PPC-Schule

Max Rosenthal: Ein Schicksal, das alle bewegt

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PPC-Schüler haben sich mit dem Thema Nationalsozialismus am Beispiel der Limburger Familie von Max Rosenthal befasst. Dessen Sohn Ernst Rosenthal konnte als Siebenjähriger zusammen mit seiner Mutter Johanna in die Vereinigten Staaten fliehen. Seine Frau Toby sowie vier weitere Verwandte waren nun gestern zum Austausch an der Schule zu Gast.

Lehrer Sebastian Wendt von der Limburger Peter-Paul-Cahensly-Schule (PPC) hatte vor einem Jahr eine gute Idee. Das Thema Nationalsozialismus ließe sich am einfachsten über ein konkretes Beispiel aus Limburg für Schüler lebendig machen. 22 Elftklässler meldeten sich freiwillig an und beschäftigten sich mit dem Schicksal von Max Rosenthal.

Der wurde 1892 in Thalheim geboren und wurde wie sein Vater Kaufmann. Aus der Gefangenschaft im Ersten Weltkrieg kehrte er 1919 heim, heiratete schon zwei Jahre später die aus Dauborn-Eufingen stammende Johanna Simon, mit der zusammen er drei Kinder hatte. Zwei der Kinder verstarben 1930 an Diphtherie. Mit Beginn der Nazi- Herrschaft verschlechterte sich die Situation der mittlerweile in Limburg im Eschhöfer Weg lebenden Juden massiv. 1936 wurde Max Rosenthal die Handelserlaubnis für Vieh entzogen.

Die Rosenthals planten die Auswanderung. Mit einem Touristenvisum gelang es Johanna Rosenthal mit Sohn Ernst 1938 in die USA zu gelangen. Max Rosenthal wollte nachkommen, hatte aber großes Pech. Dem Schiff „MS St. Louis“, mit dem er und 906 weitere Menschen in Kuba anlegen sollten, wurde plötzlich die Landungsgenehmigung entzogen. Auch die USA lehnten es ab, die Flüchtlinge aufzunehmen. Das Schiff musste zurück nach Europa fahren und ankerte schließlich im Hafen von Antwerpen, wo die Passagiere auf umliegende Länder verteilt wurden.

Max Rosenthal wähnte sich in Frankreich zunächst sicher. Doch nach dem Einmarsch der Wehrmacht wurde er verhaftet und am 9. September 1942 nach Auschwitz deportiert, wo er ermordet wurde. Die Limburger Schüler haben sich das frühere Konzentrationslager in Auschwitz angesehen.

Max Rosenthals Schwiegertochter Toby, die mit dessen Sohn Ernst 1981 schon das erste Mal in Deutschland war, besuchte gestern zusammen mit ihrer Tochter Carol, Schwiegersohn Frank sowie den Enkeln Gabe und Ben die PPC. Carol sagte, dass sie sich in Deutschland viel wohler als noch vor 30 Jahren fühle. Denn im Gegensatz zu früher gehörten mittlerweile die meisten deutschen Generationen an, die mit den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg nichts mehr zu tun hätten.

Ihr Sohn Ben fragte, ob die Limburger Schüler sich an dem Geschehen damals mitschuldig fühlten. Die Schüler meinten, dass sie ja persönlich damit nichts zu tun gehabt hätten. Sie fühlten sich aber dafür verantwortlich, dazu beizutragen, dass in Deutschland nie mehr jemand wegen seiner Religion, Hautfarbe oder Überzeugung getötet werde.

Schüler Sebastian Vollmert sagte, dass es ihn emotional sehr bewegt habe, sich mit der Geschichte der Familie zu befassen und sich dann im Lager in Auschwitz umzusehen. „Bei einem solchen Besuch merkt man erst, wie krass das damals war und welche Ausmaße es hatte“, sagte der 18-Jährige. Natürlich habe er vorher schon von den Nazis gehört, „aber live vor Ort zu sein, ist eine ganz andere Nummer“.

Justin Kreckel fand die Studienfahrt ebenfalls beeindruckend. Hier sei Geschichte lebendig geworden, habe man gesehen, was für ein riesiger Komplex das KZ gewesen sei. Er sieht in der nach wie vor vorhandenen Fremdenfeindlichkeit durchaus eine Gefahr. Selina Scheuer erklärte, dass sie viel über die Erlebnisse nachgedacht habe. Sie sei viel sensibler geworden. Wenn sie jetzt höre, dass jemand Witze über Juden oder Flüchtlinge mache, „dann sage ich klar meine Meinung“, so die 19-Jährige.

Max Rosenthals Urenkel Ben empfand es als für sich wichtig, sich in Deutschland mit der Geschichte seiner Familie zu beschäftigen. Vorbehalte hat er aber keine. „Als ich mit Freunden letztes Jahr durch Europa gereist bin, hatten wir in Berlin genauso viel Spaß wie in Barcelona“, sagte der New Yorker. Seine 81-jährige Oma Toby hatte übrigens der frühere PPC-Schüler Markus Streb bei Facebook gefunden. „Tochter, Schwiegersohn und Enkel waren sofort interessiert, persönlich nach Limburg zu kommen und sich die Umgebung anzusehen, wo ihr Großvater sowie die Urgroßeltern lebten“, sagte Streb.

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