvt der 53-jährige Heuser allein durch die Kernstadt und die Stadtteile. Jede Woche 38,5 Stunden. Seit 22 Jahren.

Schwierige Begegnungen

Der Grund für die meisten Begegnungen mit Anwohnern sei unangenehm, räumt er ein. Er muss darauf hinweisen, dass Gehsteig und Straße gefegt sein müssen, Autos nicht entgegen der Fahrtrichtung geparkt werden dürfen. Oder er muss entstempeln wie bei jenem Autos, dessen Halter er persönlich kennt. Als er am Kennzeichen kratzt, kommt denn auch die Mutter herbei, will erklären, wirbt für Verständnis, dass der Sohn derzeit ein wenig unorganisiert sei, dass man ihn ermahnt habe und dass er trotz allem gut und richtig erzogen worden sei. Peter Heuser nickt der Frau freundlich zu. Ja, nur sei der Sohn jetzt verantwortlich.

Heuser muss weiter. In Niederhadamar ist ein Gehsteig unpassierbar, weil die Sträucher des angrenzenden Gartens auf den Weg wuchern. Er fotografiert die Gegebenheit und sucht das Gespräch mit den Beteiligten – wenn die da sind. Häufig sei das allerdings nicht der Fall, sagt der Mann vom Ordnungsamt. Dann gibt es Post mit der Aufforderung, die angemahnte Ordnung zu schaffen. Strafen verhänge er nicht, betont er. „Wir machen ein Verwarnungsgeldangebot.“

Oder leisten Amtshilfe wie beispielsweise in einem Fall, bei dem das Weilburger Familiengericht angefragt hat. Der Wohnort eines Mannes soll festgestellt werden. Peter Heuser fährt zu der angegebenen Adresse, setzt seine Uniformmütze auf und steigt aus seinem Dienstwagen aus. Das Haus, in dem der Mann leben soll, wirkt unbewohnt. Sein Klingeln verhallt ohne Reaktion, der Postkasten quillt über. Unbefriedigend, aber kein Einzelfall. Heuser notiert den Vorgang, Datum und Uhrzeit, und dass er vergeblich da war.

Selten ist das nicht. Auch dass er zu Wohnungsöffnungen bestellt wird, kommt vor. Dann nämlich, wenn der Vermieter den Mieter nicht erreichen kann und sich in seinem Eigentum einen Überblick verschaffen will. Peter Heuser ist dann als Zeuge dabei. Auch das gehört zu seinen Aufgaben als Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamts. Am meisten aber muss er Autos entstempeln. Ein paar Dutzend. Jeden Tag. Schön ist das nicht.

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