Katja und Ralf Dillmann genießen die Gastfreundschaft im Rossini von Giovanni Forte.
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Katja und Ralf Dillmann genießen die Gastfreundschaft im Rossini von Giovanni Forte.

Ansturm

Außengastronomie in Limburg öffnet: Schluss mit der „Totengräberstimmung“

  • VonRobin Klöppel
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Nach der Corona-Pause öffnet im Kreis Limburg wieder die Gastronomie. Gäste stürmen die Außenbewirtschaftung. Nicht nur die Betreiber sind happy.

Limburg – Gäste wie Gastronomen sind glücklich, dass seit Freitag durch sinkende Corona-Inzidenzwerte im Kreis Limburg endlich zumindest die Außenbewirtschaftungen wieder öffnen können. Probleme haben nur noch die, die keine oder nur eine geringe Außenfläche haben. So sind einige Limburger Restaurants am Wochenende noch komplett geschlossen gewesen. Und für die offenen Restaurants ist es abends ein Problem, wenn Testcenter schon geschlossen sind und unwissende Gäste ohne Testnachweis wieder weggeschickt werden müssen.

Samstag stimmte zum Glück tagsüber das Wetter - und so waren viele Terrassen gut gefüllt. Für einen Platz vor dem Café Meloni waren einige sogar bereit, auf dem Kornmarkt anzustehen. Vor dem Café Rossini auf der Plötze sitzt Lüder Schulz-Nigmann und freut sich, dass nach Monaten endlich die "Totengräberstimmung" in Limburg vorbei sei. "Es hat uns sehr gefreut, dass wir heute wieder hier sein können. Denn für uns ist es am Wochenende ein Ritual, ins Café zu gehen", berichtet Schulz-Nigmann. "Es gibt doch noch einen Gott", strahlt "Rossini"-Inhaber Giovanni Forte. Die Leute hätten nach so langer Zeit einfach Lust, mal wieder wegzugehen. Das wunderschöne Wetter dazu passe perfekt. Forte sagt, dass am ersten Tag den ganzen Tag Menschen gekommen seien, alle gut gelaunt und nett gewesen. Sein Gast Ralf Dillmann verrät, dass er bis vor kurzem den Lockdown noch befürwortet habe, weil zu schnelle Lockerungen vielleicht in Sachen Corona-Bekämpfung einen Rückschlag bedeutet hätten. Doch jetzt sei es langsam Zeit, dass die Gastronomie wieder öffne.

Corona-Lockerungen in Limburg: Außengastronomie öffnet – Das Testen ist problematisch

Rainer Eller entspannt vorm Café zum Schlößje. "Ich hatte mich mit der Situation arrangiert, aber nach ein paar Wochen hatte ich schon Entzugserscheinungen", so der Beselicher. Sein Ritual ist es eigentlich, jeden Morgen ins Café zu gehen, einen Kaffee zu trinken und dabei die Zeitung zu lesen. So lange er noch einen tagesaktuellen Test vorlegen müsse, überlege er es sich aber, ob er schon wieder täglich gehe, meint Eller. Denn das Testen sei schon immer ein Zeitaufwand.

Nicolas Bonnkirch, Sohn der Betreiberin, findet die Vorgabe, dass die Gäste einen aktuellen Corona-Test vorlegen sollen, auch problematisch. Viele wüssten beim Kommen nicht, dass sie einen bräuchten. Und einige hätten dann auch keine Lust, noch mal zu gehein und einen durchführen zu lassen.

Thomas Girardi, Chef vom Nannini, erzählt: "Freitag hat es langsam angefangen, aber abends war alles voll." Die Leute hätten alle lachende Gesichter gehabt. Das zu erleben, sei echt schön gewesen. Dass sie einen Test brauchten, daran müssten sich die Leute erst gewöhnen, so Girardi. Aufgrund der Abendgäste in Limburg wäre es laut Girardi wichtig, dass es auch noch abends eine Testmöglichkeit in Limburg gebe.

Corona in Limburg: Gäste stürmen Außengastronomie – Abwechslung vom Alltag

Laura Roos, die mit ihren Freunden Meral Ciftci und Nebil Johannes vorm Nannini sitzt, meint: "Spazieren gehen waren wir doch langsam alle leid. Wir wollen rauskommen, Abwechslung vom Alltag, hier sitzen und uns mit Freunden treffen". Salvatore Maglie als Gast von Meloni findet, dass es Zeit werde, dass die Gastronomen endlich wieder Geld einnehmen könnten. "Das Ausgehen gehört für die Menschen zum Lebensgefühl und ist wichtig", so der Steedener. Wenn er Pause habe, liebe er es, mal auf einen schnellen Espresso herzukommen. Rebecca Schenk berichtet: "Mir haben die sozialen Kontakte gefehlt. Ich gehe sehr gerne unter Menschen und bin froh, mit meiner Freundin hier zusammen wieder frühstücken zu dürfen". Tim Forster erzählt, dass es Zeit werde, dass wir "aus dem Dreck rauskommen". Er brauche das, im Café Zeitung lesen und Menschen zu beobachten. "Ich warte aber sehnlichst darauf, dass ich mich wieder reinsetzen kann", so Forster. Denn er hasse es, draußen zu essen, wenn die Wespen um ihn kreisten. Thorsten Meudt als Elz meint: "Mir hat es extrem gefehlt, mit Freunden und der Familie ein Bier oder einen Wein zu trinken". Er hofft, bald wieder "mit allen Mann" weggehen zu können.

Dorothee Arnold erzählt vorm Spuntino auf dem Neumarkt, dass es für sie und ihren Mann zum Samstag gehöre, den Markt zu besuchen und anschließend einen Kaffee trinken zu gehen. Sie ist froh, sich dazu wieder setzen zu dürfen, da sie gehbehindert sei. Am To-go-Geschäft mag sie auch nicht den vielen unnötigen Müll.

Anette Christmann meint: "Es gehört zum Leben in der Stadt, dass die Cafés und Restaurants auf sind und man sich hinsetzen kann". Sie mache gerne mal bei der Arbeit eine kleine Pause auf einen Kaffee. Burkhard Müller ist angewidert, dass er einen Test vorzeigen muss. Die Inzidenzen seien ja niedrig und die wenigen Kranken in Quarantäne. Zudem mache er regelmäßig schon bei der Arbeit Tests. "Wer Angst vor Ansteckung hat, kann ja daheimbleiben oder eine Maske aufsetzen", meint Müller. Er glaubt, dass die Vorsichtsmaßnahmen nur seien, weil einige damit ein großes Geschäft machen wollten.

Giuliano Rizzo vom Restaurant Don Camillo verrät: "Das Telefon steht nicht mehr still. Wir sind das ganze Wochenende ausgebucht". Aber es kämen fast nur Stammgäste. Wenn jemand auf der Durchreise sei und die Regelungen in Hessen nicht kenne, habe er keine Lust, für kurz essen zu gehen, den Zeitaufwand eines Schnelltests auf sich zu nehmen.

Hartmut Götzen isst strahlend seine Pasta und sagt: "Die Leute gehen wieder auf wie Blumen. Sie wissen das Ausgehen wieder wertzuschätzen". Sein guter Freund Dieter Wagenblast weiß als Geschäftsmann, wie wichtig es für Limburg ist, dass die Gastronomie wieder aufgeht. Der Juwelier: "Es gehört zu meinem Leben, mit Freunden mal draußen zu sitzen. Ich hoffe, dass es nun endlich wieder aufwärts geht".

Mehmet Altun, Inhaber des Restaurants La Strada, hat die Umgestaltung der Außenterrasse am Wochenende auf den letzten Drücker fertigbekommen. "Die Leute haben Lust essen zu gehen, aber ich glaube nicht, dass das Geschäft optimal wird", befürchtet Altun. Manche glaubten noch, nach 21 Uhr sei Ausgangssperre. Und andere würden lieber daheimbleiben, als einen Corona-Test für einen Restaurantbesuch zu machen. (Robin Klöppel)

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