Campingplatz

Saison für Freiheit und Natur ist gestartet: Die Camper rollen wieder an

  • schließen

Seit Gründonnerstag ist der Campingplatz wieder geöffnet. Wohnwagen und Wohnmobile sind auf dem Platz – aus Norddeutschland, den Niederlanden und England – zu sehen. Die Gäste haben schon lange der Wiedereröffnung entgegengefiebert, weil sie auf dem Campingplatz Freiheit und Gemeinschaft erleben können.

Daniela Albert kann es nie erwarten, bis die Campingplatzsaison wieder losgeht. Dann beginnt für die Tochter der Platzbetreiberin Irmgard Albert immer ein zweites, anderes Leben. Natürlich ist es schön, wenn man um die Ecke in Staffel wohnt und mal heim zum Duschen fahren kann. Aber während der Saison will Daniela Albert nicht zu Hause im warmen Bett schlafen, sondern lebt mit ihrer Familie auf dem Campingplatz.

Acht Wochen vor der Ankunft der ersten Gäste sind die Alberts schon vor Ort. Denn es muss nach der Winterruhe einiges hergerichtet werden. So wird über die kalte Jahreszeit das Wasser aus den Leitungen gelassen. „Trotzdem zerplatzt jedes Jahr durch Frost irgendwas, so dass wir kleinere Reparaturen durchführen mussten“, sagt Irmgard Albert. Sie und ihre Familie mussten den Einbruchschutz aus den Fenstern nehmen, die Bestuhlung aus dem Lager holen, damit der Gastwirtschaftsbetrieb auf dem Platz wieder starten konnte. Ebenfalls mussten die Wagen von zwanzig Dauercampern wieder auf ihre Plätze gefahren werden. Denn auf ihrem angestammten Bereich dürfen sie im Winter wegen der Hochwassergefahr nicht stehen.

Das kalte Wetter hat dafür gesorgt, dass die Familie mit ihren Vorbereitungen spät dran war. Trotzdem haben die Alberts es geschafft, rechtzeitig heruntergefallene Äste vom Platz wegzuräumen, schlammige Wege wieder herzurichten. Die 50 Dauercamper haben auch drei Jahre Brückenbaustelle an der A 3 überstanden, sind nicht empfindlich. Aber sie sollen es schon zum Saisonstart so gemütlich wie möglich haben. Adrie Degen aus Utrecht in den Niederlanden hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der 68-Jährige ist die ganze Saison da, macht offiziell den Platzwart, weist ankommende Camper auf ihren Plätzen ein und ist jederzeit für Fragen da. Mittlerweile hat er in Limburg sogar eine Freundin.

Aber zu ihr in die Wohnung zu ziehen käme für ihn nicht in Frage. „Ich bin Camper aus Leidenschaft“, sagt er. Er liebe die Freiheit, die Möglichkeit, auf dem Platz mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Vor 20 Jahren kam Degen mit seinem Schwager, der in Limburg immer auf dem Weg zum Gardasee zwischenübernachtete, das erste Mal nach Limburg. Adrie gefiel der Platz. Fortan kam er immer mal für eine Woche her. Seit zehn Jahren ist er nun Dauercamper. „60 Prozent der Gäste auf dem Campingplatz im Sommer sind auch Niederländer“, sagt er. Warum kommen sie ausgerechnet nach Limburg? „Es ist doch eine schöne Stadt hier “, sagt Adrie. Nicht viel Industrie und saubere Luft. Stimmt das Gerücht wirklich, dass Niederländer alle mit dem Wohnwagen unterwegs sind? Der Rentner sagt: „Das ist Blödsinn. In Deutschland gibt es genau so viele Camper. Die meisten Campingwagenhersteller gebe es in Deutschland. Trotzdem muss er zugeben, dass die Masse der ausländischen Gäste in Limburg Niederländer sind. Franzosen, Italiener, Dänen, Briten oder Belgier kämen auch, doch eher selten.

Auch viele Menschen aus dem Limburger Umland nutzen den Platz, um ohne lange Wege abends oder am Wochenende mal in eine andere, stressfreie Welt abzutauchen. Das Ehepaar Susanne und Bernhard Brendel aus Bad Camberg hat auch einen Standplatz. Zunächst einmal ist es für sie praktisch. Denn Bernhard Brendel ist Handwerker, hat viel um die Ohren. Für ein Wochenende auf einen weit entfernten Platz zu fahren würde nicht lohnen. „Wenn wir daheim sind, will ständig irgendwer was von meinem Mann“, sagt Susanne Brendel.

Ihr Mann ergänzt, dass sie auf dem Platz in Limburg die Freiheit genießen könnten. Man kennt über die Jahre die Stammgäste, hat Freunde gefunden. Da ist es laut Brendel ein tolles Lebensgefühl, ungezwungen zusammenzusitzen. „Es gibt hier immer einen Grund zu feiern“, sagt Bernhard Brendel. Susanne Brendel: „Es gibt einen großen Vorteil zum Hotelurlaub. Hier können wir aufstehen, wann wir wollen, und machen, was wir wollen“. Um Geld gehe es nicht, denn Campingurlaub sei heute alles andere als billig. Es gebe Leute, die Camping machten, aber trotzdem soviel Geld hätten, dass sie sich auch ein ganzes Hotel kaufen könnten, weiß Brendel.

Der 72-jährige Gerhard Mundorff aus Neu-Anspach erzählt: „Wir teilen Freud und Leid zusammen. Wir haben sogar schon Hochzeiten auf dem Platz gefeiert.“ Seit 42 Jahren ist Mundorff Dauergast in Limburg. „Es war Zufall, dass ich das erste Mal hierher kam“, sagt er. Mit seinen Kumpels war er in jungen Jahren öfter mal auf dem Diezer Campingplatz. Aber das Städtchen Limburg gefiel ihm noch besser. Klaus Stein aus Rodgau kommt seit 50 Jahren. „Die Umgebung hier ist einfach schön“, begründet er seine Vorliebe. Von hier könne er auf seiner Vespa auch mal nette Tagesausflüge machen. Mundorff mag die Freiheit und Geselligkeit, man sei immer an der frischen Luft. „Solange die Heizung geht, campe ich auch im Winter weiter“, verrät er.

Da das in Limburg nicht geht, hat er die letzten fünf Monate auf einem Platz im Schwarzwald verbracht. Frank Neske hat sich für Limburg entschieden, weil er hier von seiner Heimat Mainz schnell staufrei rüberkommen kann. Limburg hat er auf einer seiner früheren Tourneen mit dem VW-Bus lieben gelernt. Susanne Brendel sagt, Campen sei eine Glaubensfrage.

Mundorff bedauert nur, dass die Campingfamilie langsam, aber sicher überaltert. Früher, weiß er noch gut, wurden an Ostern für die Kinder Eier versteckt. „Der Spielplatz war oft überfüllt“, erinnert er sich. Mittlerweile kämen junge Familien nur noch, um ihre Eltern zu besuchen. Camping sei eben kein All-Inclusive-Urlaub. Man müsse sich das Frühstück selbst machen, „aber das mache ich daheim auch“.

Thomas Autschbach kommt mit fünf Freunden aus dem Raum Siegen seit zehn Jahren her. Er weiß: „Hier regnet es weniger als bei uns. Limburg ist ein schönes kurzes Ziel für ein Wochenende.“ Der Platz sei schön, die Altstadt auch, und man habe kurze Wege, lobt er. Camping genieße er, weil man da mal völlig vom Alltag runterkomme. Einfach draußen in der Natur sitzen, das Leben in vollen Zügen genießen. Sein Kumpel Andreas Hellmann kann das nur bestätigen. Camper seien aus allen Gesellschaftsschichten, aber auf dem Platz seien alle gleich. Obwohl man auf dem Campingplatz auf engem Raum lebe, gebe es so gut wie keine Auseinandersetzungen, weil jeder auf den anderen Rücksicht nehme. Und wer mal ein Problem habe, könne Wildfremde ansprechen und bekomme in der Regel immer geholfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare