Es ist geschafft! In den nächsten Tagen öffnen etliche heimische Altenheime wieder ihre Pforten für Besucher.
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Es ist geschafft! In den nächsten Tagen öffnen etliche heimische Altenheime wieder ihre Pforten für Besucher.

Altenpflege

Die Seniorenheime im Kreis Limburg-Weilburg öffnen wieder

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
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Heimische Pflegeeinrichtungen bereiten sich auf Ende des Besuchsverbots vor. Einige wollen aber noch warten.

Limburg -Die Zeit der Kontaktverbote in den hessischen Altenheimen geht zu Ende. Seit 4. Mai sind Besuche wieder erlaubt, wenngleich nur unter strengen Sicherheitsauflagen. Auch die Betreiber von Seniorenheimen im Kreis Limburg-Weilburg bereiten sich auf Lockerungen vor.

Für das Seniorenzentrum St. Georg in Limburg werde derzeit das von der Landesregierung vorgeschriebene Schutzkonzept erstellt, berichtet Leiterin Beate Schneider. "Wir haben bereits einen Besucherraum eingerichtet, denn es geht auf keinen Fall, dass die Besucher unkontrolliert in die Wohnbereiche strömen", sagt sie. Wer seinen Angehörigen sehen will, muss sich vorher anmelden und in eine Liste eintragen. Vorschrift sei auch, dass der Besucherraum durch einen Nebeneingang erreichbar ist. In dem Raum selbst werden Schutzbereiche eingerichtet, die mit Plexiglasscheiben voneinander abgetrennt sind. "Denn der Mindestabstand muss auch hier gewahrt bleiben", so Beate Schneider. Das bedeute aber auch: "Umarmungen kann es nicht geben." Eine Aufsichtsperson werde dafür sorgen, dass die Distanzregeln tatsächlich eingehalten werden, sagt die Heimleiterin. Auch ein Gang durch die Flure oder durch das Foyer des Seniorenzentrums sei nicht zugelassen.

Ein Problem sieht Schneider im Umgang mit bettlägerigen Bewohnern. Denn diese seien ja von einem Aufenthalt in dem Besucherraum ausgeschlossen. "Andererseits müssen wir aber auch ihnen Besuche ihrer Angehörigen zugestehen", sagt Schneider. "Wir hoffen, dass diese Frage bis zum Wochenende geklärt ist."

Erlaubt sind Besuche einmal wöchentlich von einem nahe stehenden Angehörigen oder Bekannten für höchstens eine Stunde. Diese zeitliche Vorgabe, sagt Schneider, werde das Seniorenzentrum St. Georg aber zunächst nicht ausschöpfen können. "Bei 110 Bewohnern kämen theoretisch 110 Stunden pro Woche zusammen", sagt sie. Das sei nicht zu schaffen, zumal die Besucherplätze nach jedem Besuch desinfiziert werden müssen. "Wahrscheinlich werden wird erst einmal nur eine halbe Stunde erlauben", so die Leiterin.

Wie groß die Nachfrage nach Besuchen zu Beginn sein wird, sei nur schwer abzuschätzen. "Viele Bewohner dürsten nach Kontakten", berichtet Beate Schneider. Kein Wundern, denn die Seniorenheime gehörten zu den ersten Einrichtungen, die schon Mitte März vom sogenannten Lockdown betroffen waren. Während der Treffen seien Mundschutz und Desinfektionsmittel vorgeschrieben. Sicherheit, so Schneider, habe oberste Priorität. "Sonst droht uns ein Rückschlag, der furchtbar sein kann." Mit Blick in die Zukunft sagt sie, dass weitere Lockerungen notwendig sein werden. "Auf Dauer werden die jetzigen Maßnahmen nicht ausreichen", ist Schneider überzeugt.

Noch in dieser Woche werden auch das Limburger Wichernstift und das Theodor-Fliedner-Haus Besuche erlauben, kündigt Einrichtungsleiter Michael Leifeld an. Unter strengen Auflagen: Maskenpflicht, Hygieneregeln, Sicherheitsabstand und vorherige Risikoabfrage. Im Wichernstift seien gleichzeitig drei Besuche von jeweils einer Stunde möglich, im Flieder-Haus zwei Besuche. Alle Angehörigen seien angeschrieben und auf die neuen Besuchsmöglichkeiten aufmerksam gemacht worden, so Leifeld. Termine könnten online auf der Homepage beider Einrichtungen reserviert werden.

Es gibt aber

auch Bedenken

Auch Leifeld sieht ein großes Bedürfnis von Bewohnern und Angehörigen nach Besuchen. Allerdings finde die neue Möglichkeit nicht ungeteilte Zustimmung, berichtet er. "Einige Angehörige haben Bedenken und sehen die Sicherheit der zu Pflegenden bisher besser gewährleistet als nach einer Öffnung", so der Heimleiter.

Noch skeptischer äußern sich Caritas-Geschäftsführer Max Prümm und Seniorendienstleiter Otmar Hicking. Sie sehen die geplanten Lockerungen kritisch und halten die "Hauruck-Pläne" der Landesregierung für "nicht sachdienlich", zumal zwischen der Ankündigung und einer möglichen Umsetzung der Lockerung nur wenige Tage lagen. In den fünf Caritas-Seniorenheimen des Landkreises Limburg-Weilburg werde das bestehende Besuchersverbot deshalb wohl erst Ende Mai oder Anfang Juni gelockert. "Derzeit entwickeln wir mit Hilfe von externem Sachverstand ein einheitliches Schutzkonzept, das am 22. Mai vorliegt", berichtet Hicking. Danach würde individuelle Schutzkonzepte für die jeweiligen Einrichtungen ausgearbeitet, so dass eine sukzessive Öffnung möglich werde.

Prümm verweist auf ein Schreiben der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen, der die Caritas angehört, an den Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU). Darin fordert der Verband eine "dringende Korrektur" des Öffnungszeitplans, um den Sicherheitserfordernissen gerecht werden zu können.

Die Caritas ist Trägerin des Heppelstifts der Häuser Mutter Theresa Niederbrechen, Maria Hilf in Obertiefenbach, St. Marien in Frickhofen und des Josefshauses in Elz. Insgesamt 250 Bewohner werden dort betreut. Kritisch bewerten Prümm und Hicking das ihrer Meinung nach weiter bestehende Infektionsrisiko für die Bewohner. "Das Coronavirus kann nur von draußen kommen, und das Infektionsrisiko steigt mit der Zahl der Personen, die in die Einrichtungen gelangen." Wenn es erst einmal da sei, "bekämen wir es nicht mehr los". Die Caritas sei stolz darauf, dass sie es geschafft habe, dass bisher kein einziger Corona-Fall in einem ihrer Heime oder bei einem Mitarbeiter aufgetreten sei." Damit dies auch weiterhin so bleibe, bitte man die Angehörigen um Geduld.

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