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Ex-KSK-Mitarbeiter

Schnelles Ende im Untreue-Prozess

Kurzer Prozess gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Kreissparkasse: Weil die Kredite, die er unberechtigt gewährt haben soll, von den Kunden fast vollständig zurückgeführt wurden, hat das Landgericht gestern das Verfahren beendet. Der Beschuldigte muss 30 000 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen.

Rund 90 Minuten dauert das Verfahren. Dann erklärt Richter Peter Scherer, Vorsitzender der 1. großen Wirtschaftsstrafkammer, die Gerichtsverhandlung für beendet: Der Angeklagte muss innerhalb von sechs Monaten 30 000 Euro an den Elternverein für Leukämie- und krebskranke Kinder zahlen. Sobald er diese Geldstrafe beglichen hat, ist der strafrechtliche Prozess gegen den 39-jährigen Bankkaufmann aus Beselich endgültig vorbei.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, als Kreditsachbearbeiter bei der Kreissparkasse Limburg in der Zeit vom 23. April 2009 bis 23. Oktober 2012 Unterschriften gefälscht und EDV-Daten manipuliert zu haben und so Kredite bewilligt zu haben, die mindestens ein weiterer Bankmitarbeiter hätte autorisieren müssen. Das soll der Beschuldigte bewusst umgangen und damit das Vermögen der Kreissparkasse geschmälert haben.

Die KSK kündigte ihm im Spätherbst 2012. Ein arbeitsrechtliches Verfahren läuft derzeit. Die zivilrechtlichen Ansprüche der Bank gegen den Mann belaufen sich auf rund eine Million.

Der Beschuldigte hat die Vorwürfe gegen ihn jedoch nicht eingeräumt. Vor der Wirtschaftsstrafkammer sprach er lediglich von wachsendem Druck, der auf ihn und seine Abteilung ausgeübt wurde, als ein neuer Teamleiter seine Tätigkeit aufnahm.

Die Arbeitsbelastung sei enorm gewesen. Dennoch seien ihm weder von der Innenrevision noch von externen Prüfern Fehler nachgewiesen worden.

Die Summe der Kredite, die er ohne Erlaubnis bewilligt haben soll, beläuft sich auf knapp eine Million Euro. Persönlich bereichert hat sich der 39-Jährige nicht. Allerdings entspreche der Schaden für die Kreissparkasse auch nicht der Summe aller von dem Ex-Mitarbeiter gewährten Kredite, stellte Richter Scherer fest. Denn die meisten der 39 bewilligten Zahlungen seien bereits getilgt; nur in drei Fällen wurden Vergleichszahlungen mit den Kunden geschlossen. Die Schadenshöhe sei also beträchtlich „abgeschmolzen“. Deshalb entschied die Kammer, den Prozess zu beenden. Dass der Mann, der inzwischen für ein anderes Kreditinstitut tätig ist, aber „ganz ohne“ Strafe aus dem Verfahren herauskomme, sei nicht möglich, so Scherer.

Auch die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe gefordert, die deutlich zeige, dass es sich hier nicht um einen „gefühlten Freispruch“ handelt.

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