Eine Dame in Schutzmontur steckt einem sitzenden Mann ein Stäbchen in die Nase.
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Regina Reisbacher, Filialleiterin der Neuen Amts-Apotheke Aposanum in Bad Camberg, wird weiter testen – wie hier den Allgemeinmediziner Dr. Jan Rußler.

Corona

Ende der Gratis-Tests: Was Schnelltests ab jetzt kosten

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Corona-Schnelltests sind jetzt kostenpflichtig. Im Kreis Limburg-Weilburg gibt es daher weniger Möglichkeiten, sich testen zu lassen – wo diese sind und wie viel die Tests kosten.

Limburg-Weilburg – Wer sich nicht impfen lassen will und einen Schnelltest braucht, weil er an einer Veranstaltung teilnehmen möchte, muss jetzt dafür bezahlen, denn seit Montag sind Corona-Tests kostenpflichtig. Der Landkreis befragt die heimischen Anbieter – also Apotheken und Ärzte, Testzentren oder Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) – zurzeit zu diesem Thema und der Fortsetzung ihres Angebots. Die Preise schwanken in einer Umfrage dieser Zeitung zwischen 10 und 17 Euro.

Das DRK an der Senefelderstraße in Dietkirchen testet weiterhin nach Terminvereinbarung, entweder telefonisch oder per E-Mail, und verlangt dafür 12 Euro pro Test. Wie überall gelten aber auch dort Ausnahmen.

Corona-Tests in Limburg und der Region: Kostenlos nur mit Attest von Arzt oder Gesundheitsamt

Der bisher größte Anbieter in der Region, die Trobasept Healthcare GmbH aus Obertiefenbach, hat im Landkreis Limburg-Weilburg bislang fünf Testzentren betrieben. Offen sind seit gestern nur noch die Testzentren am Globus-Einkaufsmarkt und am St.-Vincenz-Krankenhaus in Limburg. Zum 10. Oktober hat das Unternehmen die Testzentren in Weilburg, Bad Camberg und in der WERK Stadt in Limburg geschlossen.

Wie Maria Elmrich von Trobasept auf Nachfrage mitteilt, bietet das Unternehmen keine PCR-Tests, sondern nur Antigen-Schnelltests an. Diese kosten 15 Euro. Wer von der Zahlungsverpflichtung befreit ist, benötige ein ärztliches Attest oder einen Nachweis vom Gesundheitsamt. "Wir müssen die Tests über die Kassenärztliche Vereinigung abrechnen. Deswegen benötigen wir einen Nachweis, der von uns auch richtig kontrolliert wird", sagt Elmrich.

Einzelne Apotheken und Arzt-Praxen im Kreis Limburg-Weilburg bieten weiter Corona-Tests an

Die Linden-Apotheke in Hadamar verlangt pro Test 15 Euro, für den ein Termin telefonisch vereinbart werden muss. Wer am späten Montagvormittag in der Apotheke anrief, der bekam zum Beispiel noch am gleichen Tag einen Termin für 17.20 Uhr. Nach Angaben von Mitarbeiterin Sabine Schmitz hatten zu diesem Zeitpunkt drei Bürger einen Test gemacht für eine Flugreise. "Die meisten wissen, dass sie für die Tests nun bezahlen müssen", sagt sie.

Ebenfalls 15 Euro pro Test berechnet die Frosch-Apotheke in Linter. Eine Terminvereinbarung ist dort zwar nicht erforderlich, allerdings gibt es festgelegte Zeitfenster, in denen die Tests gemacht werden können. Sechs Bürger hatten dort bis gestern Mittag einen kostenpflichtigen Test gemacht, berichtet Inhaberin Jutta Welker.

Sie wolle die Entwicklung bis Ende dieses Monats beobachten. Sollte die Nachfrage zu gering werden oder der Unmut von den Betroffenen, die zahlen müssen, zu groß, überlege sie, die Zeiten zu reduzieren, in denen in ihrer Apotheke der Schnelltest gemacht werden kann.

Corona-Tests im Kreis Limburg-Weilburg nur mit Terminvereinbarung per Telefon oder Mail

Auch die Arztpraxis Anke Klein in Elz bietet weiterhin Schnelltests nach Terminvereinbarung – telefonisch oder per E-Mail – an und verlangt pro Test 17 Euro. Das Medizinische Versorgungszentrum Medicum Mittelhessen in Weilmünster verlangt 15 Euro pro Schnelltest, wie der Homepage zu entnehmen ist. Auch hier gilt, dass eine Terminvereinbarung erforderlich ist.

Die bislang noch günstigsten Testpreise bieten unter anderem die vier "Correctly Testcenter" an, zwei in Limburg, eins in Lindenholzhausen und eins in Fussingen (bei REWE). Wie eine Mitarbeiterin erklärte, liegt der Preis bei zehn Euro. Sie begründete dies mit einem weiteren Anbieter, der ebenfalls nur zehn Euro nehme. Ob dies allerdings dauerhaft bei diesem vergleichsweise günstigen Preis bleibt, ließ sie offen.

Auch in der Neuen Amts-Apotheke Aposanum in Bad Camberg kostet ein Corona-Test rund zehn Euro. "Der Preis ist fair", sagt Inhaber Achim Gondermann. Er könne das recht günstige Angebot aber nur aufrechterhalten, wenn sich möglichst alle Personen, die sich testen lassen wollen, zuvor im Internet anmelden. "Wenn viele Leute ohne Terminvereinbarung zu uns kommen, ist das wesentlich zeitintensiver und der Preis muss eventuell erhöht werden", sagt der Leiter der Apotheke. Kunden können ihren Test übrigens sowohl Online als auch an Ort und Stelle in Bad Camberg bezahlen.

„Missbrauch verhindern“: Corona-Tests in Limburger Region nur mit Berechtigung

Trotz zurückgegangener Nachfrage und reduzierter Öffnungszeiten der Teststelle möchten Gondermann und seine Kollegen auf jeden Fall in weitertesten. "Wir stehen in der Pflicht und wollen der Verantwortung nachkommen, anstatt jetzt einen Rückzieher zu machen", sagt der Inhaber. Er geht davon aus, dass die Nachfrage aufgrund von Schließungen anderer Teststellen künftig wieder steigen wird.

Gondermann legt großen Wert auf Kontrollen. "Wir lassen uns natürlich den Personalausweis und auch Nachweise von Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen, zeigen", sagt er. Nur so könne man "Missbrauch verhindern".

In der Praxis für Schmerztherapie und Bewegung im Runkeler Stadtteil Steeden wird ebenfalls weiter getestet. "Ich möchte allen Menschen die Möglichkeit offen lassen, sich zu testen", sagt Inhaberin Ulrike Martin-Franco. 11,50 Euro müssen bei ihr pro Test bezahlt werden. Im Internet können sich die Kunden registrieren und dabei besteht die Gelegenheit anzugeben, ob für den Test gezahlt werden muss oder nicht. In der Praxis werde dies dann nochmals kontrolliert.

Kostenpflichtige Corona-Tests: Kreis Limburg-Weilburg gibt Überblick auf Webseite

Insgesamt habe es im September eine höhere Nachfrage gegeben als in den Monaten zuvor, sagt Martin-Franco. Besonders häufig kämen Schulkinder vorbei, um einen Spucktest zu machen. Es gebe aber noch Kapazitäten für weitere Tests. "Derzeit hat meine Teststelle mindestens eine Stunde pro Tag geöffnet und das möchte ich so auch künftig beibehalten", berichtet sie.

Kostenpflichtige Corona-Tests seien ein "zweischneidiges Schwert". Die Schmerztherapeutin kann sowohl die Fürsprecher als auch die Gegner der neuen Maßnahme verstehen. "Geimpfte und auch ungeimpfte Personen haben gute Gründe für ihre Entscheidungen. Die Spaltung der Gesellschaft in zwei Lager sei definitiv nicht der richtige Weg", sagt Martin-Franco.

Limburg: Kreis findet kostenpflichtige Corona-Tests „grundsätzlich richtig“

Der Landkreis Limburg-Weilburg bietet auf seiner Homepage einen Überblick über alle heimischen Corona-Schnellteststellen im Kreis an. Zumindest Montagvormittag tauchte dort allerdings noch ein Anbieter auf, der seine bislang kostenlosen Bürgertests schon zum 30. September eingestellt hat und keine kostenpflichtigen Tests anbieten wird – seitdem gibt es die mobilen Testzentren der Reisefirma Schuy aus Elz, fünf umgebaute Reisebusse, nicht mehr.

Der Kreis ist daher selbst dabei, seine Liste zu aktualisieren. Klar ist: Nur wer kostenlose Tests anbietet, darf auch kostenpflichtige anbieten und das Ergebnis bescheinigen. Für die Kontrolle ist das Gesundheitsamt des Kreises zuständig. Zum Ende der kostenlosen Bürgertests für alle teilt die Kreisverwaltung mit: "Die Entscheidung ist grundsätzlich richtig, da jeder die Möglichkeit hatte, beziehungsweise immer noch hat, sich impfen zu lassen. Personen, die bisher nicht geimpft werden können/dürfen, sind von der Kostenpflicht ausgenommen. Von daher handelt es sich um einen Ausfluss der freien Entscheidung eines jeden Einzelnen."

Ende der kostenlosen Corona-Tests im Kreis Limburg-Weilburg: Wer nicht zahlen muss

Das Ende der kostenlosen Bürgertest bedeutet nicht, dass alle bezahlen müssen. Von der Zahlungsverpflichtung befreit sind Kinder bis zum zwölften Lebensjahr, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bis zum 31. Dezember, Schwangere sowie Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, sowie Teilnehmer klinischer Studie zu Corona.

Ebenfalls von der Zahlung befreit sind Menschen, die nach einer Corona-Erkrankung einen Negativ-Test benötigen, um die Quarantäne zu verlassen. Diese Personen brauchen ein Zeugnis eines Arztes, den Mutterpass oder bei Kindern der Altersnachweis mit einem gültigen Ausweispapier. Alle anderen Personen, auch Geimpfte, müssen für die Tests bezahlen.

Weiterhin möglich sind Testungen bei symptomatischen Personen, entweder beim Hausarzt, in einer Covid-Schwerpunktpraxis oder über das Bürgertelefon, (0 64 31) 2 96-96 66, des Landkreises Limburg-Weilburg an der KV-Abstrichstelle in Beselich. (Stefan Dickmann, Tobias Ketter, Mariam Nasiripour)

Unter anderem wegen der kostenpflichtigen Corona-Tests wurde das neue Corona-Impfzentrum im Kreis Limburg-Weilburg zuletzt gut besucht.

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