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Spannendes über die Geschichte der Stadt erfahren

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Von: Robin Klöppel

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Stadtführer Winfried Prokasky (rechts) sprach gestern beim Weltgästeführertag über Feuer und Naturgewalten in Limburg seit dem Mittelalter. FOTOs: robin klöppel
Stadtführer Winfried Prokasky (rechts) sprach gestern beim Weltgästeführertag über Feuer und Naturgewalten in Limburg seit dem Mittelalter. © Robin Klöppel

Auch zwölf Sonderführungen stehen auf dem Programm 144 Personen haben sich angemeldet.

Limburg -Die Limburger Stadtführer haben anlässlich des Weltgästeführertages zu Saisonbeginn zu kostenlosen Schnupperführungen eingeladen. Neben den normalen Angeboten standen zwölf Sonderthemen wie "Limburgs Heilige und Dämonen", "Essen und Trinken im Mittelalter" und "Kirche und Klöster in Limburg" auf dem Programm.

Wie Paul-Josef Hagen von der Touristinfo am Sonntag mitteilte, hätten sich für die Führungen insgesamt 144 Personen offiziell angemeldet. Dazu kämen noch die Personen, die spontan hinzu kämen. "Mit der Resonanz sind wir sehr zufrieden. Denn wir waren aufgrund der Corona-Lage lange Zeit unsicher, ob wir dieses Jahr überhaupt etwas machen können und hatten folglich nur eine Woche Vorlauf", betonte Hagen.

Neben den allgemeinen Führungen sorgte vor allem die "Sagenhafte Führung" mit 18 Anmeldungen für hohe Resonanz, wo es um Sagen und Geschichten der Limburger Altstadt ging. Gleich dahinter folgte mit zwölf Anmeldungen die Führung, die wir Sonntagnachmittag begleiteten: Winfried Prokasky berichtete bei "Wehe wenn sie losgelassen" über Feuer und Naturgewalten in Limburg seit dem Mittelalter.

Historie aus einem

anderen Blickwinkel

Teilnehmer Klaus Michler sagte: "Ich bin kein Ur-Limburger. Von daher ist es interessant für mich, solche geschichtlichen Hintergründe zu erfahren." Peter Possekel aus Eisenbach erklärte: "Ich habe noch nie eine Limburger Stadtführung gemacht." Es sei sehr interessant, mal Geschichte aus einem anderen Blickwinkel zu erfahren. Rainer Edel interessiert sich prinzipiell sehr für das Thema Katastrophen. Er wollte einfach mal erfahren, durch welche Fehler sie damals ausgelöst worden seien.

Wie Paul-Josef Hagen berichtete, gehörten sämtliche gestern präsentierten Themen zum Standardrepertoire der Stadtführer. Gruppen könnten aus insgesamt 31 verschiedenen Angeboten wählen. Winfried Prokasky startete seine Tour bewusst an der "Pusteblume". Denn dort sei die Limburger Feuerwehr lange untergebracht gewesen, bevor das Feuerwehrhaus 1962 dann in Richtung Marktplatz umgezogen sei. Prokaskys Familie hat in Limburg eine große Feuerwehrgeschichte. Sein Großvater Karl war früher derjenige, der mit Pferden die Spritze zum Einsatzort gezogen hat. Der Führer erinnerte auch an Zeiten, als Bütten und Pumpen noch auf Kufen hätten zur Brandstelle geschleift werden müssen.

Turnverein-Aktive als

erste Feuerwehrleute

Winfried Prokasky weiß, dass nicht nur in Limburg Aktive des Turnvereins die ersten freiwilligen Feuerwehrleute gewesen seien. Denn die hätten am besten klettern können. "Früher gab es ja noch keine Drehleitern", sagte der Stadtführer. Also hätten die Aktiven Leitern an den Fenstern der Häuser eingehängt und seien dann hochgeklettert. Im Serenadenhof habe es auch ein Steigerhaus gegeben, an dem die Mitglieder Einsatzabteilung das Klettern für Ernstfälle üben konnten.

Am Historischen Rathaus berichtete Prokasky, dass früher Hochzeitspaare zwei Ledereimer kaufen musste. Den einen hat man fürs eigene Haus zum Löschen bei Bränden gebraucht, der zweite wurde bei der Stadt abgegeben. Früher wurden die Aktiven bei Bränden nach den beruflichen Fähigkeiten eingeteilt, wie der Führer zu berichten wusste. An vorderster Front hätten beispielsweise Maurer, Zimmerleute und Dachdecker gestanden, die sich mit den Häusern ausgekannt hätten.

So seien in Limburg bei Bränden auch immer zwei Schuhmachermeister dabei gewesen. Die hätten bei Schäden Lederschläuche sofort flicken können. Ebenfalls war laut Winfried Prokasky bei schweren Bränden stets ein Mitglied des Limburger Stadtrates anwesend. Denn manchmal hätten schnell Entscheidungen getroffen werden müssen, die der Stadt nicht unerhebliche Kosten verursacht hätten - beispielsweise wenn entschieden werden musste, ob das Einreißen einer Mauer notwendig sei. Früher seien bei Bränden die Stadttore stets geschlossen gewesen, um Plünderungen der während der Einsätze verlassenen Häusern zu verhindern.

Prokasky erzählte auch von den zwei größten Stadtbränden im Mittelalter. Den größten von 1289 überstanden nur die Gebäude am Domberg, so dass es in Limburg kein älteres Fachwerkhaus gebe. 1342 habe es dann den zweiten großen Brand am Bonifatiustag gegeben, bei dem Ostwind die Flammen von Bereich Rütsche in Richtung Diezer Straße getrieben habe. Da dort alles niederbrannte, konnte man laut Prokasky vom Ausgangspunkt des Feuers aus bis zu den Stadtmauern sehen. Auch das Riesenhochwasser der Lahn von 1342 sowie der Pestausbruch 1348 hätten zur Verarmung der Herren von Limburg beigetragen.

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