+
Der 1970/71 erstellte Neubau des Rathauses an der Pusteblume muss dringend saniert werden. Im Gespräch ist auch ein Abriss und Neubau an gleicher Stelle. Foto: Anette in Concas

Limburger Rathaus

Sanieren oder besser neu bauen?

  • schließen

Was passiert mit dem Rathaus in Limburg? Wird der fast 50 Jahre alte „Neubau“, in dem sich ein großer Teil der Verwaltung befindet, saniert oder neu gebaut? Diese Frage soll im Laufe des nächsten Jahres entschieden werden. Für den Fall einer Sanierung ist auch schon eine vorübergehende neue Unterkunft im Gespräch: die bald leerstehenden Büros von Mundipharma.

Wenn vom „Neubau“ des Limburger Rathauses die Rede ist, ist das ein beschönigender Ausdruck. Zwar ist der Gebäudekomplex am Brunnen „Pusteblume“, wo sich im Erdgeschoss das Einwohnermeldeamt befindet, schon neuer (1970/71 erbaut) als die historische Vorderseite (1898 erbaut) in der Fußgängerzone. Aber nicht mehr neu genug, vor allem, was die Energieeffizienz und die Elektrik betrifft.

Deshalb stellt sich im nächsten Jahr die Gretchenfrage: Soll der in die Jahre gekommene „Neubau“ des Rathauses, in dem sich ein großer Teil der Verwaltung inklusive der Büros von Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) und dem Ersten Stadtrat Michael Stanke (CDU) befindet, saniert oder abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut werden, oder soll lieber an anderer Stelle ein neues Rathaus entstehen?

Egal, wie die Stadtverordneten entscheiden werden: Es wird teuer. Die Frage ist nur, wie teuer? Die von der Verwaltung geschätzten Kosten reichen von knapp 7,2 Millionen Euro bis mehr als elf Millionen Euro; mögliche Miet- und Umzugskosten sind dabei bereits berücksichtigt.

Je nachdem, wie sich die Limburger Stadtverordneten entscheiden, müsste auch geklärt werden, wohin ein Teil der Verwaltung umzieht, wenn das Gebäude saniert werden sollte. Denn Bürgermeister Hahn hatte schon in einem Pressegespräch deutlich gemacht, aufgrund des im Neubau verwendeten Betons werde es kaum möglich sein, dort zu arbeiten, während nebenan Sanierungsarbeiten laufen. Der Beton leitet den Schall offenbar viel zu gut.

Doch wohin mit der Stadtverwaltung? Im zuständigen Arbeitskreis, in dem mehrere Stadtverordnete mit Mitgliedern des Magistrats und der Verwaltung regelmäßig zusammenkommen, ist darüber bereits gesprochen worden. Demnach kann sich die Verwaltung einen Umzug ins bald leerstehende Mundipharma-Gebäude auf der Dietkircher Höhe vorstellen.

Im Gespräch ist demnach auch, den „Neubau“ des Rathauses weder zu sanieren noch abzureißen und an gleicher Stelle aufzubauen, sondern zu verkaufen – zum Beispiel an einen Hotelbetreiber, was zumindest die Stadthallen GmbH freuen dürfte, die sich angeblich ein Hotel in unmittelbarer Nähe zur Stadthalle wünscht, um damit für mehrtägige Veranstaltungen attraktiver zu sein.

Sollte es dazu kommen, müsste ein neues Gebäude für die Verwaltung her. Die Verwaltung geht bei einem Neubau an anderer Stelle von einer Bauzeit von 18 Monaten aus, was bei allen vorliegenden Varianten noch mit Abstand die kürzeste Bauzeit ist.

Am längsten dauern würde eine Sanierung des „Neubaus“ an der Pusteblume in sieben Abschnitten inklusive einer Aufstockung um ein weiteres Geschoss mit einer geschätzten Bauzeit von 67 Monaten, also mehr als fünfeinhalb Jahre. Der Gebäudekomplex war schon einmal um eine Etage aufgestockt worden, und zwar 1990/91.

Ein Abbruch und Neubau an gleicher Stelle würde nach den Berechnungen der Verwaltung 21 Monate dauern. Die schnellste Sanierung (in drei Abschnitten) würde immerhin noch 30 Monate dauern; bei einer zusätzlichen Aufstockung des Gebäudes würde sich die Bauzeit um acht Monate verlängern. Und eine Sanierung in sechs Abschnitten würde 55 Monate dauern, also mehr als viereinhalb Jahre.

In der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises, der nicht-öffentlich tagt, wurde vereinbart, dass sich die Fraktionen bis Mitte Januar intern besprechen sollen, um in der nächsten Sitzung Ende Januar mitzuteilen, wie sie die Gretchenfrage zum Rathaus beantworten.

In den Haushaltsberatungen zeichnete sich ab, dass zumindest die Liberalen das größte Problem mit diesem Thema haben. Die vorgeschlagenen Varianten – insgesamt sind es derzeit sechs – „haben uns sprachlos gemacht“, sagte die Fraktionsvorsitzende Marion Schardt-Sauer (FDP) im Ausschuss. „Wir reden schließlich über viele, viele Millionen Euro.“ Aus Sicht der Liberalen sollte deshalb ein externes Büro die Kosten für die möglichen Varianten noch einmal berechnen lassen.

Auch der bisherige, nicht-öffentliche Umgang mit dem Thema stört die FDP. „Das gehört in eine öffentliche Sitzung“, forderte Schardt-Sauer. „Das wird öffentlich behandelt“, versicherte Bürgermeister Hahn. Aber es mache Sinn, „gewisse Dinge“ im Vorfeld zu diskutieren – „auch vertraulich“. Der Arbeitskreis sei dafür „hervorragend“ geeignet, „um ein Gespür dafür zu bekommen, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare