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Deutlich weniger Amseln als noch vor einem Jahr haben die Vogelzähler des NABU Anfang Januar beobachtet.

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Wo sind all die Amseln im Nassauer Land geblieben?

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Die Zahl der Amseln im Nassauer Land ist – ebenso wie in ganz Deutschland – rückläufig. Dies zeigt die Zwischenbilanz der „Stunde der Wintervögel“, die bundesweite Vogelzählaktion des Naturschutzbunds (NABU). Nach Angaben des NABU Hessen sind die Wintervogelbestände aber insgesamt „recht stabil“.

Die nach wie vor häufigste Vogelart in den drei heimischen Landkreisen ist der Haussperling. Dies zeigt die Auswertung der „Stunde der Wintervögel“ des NABU Deutschland. Im Kreis Limburg-Weilburg wurden demnach 1358 Exemplare gezählt, im Rhein-Lahn-Kreis waren es 1002 und im Westerwaldkreis 1494. In allen drei Landkreisen registrierten die ehrenamtlichen Teilnehmer der bundesweiten Vogel-Zählaktion eine leichte Zunahme dieser Art, im Westerwaldkreis war sie mit sechs Prozent am deutlichsten. Die weitere Rangfolge der Zählungen lautet im Kreis-Limburg-Weilburg: Blaumeise, Kohlmeise, Feldsperling, Amsel, Elster, Grünfink und Buchfink.

Die Amsel ist in diesem Jahr bei den Naturbeobachtern das Sorgenkind

Sorgenkind der Naturbeobachter ist in diesem Jahr die Amsel, deren Zahl allein im Landkreis Limburg-Weilburg innerhalb von nur einem Jahr um 27 Prozent auf 481 Tiere abnahm, ebenso wie in ganz Hessen. „Das ist das schlechteste Ergebnis bisher, so der NABU-Landesvorsitzende Gerhard Eppler. In Rheinland-Pfalz fiel der Rückgang mit 20 Prozent etwas moderater aus, allerdings mit deutlichen lokalen Unterschieden: minus 22 Prozent im Rhein-Lahn-Kreis, plus drei Prozent im Westerwaldkreis.

Der Rückgang bei den Amseln hat nach Ansicht von NABU-Fachleuten zwei Ursachen. Der Vogelschutzbeauftragte des Kreises Limburg-Weilburg, Herbert Friedrich, macht vor allem das trockene Frühjahr verantwortlich. Während dieser Zeit hätten die Amseln nicht mehr genügend Regenwürmer gefunden, so dass es an ausreichend Futter für die Aufzucht der Jungvögel gefehlt habe. Laut Jonas Krause-Heiber von der NABU-Regionalstelle Rhein-Westerwald hat vor allem das Usutu-Virus die Zahl der Amseln dezimiert. Der tödliche Erreger habe sich von der Rheinebene her immer weiter ausgebreitet.

Bisher ist der Winter sehr mild

Die Zahl der gesichteten Blaumeisen hat abgenommen.

Wenn Vogelfreunde am heimischen Futterhäuschen insgesamt weniger zu zählen hatten, dann habe dies aber vor allem am Wetter gelegen. „Der bisher europaweit sehr milde Winter sorgt dafür, dass weniger Wintervögel aus dem Norden und Osten zu uns kommen und dass viele Waldvögel auch außerhalb der Gärten genug zu fressen finden und nicht zu den Futterstellen kommen“, sagte der Biologe Eppler. Die Zahlen für die typischen Futterhausbesucher Kohlmeise, Blaumeise, Eichelhäher, Buntspecht, Gimpel, Sumpf-, Tannen und Haubenmeise seien aus diesen Gründen niedriger als im Schnitt. Im Kreis Limburg-Weilburg gab es denn auch 12 Prozent weniger Blaumeisen (790) als noch vor einem Jahr und 25 Prozent weniger Kohlmeisen (779). Die Blaumeise ist damit die zweithäufigste heimische Vogelart vor der Kohlmeise. Lediglich im Westerwaldkreis ist es umgekehrt. Signifikante Rückgänge gab es im Nassauer Land auch beim Star, von dem beispielsweise im Kreis Limburg-Weilburg bis zu 74 Prozent weniger registriert wurden als vor einem Jahr. Ein Minus von 15 Prozent verzeichnet im Kreis Limburg-Weilburg auch der Feldsperling. In den rheinland-pfälzischen Nachbarlandkreise hingegen wurden deutlich mehr Feldsperlinge gesichtet.

Besonders augenfällig ist laut Eppler in diesem Jahr die große Zahl an nordischen Schwarmvögeln, die alle paar Jahre in größerer Menge nach Hessen einfliegen. „Am Zählwochenende wurden viele Erlen- und Birkenzeisige sowie Wacholderdrosseln beobachtet“, erläutert er. Der Einflug nordischer Wintergäste sei ein wahres Naturschauspiel gewesen.

Viele Vogelfreunde

Die „Stunde der Wintervögel“ ist nach NABU-Angaben die größte wissenschaftliche Mitmachaktion in Deutschland. Seit 2011 zählen ehrenamtliche Helfer Anfang Januar die Vogelbestände in den Gärten. In diesem Jahr verzeichnete der NABU eine Rekordbeteiligung. Allein im Kreis Limburg-Weilburg haben sich 219 Vogelfreunde an der Aktion beteiligt. Dabei wurden in 188 Gärten 6954 Vögel gezählt. Im Rhein-Lahn-Kreis haben 236 Vogelfreunde in 148 Gärten 6158 Vögel gemeldet, im Westerwaldkreis waren es in 231 Gärten 8257 Vögel. 312 Beobachter waren dabei.

„Wir freuen uns über die hohen Teilnehmerzahlen und das große Interesse an der heimischen Vogelwelt“, erklärte NABU-Landesvorsitzender Eppler. „So werden unsere Ergebnisse noch aussagekräftiger. Den Vögeln hilft es, wenn immer mehr Menschen ihren Garten als Mini-Naturschutzgebiet begreifen und ihn entsprechend vogelfreundlich gestalten.“

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