Weil er seinem kleinen Sohn durch Schütteln schwere bleibende Schäden zugefügt hat, ist ein 35-Jähriger aus dem Kreis Limburg-Weilburg zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.
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Weil er seinem kleinen Sohn durch Schütteln schwere bleibende Schäden zugefügt hat, ist ein 35-Jähriger aus dem Kreis Limburg-Weilburg zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Sieben Jahre Haft

Vater schüttelt Baby – das Kind ist jetzt für immer behindert

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Ein Vater aus dem Kreis Limburg-Weilburg schüttelt sein Baby, das Kind wird dauerhaft geistig und körperlich behindert bleiben. Der Mann muss in Haft.

Limburg – Der kleine Junge, um den es in diesem Verfahren ging, wird nie selbstständig leben können. Mehrere Nervenbahnen im Körper des Kindes sind gerissen, es ist teilweise gelähmt, erleidet täglich epileptische Anfälle, ist nahezu blind und geistig behindert. Der eigene Vater hat es beinahe zu Tode geschüttelt, weil ihn das Schreien des Kleinen genervt hat. Das sieht das Landgericht Limburg als erwiesen an und verurteilte den 34-Jährigen am Mittwoch (08.09.2021) wegen Körperverletzung und Misshandlung eines Schutzbefohlenen zu einer Haftstrafe von sieben Jahren.

Die Folgen für den Jungen seien immens, sagte Richter Marco Schneider zum Ende der Urteilsbegründung. Aber auch der Vater werde "damit leben müssen, was er seinem Sohn angetan hat". Innerhalb weniger Augenblicke hat der Mann in einem Ortsteil von Villmar drei Leben, das des Kindes, der Mutter und sein eigenes vollständig und dauerhaft aus einem normalen Alltag in eine Katastrophe geschüttelt. Er habe für einen kurzen Moment versagt, hatte der Mann im Laufe des Verfahrens eingeräumt, aber versichert, dass er seinem Kind niemals etwas habe antun wollen. "Ich liebe mein Kind", hatte er in der Verhandlung mehrmals gesagt.

Vater im Kreis Limburg-Weilburg fühlte sich durch Schreien des Babys gestört

Doch was am 10. Februar 2020 zwischen 16.18 und 16.28 Uhr mit dem Kind geschah, hat mit väterlicher Liebe nichts zu tun. An jenem Nachmittag legte seine Freundin, die Mutter des gemeinsamen Sohnes, das damals fünf Monate alte Baby ins Bett und fuhr zum Einkaufen nach Limburg. Der Vater wollte sich ebenfalls hinlegen, fühlte sich aber gestört, als der Kleine aufwachte und zu schreien begann. Das habe den Mann zunehmend geärgert, beschrieb Richter Schneider dessen Gemütszustand. Das belegen auch die Sprachnachrichten, die im Prozess vorgespielt wurden. "Das ist der Horror", sagt der Mann zu seiner Freundin. "Ich hasse das so sehr." Die Freundin habe ihm ihrerseits per Sprachnachricht Tipps erteilt, wie das Kind zu beruhigen sei. Ein Trinkfläschchen war außerdem vorbereitet.

Doch das wenige Monate alt Kind schrie weiter, und der Vater geriet zunehmend außer sich. Nach seinen Angaben nahm er den Jungen auf den Arm, stolperte über seine Hausschuhe und fiel auf das Kind. Er habe sich nicht abfangen können, weil er kurz zuvor Marihuana geraucht und "total stoned" gewesen sei, hatte er angegeben. Als das Kind dann schwer atmete, habe er es leicht geschüttelt, um einen möglichen Krampf zu lösen.

Vater schüttelt Baby: Total „stoned“ oder total genervt?

Das Gericht hält diese Version für eine Schutzbehauptung. Keiner der Zeugen, Sanitäter, Notärzte und Polizisten hatten bei dem Mann Hinweise auf Drogenkonsum feststellen können. Auch die Sprachnachrichten seien klar formuliert und verständlich. Zu einem Sturz ist es nach Auffassung der Richter ebenfalls nicht gekommen: Weder Vater noch Kind wiesen die für einen Sturz typischen Hämatome auf. Der Vater habe das Kind vielmehr aus dem Bett genommen und es mit "erheblicher Gewalt" fünf bis zehn Sekunden so geschüttelt, dass der Kopf des Kindes "peitschenartig" hin- und hergeschleudert wurde.

Dass das damals fünf Monate alte Baby den Kopf noch nicht aus eigener Kraft halten konnte, wusste der Mann. Davon ist das Gericht überzeugt. Auch dass er den Jungen durch das intensive Schütteln in Gefahr bringen würde, habe ihm bewusst sein müssen. Er habe mit der Todesgefahr für seinen Sohn rechnen müssen, sagte Schneider und sprach von einer "rohen Misshandlung". Die Empathielosigkeit des Vaters habe dessen Ausrasten ausgelöst. Was dem Jungen widerfuhr, sei eins der schwersten Schütteltraumata, die er je gesehen habe, hatte einer der medizinischen Gutachter während des Prozesses festgestellt. (Anken Bohnhorst-Vollmer)

Fälle von Schütteltraumata kommen immer wieder vor: Auch eine Mutter hatte ihr Baby geschüttelt – mit fatalen Folgen. Wegen schwerer Körperverletzung wurde sie jetzt verurteilt. *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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