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Leerstehendes Gebäude

Was soll in den Rathausanbau?

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Im Laufe des Frühjahrs will die städtische Verwaltung auf die Dietkircher Höhe umziehen. Was passiert dann mit dem leerstehenden Rathausanbau an der Pusteblume? Die Limburger Investoren Klaus Rohletter und Marcel Kremer können sich dort ein Bürogebäude vorstellen mit Gastronomie im Erdgeschoss und Wohnungen im Obergeschoss.

Der Rathausanbau an der Pusteblume wird im Sommer nächsten Jahres weitgehend leer stehen, wenn die Verwaltungsmitarbeiter ihre alten Büros verlassen haben und dauerhaft in ihre neuen Büros im früheren Mundipharma-Gebäude auf die Dietkircher Höhe umgezogen sind, das die Stadt im August gekauft hat. Von Anfang an war im Gespräch, den Ende der 1960er-Jahre gebauten und inzwischen stark sanierungsbedürftigen Betonbau an der Pusteblume zu verkaufen; die Stadt kalkuliert immerhin mit Einnahmen in Höhe von geschätzt einer Million Euro.

Nachdem es bereits einen Interessenten gibt, der das Gebäude als Hotel umbauen lassen möchte, ist nun mit Klaus Rohletter ein zweiter Interessent aufgetaucht, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Investitionen in der Innenstadt getätigt hat. Der Vorstandsvorsitzende der Albert Weil AG steckt hinter dem neuen Arbeits- und Wohnquartier „Klostergärten“ zwischen der B 8 und der B 417 und ist seit September 2017 Eigentümer des Dom-Hotels in der Altstadt. Nun plant er zusammen mit dem Inhaber des Einkaufszentrums WERKStadt, Marcel Kremer, in der seit Jahren gemeinsam betriebenen Gesellschaft Domus GmbH, der das City-Parkhaus gehört, den Rathausanbau an der Pusteblume zu kaufen, ihn zu sanieren und dort überwiegend Büroflächen für heimische Unternehmen zu schaffen, die sie dort mieten können.

„Im Erdgeschoss können wir uns eine Gastronomie vorstellen, die dazu beitragen könnte, den Serenadenhof oder den Europaplatz zu beleben“, sagt Rohletter. In den von einem Architekten aus dem Landkreis bereits ausgearbeiteten Plänen, die demnächst dem Bürgermeister und dem Ersten Stadtrat vorgestellt werden sollen, ist auch eine – statisch erlaubte – Aufstockung um eine weitere Etage vorgesehen. In den oberen Stockwerken könnten Penthouse-Wohnungen entstehen. „Wenn wir das Gebäude erwerben können, wollen wir es nach der Sanierung behalten und alle Räume vermieten“, sagt er. Überwiegend sei jedoch eine Büronutzung geplant; diese solle dazu beitragen, die Innenstadt zu beleben und den Wegfall der städtischen Angestellten auszugleichen. Rohletter rechnet mit einer Ausschreibung für den Verkauf des Rathausanbaus frühestens im Jahr 2020. Bei einem Erfolg und der notwendigen Baugenehmigung könne der Umbau innerhalb eines Jahres vollzogen werden.

Ein früherer Kauf ist nicht möglich, weil nach dem Umzug der Verwaltungsmitarbeiter das Einwohnermeldeamt vorerst im Erdgeschoss des Rathausanbaus bleibt. Es ist bereits Teil des neuen Bürgerbüros, das im alten Rathaus an der Fußgängerzone untergebracht werden soll – nach einer Sanierung.

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Ein weiteres Hotel? „Auch ein neuer Anbieter hätte Probleme, die Zimmer vollzukriegen

Für den Unternehmer Klaus Rohletter wäre ein Zuschlag bei einer Ausschreibung für den Rathausanbau auch ein Erfolg in anderer Hinsicht: Denn Rohletter gehört zu den Unterzeichnern eines von Stefan Martin (Hotel Martin) initiierten offenen Briefs von acht Hotelbesitzern aus der Innenstadt, die sich gegen die Ansiedlung eines weiteren Hotels in der Innenstadt, und zwar im bisherigen Rathausanbau, ausgesprochen haben. Dafür gibt es einen ernsthaften Interessenten, der bereits an Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) herangetreten ist. Ein neues Hotel mit mindestens 80 Zimmern mitten in der Innenstadt sei ein starker Mitbewerber, sagt Rohletter, dem das Dom-Hotel gehört. Das werde zu einem Rückgang der Buchungen und einem höheren Leerstand der Zimmer führen. Das Dom-Hotel habe derzeit eine Zimmerauslastung von 55 Prozent und eine Bettenauslastung von unter 30 Prozent. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein neues Hotel in der Limburger Innenstadt wirtschaftlich betreiben lässt“, sagt Rohletter. „Auch ein neuer Anbieter hätte Probleme, die Zimmer vollzukriegen.“ Er könne verstehen, wenn Stadthallen-Chef Guido Lindeken von einem Tagungshotel in direkter Nachbarschaft zur Josef-Kohlmaier-Halle träume, aber es dauere Jahre, bis sich ein Tagungshotel etabliert habe, sagt Rohletter. Ein Tagungshotel trage darüber hinaus nicht zur Belebung einer Innenstadt bei, weil die meisten Tagungen innerhalb eines Tages vonstatten gingen – ohne eine Übernachtung. Rohletter kann sich stattdessen eine Wiederbelebung des Konzepts „Meeting City Limburg“ vorstellen. Die Idee: Stadt, Stadthalle und Hotels versuchen gemeinsam, Limburg als Tagungszentrum zu etablieren. Darüber habe es bereits seitens der Limburger Hotelbetreiber mit dem Stadthallen-Chef Gespräche gegeben, die nächstes Jahr fortgesetzt werden sollen. Ein weiteres, größeres Hotel in Limburg abzulehnen, lässt sich allerdings offenbar mit einer Vergrößerung bestehender Hotels vereinbaren: Der Stadt Limburg liegt seit Juli ein Bauantrag des Hotels „Zur Eisenbahn“ (18 Zimmer) vor, das mehr Zimmer schaffen will. Das gilt auch für das Dom-Hotel mit seinen bislang 42 Zimmern: Im nächsten Jahr sei geplant, acht bis zehn zusätzliche Doppelzimmer zu schaffen, kündigt Rohletter an. Dies solle zum einen der Nachfrage nach Einzelbetten von Montag bis Freitag Rechnung tragen und zum anderen dazu beitragen, am Wochenende den touristischen Bedarf an Doppelbetten zu decken. Das klingt nach einem Aufschwung in der heimischen Hotelbranche, doch Rohletter wiegelt ab: Durch den Rückzug von Mundipharma habe das Dom-Hotel knapp zehn Prozent an Übernachtungen eingebüßt. „Und das versuchen wir aufzuholen.“ dick

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