+
Lyn Seyffert wollte mit dem Smartphone schnell etwas klären. Willi Kerkes machte sie auf die Gefahr aufmerksam.

Smartphones im Straßenverkehr

Smombies leben in der Innenstadt gefährlich

  • schließen

Der Auto-Club Europa (ACE) möchte die Bürger vor dem leichtsinnigen Umgang mit Smartphones warnen. Darum waren Vertreter des zweitgrößten Autobilclubs Deutschlands gestern in Limburg unterwegs, um an der Kreuzung Diezer Straße/Schiede Fußgänger zu zählen, die auf ihr Handy statt auf die Straße schauen.

„Die Menschen werden im Umgang mit Smartphones im Straßenverkehr immer unvorsichtiger.“ So lautet das Fazit von Uwe Völker, dem Regionalbeauftragten des Auto-Club Europa (ACE) nach einer Stunde Fußgängerzählen. Schon vor einem Jahr standen er und seine Mitstreiter um 13 Uhr an der Kreuzung Diezer Straße/Schiede und hielten Ausschau nach Smobies (Kombination aus Smartphone und Zombie). Damals war die war die Zahl der Fußgänger – vermutlich wegen der Temperaturen – deutlich größer. 2017 passierten 328 Fußgänger in 60 Minuten die Kreuzung, diesmal nur 163. Aber der Prozentsatz der Smartphone-Nutzer ging deutlich nach oben. 2018 schauten fünf Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen auf ihr Handy, diesmal 14 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen – es waren also 22 beziehungsweise 24 Prozent, die beim Gehen ein Phone nutzten.

„Jeder ist heute im Stress und denkt, dass er Textnachrichten sofort beantworten muss“, weiß Völker. Die Leute würden dabei immer gedankenloser, glaubt er. Jeder denke, er könne mehrere Dinge gleichzeitig machen. Doch das gehe nicht. Völker zeigt auf ein Beispiel: Eine junge Frau, die an der roten Ampel vor dem Kreishaus wartet. Sie schaut nicht auf den Verkehr, sondern abwechselnd auf das Phone-Display in der einen und ihre Unterlagen in der anderen Hand. Alle paar Sekunden schweift der Blick hin und her.

Telefonate, Mails und Musik sollten für Fußgänger tabu sein, sagt Willi Kerkes, Kreisvorsitzender des ACE aus Weilburg. Fußgänger sollten sich immer vor Augen halten, dass sie die schwächsten Verkehrsteilnehmer seien. Immerhin 60 Prozent aller Verkehrstoten seien Fußgänger. Alleine ein Telefonat lenke die Konzentration schon deutlich vom Straßenverkehr ab. Wenn die Leute aber dann auch noch nach unten schauten, wenn sie Whats-App-Nachrichten schreiben oder lesen würden, steige die Gefahr eines Unfalls noch einmal deutlich an. Besonders gefährlich sei es auch, als Verkehrsteilnehmer Musik zu hören und dabei Kopfhörer zu tragen. Denn dann bekomme man überhaupt nicht mehr mit, ob ein Krankenwagen heranrolle oder ein Autofahrer per Hupe ein Warnsignal geben wolle.

Völker sagt, dass die Unachtsamkeit vor allem bei jungen Leuten besonders groß ist – vor allem bei Mädchen, die offenbar kommunikationsfreudiger als Jungs sind. Da würden dann direkt nach Schulschluss ewig lange Textnachrichten ausgetauscht, weil man in der Schule selbst offenbar nicht genug zum miteinander Reden komme.

Auch wenn es gestern dem ACE vor allem um die Fußgänger ging, haben Uwe Völker und seine Kollegen auch alle anderen Verkehrsteilnehmer im Blick. Es sei problematisch, wenn ein Fahrradfahrer während der Fahrt Textnachrichten schreibt und nicht nach vorne schaut, oder ein Autofahrer. „In der einen Sekunde, wo du nach unten schaust, kannst du schon das Kind angefahren habe, das plötzlich auf die Straße läuft“, warnt Völker. Obwohl er eine Freisprechanlage fürs Telefonieren im Auto nutze, merke er, dass dies die Konzentration störe. „In dem Moment, wo mir ein anderer etwas sagt, über das ich nachdenken muss, bin ich mit dem Gedanken nicht beim Verkehr.“ Es sei ihm schon passiert, dass er geradeaus weitergefahren ist, obwohl er eigentlich rechts abbiegen wollte. Unverantwortlich sei es, wenn jemand auf der Autobahn bei Tempo 160 WhatsApps schreibe, statt auf den Verkehr zu achten. Viele seien dabei sehr flink, aber jede Konzentrationsstörung könne einen Unfall verursachen.

Uwe Völker ist dafür, dass alles verboten wird, was vom Straßenverkehr ablenkt. Denn selbst wer während der Fahrt trinke oder esse, werde dadurch abgelenkt. Von Brummifahrern, die während der Fahrt Videospiele spielen, fernsehen, Zeitung lesen oder Kaffee kochen, will er da gar nicht erst reden.

In Deutschland stirbt laut dem ACE-Regionalbeauftragten alle 16 Stunden ein Fußgänger, alle 68 Minuten werde einer schwer verletzt. Es gebe keine Zahlen, wie oft einer der Beteiligten durch ein Smartphone abgelenkt war. Völker geht davon aus, dass die Zahl der Fälle immer höher wird. Die Strafen seien jedenfalls zu gering: Zehn Euro für die illegale Handy-Nutzung auf dem Rad sowie 60 Euro plus ein Punkt in Flensburg für Autofahrer würden nichts bewirken.

Fußgänger bleiben bislang straffrei. „Dabei habe ich bei einer Zählung kürzlich in Weilburg erst erlebt, dass Schüler geschlossene Schranken ignorieren und einfach auf die Gleise laufen, weil sie durch ihre Smarthhones abgelenkt sind“, sagt Willi Kerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare