+
Gewalt gegen Lehrer nimmt zu

Gewerkschaft

Schüler werden aggressiver

  • schließen

Schüler, die ihre Klassenkameraden verprügeln oder mit Stühlen werfen sind schon längst keine Ausnahme mehr. Auch die Gewalt gegen Lehrer nimmt zu, sagt die Lehrergewerkschaft GEW. Das Schulamt wiegelt ab.

Das Schulamt spricht von seltenen Einzelfällen, „erfreulicherweise“, die Lehrer von steigender Aggressivität und fehlenden Konzepten. Gewalt gegen Lehrer ist ein Thema. Ein so großes Thema, dass es auch den 3. Bildungstag des GEW-Kreisverbandes beherrschen wird. „Weg (e) mit der Gewalt an unseren Schulen!“ ...wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz von Schülern und Lehrern“ ist das Motto (am 23. Oktober). „Wir nehmen wahr, dass die Gewaltschwelle abnimmt“, sagt Anna Held, die Vorsitzende des GEW-Kreisverbandes Limburg. Und dass die Zahl der Fälle zunimmt.

Die Lehrergewerkschaft will vor allem auf die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte aufmerksam machen, auf zu wenig Personal für zu viele und zu verschiedenartige Schüler, auf die Probleme, die die Umsetzung der Inklusion bringt. Und darauf, dass es keine einheitlichen Standards gibt. „Die Lehrkräfte sind bei dem Thema Gewalt alleingelassen“, sagt Anna Held.

Das Schulamt sieht das anders: „Wenn ein Schüler gewalttätig wird, werden schulintern, je nach Intensität des Vorfalls, pädagogische und/oder Ordnungsmaßnahmen beschlossen“, teilt Dirk Fredl, der Sprecher des Schulamtes, mit. In manchen Fällen sei sogar das Verlassen der Schule angeraten. Aber auf alle Fälle müsse man ergründen, was den Schüler dazu gebracht hat, gewalttätig zu handeln. Dazu würden in der Regel die Schulpsychologen, bei Bedarf auch Sozialarbeiter und das Jugendamt eingeschaltet.

Ganz so einfach sei das nicht, sagt Anna Held. „Es ist ein großer Aufwand, den Schulpsychologen ins Boot zu holen.“ Und selbst wenn es gelinge, sei das doch eher was für die Schülerakte. Es fehle einfach ein tragfähiges Konzept. „Wir brauchen verbindliche Standards und Netzwerke“, sagt Anna Held. Und es gebe noch nicht einmal einen Leitfaden. „Das ist ein Problem der Schulentwicklung.“

Jede Schule müsste ein Gewaltpräventionsprogramm haben – und das sei noch lange nicht der Fall. Manche Schulen hätten einen Trainingsraum, aber auch diese „Verhaltensanpassungsprogramme“ zeigten wenig Wirkung. „Was hilft gegen verhaltensenthemmte Schüler?“, fragt Anna Held. „Wir brauche eine systemische Antwort“, sagt sie. Dazu gehörten verbindliche Präventionsmaßnahmen und verbindliche Erziehungsvereinbarungen. „Es muss für alle klar sein, was Sache ist.“ Aber dafür müsse erst einmal offen über das Thema gesprochen werden.

Und daran scheitert es oft schon, sagt Petra Weber-Laßmann, Vorsitzende des VBE-Kreisverbandes, des Verbandes für Erziehung und Wissenschaft, der anderen Lehrergewerkschaft. „Der Lehrer muss so stark sein, sich Hilfe zu holen.“ Denn er habe keine Handhabe, gegen Gewalt vorzugehen, er könne die Gewalt nur mit pädagogischen Maßnahmen aufarbeiten und Verhaltensregeln vereinbaren. Und er könne die Schüler anzeigen. Aber das passiere sehr selten. Denn dann werde an seinen pädagogischen Fähigkeiten gezweifelt. „Dann heißt es: ,Der kann sich nicht durchsetzen, der wird mit dem Kind nicht fertig.’“ Und er müsse Angst vor Racheakten haben.

„Viele können sich gar nicht vorstellen, was heute in den Schulen passiert“, sagt Petra Weber-Lassmann.

Sie weiß von Grundschülern, die Axt oder Stock mit in die Schule bringen und um sich schlagen, von Kindern, die mit Stühlen werfen, von Kindern, die einfach zuschlagen, sie wisse von Grundschülern, die Hausverbot haben. „Das ist schon heftig.“ Sie selbst sei einmal bedroht worden. Der Junge habe ihr gesagt, dass er genau wisse, wo sie wohne, wo ihr Auto parke und dass sie Kinder habe. Sie habe ihm geantwortet, dass sie seine Telefonnummer kenne und die Mutter angerufen. Die sagte allerdings nur: „Der Junge wird schon seine Gründe haben.“ Da habe sie dann mit der Polizei gedroht, sagt Petra Weber-Laßmann. „Das hat gewirkt.“

Schule heute bedeute mehr Stress für die Lehrer, aber auch die Schüler müssen mit der Vielfalt klarkommen. Immerhin biete das Staatliche Schulamt Fortbildungen an. Zum Beispiel zum Thema „Umgang mit schwierigen Schülern“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare