In Limburg geht ein Fall der Kindesmisshandlung vor Gericht.
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In Limburg geht ein Fall der Kindesmisshandlung vor Gericht.

Urteil in Limburg

Nach Drogenrausch: Vater schüttelt Baby – und verursacht Behinderung

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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In Limburg landet ein spektakulärer Fall vor Gericht. Ein Mann soll seinen fünf Monate alten Sohn so heftig geschüttelt haben, dass dieser eine lebenslange Behinderung erlitt.

Limburg – Eine Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten fordert die Staatsanwaltschaft im Verfahren vor dem Landgericht gegen einen Mann, der im Februar vergangenen Jahres seinen damals fünf Monate alten Sohn schwer misshandelt und verletzt haben soll. Der heute 34-Jährige habe an jenem Nachmittag in seiner Wohnung in Villmar Cannabis konsumiert und seinen Drogenrausch ausschlafen wollen. Als der kleine Junge zu quengeln und zu schreien begann und sich nicht beruhigen ließ, habe der Angeklagte "die Fassung und jegliche Hemmung verloren", sagte Staatsanwaltschaft Manuel Jung in seinem Schlussvortrag.

Der Mann habe "das Kind um jeden Preis zur Ruhe bringen" wollen. Deshalb "nahm er den Kleinen aus seinem Bett und schüttelte ihn für einige Sekunden mit erheblicher Intensität". Der Junge musste wegen eines massiven Schütteltraumas notoperiert werden, überlebte schwer verletzt und wird geistig und körperlich behindert sein. Ein eigenständiges Leben werde er nie führen können, sagte Jung.

Psychaterin vor Gericht: Vater voll schuldfähig

Dass der Angeklagte diese Folgen nicht beabsichtigt habe, sei durchaus vorstellbar, räumte der Staatsanwalt ein. Allerdings habe der Mann wissen müssen, was er seinem Kind antat. Er habe den Jungen in "gefühlloser Gesinnung aus nichtigem Anlass geschüttelt". Anhaltspunkte für eine "besondere Belastung" gibt es Staatsanwalt Jung zufolge nicht, zumal der Mann nur rund 25 Minuten mit dem Kind allein gewesen sei.

Dass eine besondere Belastung des Angeklagten zu der Tat geführt habe, kann auch die psychiatrische Gutachterin Dr. Angelika Marc nicht feststellen. Ihre Untersuchung des 34-Jährigen habe weder eine Drogenabhängigkeit aufgedeckt noch den Schluss zugelassen, dass der Mann im Drogenrausch handelte. Er selbst hatte im Prozess ausgesagt, Marihuana geraucht und "total stoned" gewesen zu sein. Sprachnachrichten an die Mutter des Kindes sowie die Aussagen der Notärzte und Polizisten bestätigen das indes nicht. "Er ist voll schuldfähig", sagte die Psychiaterin vor Gericht.

Verteidiger Olaf Wolff sieht das anders. Sein Mandant sei ein guter Vater, der "für wenige Sekunden versagt" und sich "sorgfaltswidrig" verhalten habe. Mit dem geforderten Strafmaß "schießt die Staatsanwaltschaft übers Ziel hinaus", sagte Wolff. Er plädierte dafür, den Angeklagten wegen seines Drogenkonsums im Maßregelvollzug unterzubringen. Anders als Staatsanwaltschaft und Verteidigung erklärte Rechtsanwältin Katja Boderke, die die Mutter des Jungen vertritt, es gehe ihrer Mandantin nicht um das Strafmaß. Die Mutter müsse endlich wissen, was an jenem Nachmittag geschehen sei, an dem innerhalb von 30 Sekunden ihr eigenes Leben und das ihres Sohnes aus den Angeln gehoben worden sei. Das habe die Beweisaufnahme ergeben.

Das Urteil wird am kommenden Mittwoch, 8. September, um 10 Uhr verkündet. (Anken Bohnhorst)

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