Bei der Videokonferenz des Grünen-Kreisverbands mit Kordula Schulz-Asche (rechts oben) konnten sich auch Bürger zuschalten.
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Bei der Videokonferenz des Grünen-Kreisverbands mit Kordula Schulz-Asche (rechts oben) konnten sich auch Bürger zuschalten.

Sorge weiter vorhanden

Reisen, Schulen und Kitas beschäftigen das Gesundheitsamt in Limburg

Videokonferenz der Kreis-Grünen. Bundestagsabgeordnete Schulz-Asche hebt die kommunale Ebene hervor

Limburg -Wie ist es um die Corona-Pandemie in unserer Region, in Hessen, Deutschland und der Welt bestellt? Zu einer Diskussion mit Vertretern des hiesigen Gesundheitsamtes und der Bundestagsabgeordneten Kordula Schulz-Asche hatte der Kreisverband Limburg-Weilburg der Grünen die Öffentlichkeit zu einer zweistündigen Videokonferenz eingeladen.

Amtsärztin Kirsten Eckenberg und Gundi Heuschen vom Fachdienst Infektions- und Gesundheitsschutz blickten auf die Situation im März zurück, als die Infektionszahlen in die Höhe schnellten und das Gesundheitsamt den Regelbetrieb einstellen musste. Die Krankenhäuser von Limburg, Weilburg und Weilmünster erhöhten ihre Intensiv-Kapazitäten; der Landkreis kümmerte sich um zusätzliche Beatmungsgeräte sowie um Schutzkleidung. An mehreren Standorten wurden Pandemiestationen vorgehalten. "Anfangs hatten wir mit rund 1000 zu beatmenden Patienten gerechnet", erinnert sich Gundi Heuschen. Insgesamt wurden im Landkreis Limburg-Weilburg bis dato jedoch nur 293 Corona-Fälle bestätigt, allerdings teils mit schweren und sogar tödlichen Verläufen.

"Aktuell beschäftigt uns sehr das Thema Reisen und der wieder aufgenommenen Regelbetrieb in Schulen und Kitas", zeigte sich Kirsten Eckenberg besorgt. Man dürfe noch längst nicht davon ausgehen, dass es überstanden sei.

Kordula Schulz-Asche hob die Wichtigkeit der kommunalen Ebene hervor, um die Gesamtbevölkerung im Blick zu halten. Die Politikerin skizzierte die von der Regierung gefassten Beschlüsse und Gesetzesanpassungen im Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen. "Es war wichtig, auf Vorsorge und Risikominimierung zu setzen", sagte sie. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fände zwar nicht immer die besten Worte, aber in der ersten Phase habe er alles richtig gemacht. Nur bei der Vorbereitung der Corona-App hätte es besser laufen können.

Mehr als die Lage in Deutschland - trotz der aktuellen Hotspots - sorgt sich Schulz-Asche um die globale Lage. Die Nationen hätten sehr unterschiedliche Antworten auf die Pandemie gefunden, wobei Länder, deren Regierung von Frauen geleitet wird, besonders gut weggekommen seien. "Wir müssen international überlegen, wo und aus welchem Grund etwas schiefgelaufen ist und voneinander lernen, wie es besser gemacht werden kann."

Pandemierat

gefordert

Zum Infektionsschutz und den damit einhergehenden Eingriffen in die Bürgerrechte schlagen die Grünen die Einrichtung eines multidisziplinären Pandiemierates auf Regierungsebene vor. Dieser solle alle getroffenen Maßnahmen überwachen und Lehren daraus ziehen. "Am Ende werden wir ein Handbuch haben müssen, wie mit solchen Viren umzugehen ist", sagte Schulz-Asche. Auch die parlamentarische Kontrolle der Maßnahmen ergebe Sinn, um die Rücknahme einzelnen Einschränkungen über das Parlament beantragen zu können.

Aktuell seien weltweit etwa 130 Corona-Impfstoffe in Entwicklung. Einige sind bereits in der klinischen Prüfung, doch bis zur Marktreife werde es noch eine Weile dauern, sagte die Gesundheitspolitikerin. Bei der Versorgung mit Medikamenten und Impfstoffen dürfe der globale Süden nicht abgehängt werden. "Wir müssen dafür sorgen, dass es gerecht zugeht", sagte Schulz-Asche. Bei der Pandemie gehe um die Weltbevölkerung, da dürfe nicht nach Regionen oder Reichtum priorisiert werden.

Zum Schluss der Videokonferenz berichteten zwei Mitglieder der "Grünen Jugend", wie sie die Einschränkungen erleben. "Anfangs fehlte uns etwas Einsicht, aber je mehr wir über die Erkrankung wissen, desto mehr erkennen wir die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen", sagte Hannah Blum (19). Benno Cline (19) ist froh, dass sein Ausbildungsbetrieb langsam wieder in die Normalität zurückkehrt und die Isolation im Homeoffice hoffentlich bald zu Ende ist. Kerstin Kaminsky

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