Dr. Peter Jentzmik hat die Grundlagen für eine typologische Deutung biblischer Ereignisse erforscht
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Dr. Peter Jentzmik hat die Grundlagen für eine typologische Deutung biblischer Ereignisse erforscht

Ungewöhnliche Darstellung

Samsons sanfte Seite

Dr. Peter Jentzmik erforscht Fresko im Limburger Dom: "Etwas ganz Einzigartiges."

Limburg -Seit kurzem liegen am Schriftenstand des Limburger Doms neue Doppelkarten aus. Sie zeigen ein Fresko aus dem Südquerhaus der Kirche, das aus dem Jahr 1250 stammt. Darunter steht das Wort Samson. Auf die Rückseite der Karte ist eine Interpretation von Dr. Peter Jentzmik gedruckt. Der Limburger Theologe hat sich lange mit dieser ungewöhnlichen Darstellung beschäftigt und ist zu spektakulären Erkenntnissen gekommen. "Hier im Limburger Dom ist etwas ganz Einzigartiges dargestellt", berichtet er begeistert, "denn hier verschmelzen Samson und Christus zu einer typologischen Einheit!" Das dürfte es sonst nirgendwo geben - jedenfalls hat der Autor auf seiner Suche nach Parallelen nichts dergleichen gefunden.

Seine Überzeugung stützt sich auf verschiedene Beobachtungen. Zunächst auf die Darstellung selbst: Der Richter Samson, dargestellt mit langen Haaren, die Sonnenstrahlen gleichen, umarmt wie ein Liebender und nicht wie ein "Baumausreißer" den gemalten Baumstamm. Der Baum, der durch die Wurzeln mit Wasser versorgt wird, ist ein Sinnbild des Lebens. Im Buch der Richter, in dem die Geschichte des Nasiräers Samson erzählt wird, wird von einem eher gewalttätigen, unbesiegbaren Helden berichtet. Er bringt die Säulen des Tempels von Dagon, dem Gott der Philister, zum Einsturz, um sein Volk aus den Händen der Unterdrücker zu retten.

Samson wird als so stark geschildert, dass er sogar einen Löwen mit bloßen Händen zerreißen konnte. Das Rätsel seiner Kraft lag in seinen Haaren. Seine Frau Dalilah verriet dies Geheimnis schließlich an die Philister, die ihn gefangen nahmen, ihm den Kopf schoren, ihn blendeten und als Blinden zum Mahlen von Getreide einsetzten. Erst nachdem ihm auf sein flehentliches Bitten an Gott hin die Haare nachgewachsen waren, konnte er die Säulen des Tempels zum Einsturz bringen - wobei er selbst ums Leben kam.

Für die Deutung des 77-jährigen Hebraisten spricht auch der Standort. Das Südquerhaus war nämlich einst die Taufkapelle des Doms. Zu sehen ist das noch am Boden, wo das Taufbecken stand, aber auch an der Wand oberhalb des israelischen Richters, wo Johannes der Täufer die Kirchenbesucher grüßt. Zwar weiß die Bibel nichts von einer Taufe im Zusammenhang mit Samson. Es gibt aber in der Erzählung von Samson im Alten Testament einen Hinweis darauf: Jahwe öffnet Samson, der fast am Verdursten ist, eine belebende Wasserquelle.

Gemeinsam gegen

die Macht des Dunkels

Bilder, die wie hier im Limburger Fresko auf die Gemeinsamkeit von Samson und Christus verweisen, indem sie heilsgeschichtliche Aussagen und Ereignisse miteinander verknüpfen, veranschaulichen ein theologisches Programm: Im Neuen Testament erfüllt sich das alttestamentliche Heilsversprechen. Samson und Christus sind Gott zugewandt, beide kämpfen gegen die Macht des Dunkels im Zeichen des Lichts. Auch die Namen der Protagonisten in der Bibel bestätigen nach Auffassung Peter Jentzmiks diesen Zusammenhang. Samson heißt auf Hebräisch Shimshon, das bedeutet nämlich sonniger, göttlicher Knabe. Und der Name der Frau, Dalilah (auf Hebräisch Laila), heißt Nacht und steht für das Dunkle, das Böse.

Jetzt hat sich der Theologe vorgenommen, einen ausführlichen Aufsatz über diese einzigartige Limburger Samson-Typologie zu veröffentlichen. Zunächst hat er aber mit den Domschwestern, die die Domführungen machen, und mit dem Domküster Bruder Elmar seine Erkenntnisse besprochen und für die Dom-Besucher die Doppelkarten mit der Samson-Darstellung und der kurzgefassten Erläuterung entworfen. "Denn", wie er sagt, "in diesem Fresko wird unglaublich viel vom christlichen Glauben deutlich gemacht. Das ist Verkündigung, das ist frohe Botschaft!"

Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte den Limburger Dom einmal selbst besuchen und dort auf Entdeckungsreise gehen!

Über den Autor

Dr. Peter Jentzmik arbeitete nach seinem Studium der Germanistik, Philosophie und katholischen Theologie an den Universitäten Freiburg, Innsbruck und Marburg, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Wolfram-Forschungsstelle am Institut für Ältere Deutsche Philologie der Universität Marburg, bevor er 1973 mit der Dissertation "Zu Möglichkeiten und Grenzen typologischer Exegese in mittelalterlicher Predigt und Dichtung" zum Doktor der Philosophie promovierte und somit die Grundlagen für eine typologische Deutung biblischer Ereignisse erforscht hat.

Neben seiner Lehrtätigkeit als Gymnasiallehrer an der Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar, wo er bis zu seiner Pensionierung 2006 die Fächer Deutsch, katholische Religion und Hebräisch unterrichtete, gründete er 1993 den Glaukos Verlag für Literatur und Wissenschaft mit Sitz in der Frankfurter Straße 77 in Limburg. Seit dem Wintersemester 2007/2008 war er Lehrbeauftragter für Hebräisch an der Philosophisch-Theologischen Hochschule/Universität Vallendar.

Zu seinen Veröffentlichungen zählen unter anderem das "Herrengebet", also das "Vater unser", und das Hohelied Salomos, das der Hebräisch-Spezialist neu übersetzt hat. Seit einigen Jahren gehört er zur St.-Hildegard-Akademie Eibingen, dem Zentrum für Wissenschaft, Forschung und Europäische Spiritualität.

Anette in Concas

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