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Eine Prostituierte, die am Straßenrand zwischen Staffel und der Abfahrt zum Limburger Tierheim auf Kundschaft wartet.

Straßenstrich

"Sex to go" vor den Toren der Stadt

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Seit einigen Wochen sind sie wieder da, die Damen des horizontalen Gewerbes. Sie stehen zwischen der Ortsausfahrt von Staffel und der Zufahrt zum Tierheim. Zu Verkehrsbeeinträchtigungen mit Fahrzeugen und anderen Zwischenfällen sei es bislang nicht gekommen, sagen die Sprecher der betroffenen Kommunen. Auf seinem Terrain haben möchte die Frauen dennoch niemand.

Neu ist das Phänomen in der Region nicht. Bereits vor zwei Jahren standen mehrere Frauen im Wald zwischen Görgeshausen und Staffel und boten ihre Liebesdienste „to go“ an. Vorbeifahrende Autofahrer wurden abgelenkt, Müll sammelte sich entlang des Straßengrabens und in den Waldstücken, die Anwohner waren empört. Die Gemeinden Elz und Görgeshausen erwirkten, dass ihre Gemarkungen zu Sperrbezirken erklärt wurden. Damit ist Elz das Problem mit der Straßenprostitution los – eigentlich. Denn tatsächlich spazieren die aus Osteuropa stammenden Damen fast täglich an der Straße entlang, und da die Gemarkungsgrenzen nicht auf der Fahrbahn aufgezeichnet sind, befinden sie sich bisweilen auf Elzer Grund, räumt Markus Schmidt vom Ordnungsamt Elz ein. Und nicht nur das. Man habe die Frauen „auch schon mal bei ihrer Verrichtung entdeckt“, beschreibt Schmidt zurückhaltend diese besondere Umgangsform.

Die Mitarbeiter des Ordnungsamts Elz verhängen dann eine Geldstrafe. 50 Euro bei der ersten Entdeckung, 100 Euro beim zweiten Mal. Wie oft diese Kontrollen vorkommen und ob es hier Spitzenzeiten gibt, dazu äußern sich die Frauen selbst nicht. Mit Fragen möchten sie nicht belästigt werden. Ihre Kommunikation ist überwiegend nonverbal.

Auskünfte zum Straßenstrich erteilt dagegen Johannes Laubach, Sprecher der Stadt Limburg. Denn wenn die Damen nicht in Elz spazieren, bewegen sie sich auf dem Boden der Domstadt. „Seit Anfang März ist von unserer Seite verstärkt Straßenprostitution in diesem Bereich festzustellen. Die Frauen stehen dabei in Feldwegen und am Straßenrand.“ Die Stadt beobachte das Treiben, habe aber bislang keine Gefährdung des Straßenverkehrs feststellen können. Berührungspunkte mit den Frauen gebe es nur bei der Ausstellung von Anmeldebescheinigungen beim Ordnungsamt. Dieses Formular sei für die Prostituierten notwendig, so Laubach. Es ist gewissermaßen ihre gesetzlich vorgeschriebene Berufszulassung. In Limburg wurden seit Jahresbeginn 24 Bescheinigungen ausgestellt. „Die Anmeldebescheinigungen gelten bundesweit und haben eine Gültigkeit für zwei Jahre. Es ist davon auszugehen, dass Prostituierte, die zeitlich begrenzt in Limburg arbeiten, sich in anderen Kommunen angemeldet haben.“ Aus Sicht der Stadt ist die Lage im Augenblick ruhig. „Sollte sich das ändern, werden wir reagieren“, macht Laubach deutlich.

Darüber hinaus aber müsse geprüft werden, ob die Prostituierten nicht auch auf dem Rand der Ortsgemeinde Gückingen in der Verbandsgemeinde Diez unterwegs sind. Die fühlt sich indes nicht zuständig. Ulrich Sitzmann vom Ordnungsamt in Diez sagt, „es gibt keine Auffälligkeiten“. Er weist die Verantwortung an die Kreisverwaltung. Deren Pressesprecher Manfred Radermacher sieht das anders. Die Kontrollen übernehme das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde. Zwischenfälle an der Straße sind ihm nicht bekannt. Handlungsbedarf bestehe daher nicht.

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