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Reiner Steltmann prägte die Kulturszene

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Von: Joachim Heidersdorf

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Sparkassen-Chef Reiner Steltmann ist im Alter von 83 Jahren gestorben.
Sparkassen-Chef Reiner Steltmann ist im Alter von 83 Jahren gestorben. © Braun, Sascha

Der langjährige Chef der Kreissparkasse ist im Alter von 83 Jahren gestorben

Limburg -Dr. Reiner Steltmann hatte ein großes und gutes Herz. Besonders kräftig schlug es für seine Mitmenschen und die Kultur. In den vergangenen Jahren bereitete ihm das Organ allerdings zunehmend gesundheitliche Probleme. Mit einem Schrittmacher ging es lange gut; die Implantation einer Herzklappe vor vier Wochen schien wunschgemäß gelaufen zu sein. Dann Komplikationen und ein zweiter Eingriff in Siegburg, bei dem die Aorta riss. Steltmann starb im Alter von 83 Jahren.

Mit seiner Frau Eva trauern viele um einen liebenswerten Menschen. Reiner Steltmann hat fast drei Jahrzehnte die Kreissparkasse (KSK) Limburg als Vorstandsvorsitzender geprägt und als engagierter Förderer wesentlich zum hohen Niveau der Musik im Nassauer Land beigetragen. Aber auch um die Kultur im Allgemeinen hat er sich in der Region verdient gemacht - und um einiges mehr. Der promovierte Wirtschaftsjurist nutzte geschickt den öffentlichen Auftrag der Sparkasse und unterstützte Schulen, Sportvereine und soziale Einrichtungen nach besten Kräften und diente der Gesellschaft.

Persönlichkeiten wie Dr. Reiner Steltmann werden immer seltener: Ein Grandseigneur der alten Schule mit Stil und profunder Bildung, charmant und geistreich, nahbar und den Menschen zugewandt. Zufrieden mit sich und der Welt, gestärkt durch Gottvertrauen und unerschütterlichen Optimismus.

Er klagte auch nicht und vermittelte sogar noch Zuversicht, nachdem er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen musste. Aufgrund eines Lendenwirbelleidens konnte Steltmann nicht mehr lange sitzen. Der lebensfrohe Katholik war glücklich mit der Frau an seiner Seite, genoss das schöne Haus und den Garten in Niederhadamar, las viel und erfreute sich der Musik.

Musikstiftung der Sparkasse

In seinem Berufsleben hat der bei den Mitarbeitern überaus beliebte und von den Kunden hoch geschätzte KSK-Chef nahezu alle Ziele erreicht; privat war er nach seinem Ausscheiden zum Jahresende 2003 weniger erfolgreich...

Er wollte sich ein Klavier kaufen und wieder Bach-Präludien und Mozart-Sonaten spielen und bei seiner Frau eine Ausbildung zur Gartenfachkraft machen, kündigte er an. Musikalisch blieb Steltmann passiv, im Garten kam er über ein paar Hilfsarbeiten nicht hinaus.

Der Ostwestfale hat seit seinem Wechsel nach Limburg 1977 geholfen, die Kultur im Nassauer Land zum Blühen zu bringen. Schönste Früchte trägt die von ihm gegründete Musikstiftung der Sparkasse; zu den 107 Stipendiaten zählt die Sopranistin Julia Kleiter. Die Domsingknaben und die Kreismusikschule hatten es ihm besonders angetan, aber auch andere Chöre und Ensembles fanden bei ihm ein offenes Ohr. Dank seiner Initiative ist die Sparkasse seit Jahrzehnten der größte Sponsor der Kultur im Landkreis. Der Musenfreund brachte sich auch selbst ein, unter anderem im Vorstand des Förderkreises Bildende Kunst Limburg. Außerdem gehörte der Rotarier zu den Gründungsmitgliedern der Limburger Gesellschaft für Recht, Wirtschaft und Politik.

„Jeden Morgen gerne ins Büro“

Dr. Reiner Steltmann konnte so viel leisten, weil er die Aufgabe als Vorstandsvorsitzender nichts als Pflicht, sondern als Kür empfand. „Das war die Erfüllung meines beruflichen Traums“, sagte mir Steltmann an seinem letzten Arbeitstag. „Ich bin jeden Morgen gerne ins Büro gegangen und habe mich auf meine Mitarbeiter gefreut“. Die 400-köpfige Kreissparkasse, die er zum Marktführer in der Region aufbaute, bezeichnete der kinderlose Mann stets als große und intakte Familie. Er sah sich als Dirigent eines harmonisch aufspielenden Sinfonieorchesters und als Teamplayer, der in der Fußballmannschaft der KSK als linker Läufer kickte. Der Banker ließ sich nie allein von Zahlen bestimmen und vom nüchternen Verstand nicht die Zuversicht rauben.

Zu seinem Abschied verbat der Chef sich lobende Reden und ließ sich stattdessen mit einem grandiosen Konzert feiern. Es passt zu ihm, dass er keine große Beerdigung haben wollte und im kleinsten Kreis beigesetzt werden wird. Sein Lebensmotto steht nun auch am Ende: „Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts“. Die Chöre der Engel werden ihn freudig empfangen. JOACHIM HEIDERSDORF

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