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Maximilian Eichler will katholischer Priester werden.

Kirchen

Skandale und Zölibat machen Suche nach Priesteranwärtern schwierig

Der katholischen Kirche in Deutschland fehlen nicht nur Mitglieder, auch der Priesternachwuchs wird knapp. Auf die evangelische Kirche rollt eine Pensionierungswelle zu.

Die beiden großen Kirchen im Land leiden unter Priestermangel. In der katholischen Kirche fehlt es an Nachwuchs, in der evangelischen gehen in den kommenden Jahren viele Geistliche in Rente. Priester aus dem Ausland sollen dazu beitragen, dass Gottesdienste selbst in kleinen Gemeinden weiter stattfinden. Einer von ihnen ist der Inder Joby Joseph.

„In Indien dauert ein Gottesdienst zwei Stunden, hier ist der Ablauf ganz anders“, sagt er. Joseph kommt aus dem Bundesstaat Kerala und lebt seit April 2017 in Deutschland. 2014 wurde er in Indien zum Priester geweiht und arbeitete zunächst ein Jahr in Kenia als Pfarrer. Zwei Sprachkurse hat der 33-Jährige bereits hinter sich, einen in Indien, einen in Deutschland. „Das war sehr schön und sehr intensiv“, sagt Joseph. Im Bistum Limburg waren im vergangenen Jahr 66 ausländische Priester tätig, meist aus Afrika und Indien. Wobei sie eher als Bereicherung gesehen werden, nicht als Ausgleich für den Nachwuchsmangel – zumindest offiziell.

Die nächsten ein bis zwei Jahre macht Joby Joseph ein Praktikum im rheinland-pfälzischen Herschbach. „Ich brauche noch viel Zeit, um eine Predigt zu schreiben“, gibt Joseph zu. Die lese er seinem Mentor vor, der Aussprache und Grammatik korrigiere. Nach dem Gottesdienst und in seiner Freizeit nimmt sich der junge Priester Zeit, mit der Gemeinde ins Gespräch zu kommen. „Ich finde, ich muss immer bereit sein, mit den Leuten zu reden und zu diskutieren“, sagt er. „Dabei wird mir oft gesagt, dass man mich gut versteht.“

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau versucht mit gezielter Nachwuchswerbung schon jetzt, genug Pfarramtskandidaten für die kommenden Jahre zu gewinnen. Auch Quereinsteiger und „Spätberufene“ sollen zum Zuge kommen. „Wir haben kein Nachwuchsproblem, sondern ein Ruhestandsproblem“, sagt Personaldezernent Jens Böhm. Bis 2020 könnten alle Stellen gut besetzt werden, sagt Pressesprecher Volker Rahn. „Aber dann wird es für etwa ein Jahrzehnt eng, da die geburtenstarken Jahrgänge in großer Zahl in den Ruhestand gehen.“ In diesem Jahr gingen 26 Pfarrer in den Rente, 38 würden neu eingestellt.

Noch stärker als die evangelische ist die katholische Kirche vom Ausbleiben des Nachwuchses betroffen. In Limburg gibt es derzeit 15 Priesteranwärter. 2018 folgt nach Angaben der Bistümer in Mainz und Limburg nur je ein Priester. 2017 gab es in Mainz keine Priesterweihe, in Limburg drei. Neben Priestern sind in katholischen Gemeinden auch Gemeinde- und Pastoralreferenten sowie Ständige Diakone tätig. So kommt den Laien eine immer größere Bedeutung zu.

„Natürlich ist es angesichts der Krisen, durch die das Ansehen der Kirche Schaden genommen hat, schwieriger geworden, sich mit der Institution Kirche zu identifizieren“, erläutert der Sprecher des Mainzer Bistums, Alexander Matschak. Zudem sei die Zahl der Jugendlichen, die sich in den Pfarreien engagieren, kleiner geworden. Aus diesem Kreis kamen bisher die meisten Interessenten für kirchliche Berufe. Das Zölibat könne ebenfalls eine Rolle spielen, aber sicherlich nicht die entscheidende.

Im Bistum Fulda hatten kürzlich zwei Priester ihr Amt niedergelegt, weil sie nicht mehr nach der von der Kirche verordneten Ehelosigkeit leben möchten. Einer der Pfarrer teilte mit, das Zölibat habe für ihn immer auch Einsamkeit bedeutet, das „kann ich nicht mehr länger für mich durchhalten“. Für Maximilian Eichler war die Ehelosigkeit bisher kein Hinderungsgrund. Der 26-Jährige ist einer von derzeit neun Priesteramtskandidaten des Bistums Mainz. „Die Kirche begleitet mich ein Leben lang“, sagt Eichler. „Mich hat es schon als Kind immer fasziniert, was während des Gottesdienstes passiert.“ Irgendwann wurde die Faszination so groß, dass Eichler beschloss, Theologie zu studieren.

Nach seiner Erstkommunion war Eichler Messdiener und erlebte Kirche als Gemeinschaft, wie er sagt. Später arbeitete er selbst als Gruppenleiter. Dementsprechend gelassen reagierten die Familie und enge Freunde auf Eichlers Entscheidung, Priester zu werden. „Für meine Familie war das kein Schock, die wussten, wie begeistert ich bin“, berichtet er. Sie hätten aber stets signalisiert, dass er sich auch anders entscheiden könne. Anfang August hat Eichler seinen Dienst als Diakon in Heppenheim angetreten. Er darf bei der Messe assistieren, das Evangelium verkünden und predigen. Dazu kommen Taufen, Beerdigungen oder Hochzeiten, bei denen er den Priester unterstützt.

„Mit der Diakonweihe habe ich mich an die Kirche gebunden und die Kirche sich an mich“, so Eichler. Sollte er es sich also noch einmal anders überlegen mit dem Beruf, könnte das schwierig werden.

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