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Die Schlagerlegenden auf der Bühne der Limburger Stadthalle: (von links) Graham Bonney, Lena Valaitis, Peggy March, Ireen Sheer und Michael Holm verzauberten das Publikum mit Ohrwürmern und Anekdoten.

Konzert

Das war die "Schlagerlegenden"-Veranstaltung in der Limburger Stadthalle

Manchmal ist Musik wie Wein – je älter desto besser. Die „Schlagerlegenden“ schwelgten einen Abend lang in der Limburger Stadthalle im Lebensgefühl der 1960er- und 1970er-Jahre.

Ein Hauch der großen Fernsehgalas, als es nur drei Programme gab, wehte beim Auftritt der „Schlagerlegenden“ durch die Limburger Stadthalle. Das fing schon mit der passenden Garderobe an: Das silberne Glitzerkleid (Ireen Sheer), das glänzende Jackett (Graham Bonney), die smaragdgrüne Abendrobe (Lena Valaitis), das funkelnde schwarze Top (Peggy March) sowie der smarte Smoking (Michael Holm) gehörten genauso zum gelungenen Auftritt wie die zahlreichen Ohrwürmer, die es am Freitagabend zu hören gab. Letztere werden die vielen Zuhörer wohl auch in den kommenden Tagen kaum aus dem Kopf bekommen.

„Es ist alles live“, lautete dabei die ausdrückliche Versicherung des Veranstalters. Eine Aussage, die gerade bei Schlagerkonzerten verdächtig oft zu hören ist. Dabei war die dreistündige Gala fast ebenso sehr Geschichtsstunde wie Live-Konzert. Fast meinte man, den in diesem Jahr verstorbenen ZDF-Hitparaden-Moderator Dieter Thomas Heck vorne auf der Bühne auszumachen – so präsent war er in den immer wieder eingestreuten Anekdoten. „Kommt er von rechts, kommt er von links? Er kommt von rechts!“ So kündigte Heck damals Michael Holms ersten Auftritt in der Hitparade an, nachdem dieser sich in der Halle verlaufen hatte und es erst im dritten Anlauf auf die Bühne schaffte. In Limburg erschienen aber alle Künstler pünktlich: Zu sehen gab es quasi fünf Einzelkonzerte, bei dem jeder der Stars ein „Best of“ seiner jeweils jahrzehntelangen Karrieren präsentierte.

Unterstützt von einem gut aufgelegten Orchester zeigten sich die Künstler in bester Gesangslaune: Stimmgewaltig, überraschend gelenkig und sehr souverän im Umgang mit dem eigenen Alter. „Nein, ich bin nicht die Älteste“, versicherte Peggy March treuherzig. Zuvor hatte sie ausgeplaudert, dass sie tatsächlich 17 Jahre alt war, als sie in Deutschland 1965 ihren Durchbruch mit dem Hit „Mit 17 hat man noch Träume“ feierte. „So, jetzt rechnen alle nach, wie alt ich bin“, sagte die 70-Jährige das Publikumsverhalten korrekt voraus. Und geflunkert hatte sie auch nicht. Denn tatsächlich zählen Lena Valaitis, Graham Bonney und Michael Holm alle zum Jahrgang 1943 und haben ihr somit noch einmal fünf Jahre an Lebenserfahrung voraus.

Erfahrungen, die sie bereitwillig mit ihrem Publikum teilten, und das hatte sichtlich seinen Spaß, auch wenn die Halle nicht ausverkauft war und es an den Seiten noch einige freie Plätze gab.

Musikalisch ließen die „Schlagerlegenden“ vorne auf der Bühne jedenfalls nichts anbrennen und lieferten die erwarteten Gassenhauer wie „Mendocino“ (Michael Holm), „Johnny Blue“ (Lena Valaitis), „Goodbye Mama“ (Ireen Sheer) und „Supergirl“ (Graham Bonney). Letzterer ließ in seinem Medley zusammen mit Michael Holm auch den Rock-’n’-Roller raus und begeisterte mit Bill Haleys Klassiker „Rock Around The Clock“. Schließlich war der Brite durch die harte Schule des legendären Hamburger „Star Clubs“ gegangen. Ein Ort, in dem für damalige Verhältnisse eher härtere Musik gefragt war und die anwesenden Seeleute und Zuhälter ihren Unwillen schnell mit fliegenden Biergläsern kundtaten.

Nebenbei erfuhr das Publikum in der Limburger Stadthalle noch, dass für Graham Bonney mit dem „Schlagerlegenden“-Auftritt offenbar ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen war – auch wenn er es etwas anderes ausdrückte: „Ich wohne in Kerpen und fahre wöchentlich an Limburg vorbei, aber bisher hat mich hier noch keiner gebucht!“

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