Der heimischen Wirtschaft geht es gut, bilanzierten IHK-Hauptgeschäftsführer Norbert Oestreicher (li.) und Alfred Jung.
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Der heimischen Wirtschaft geht es gut, bilanzierten IHK-Hauptgeschäftsführer Norbert Oestreicher (li.) und Alfred Jung.

IHK-Bezirk Limburg

„Stabiler Mittelstand“

Der heimischen Wirtschaft geht es sehr gut: Das ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage, die die IHK Limburg-Weilburg zum Jahreswechsel bei 350 Unternehmen aus der Region durchgeführt hat. Allerdings fehlen noch immer „positive Impulse durch die Politik“.

Die Konjunkturumfrage bei 350 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Limburg-Weilburg zeigt „sehr erfreuliche Ergebnisse“, erklärte deren Hauptgeschäftsführer Norbert Oestreicher bei der Präsentation der aktuellen Viermonatsbilanz am gestrigen Freitag. Tatsächlich bewerten 54 Prozent der befragten Unternehmen die wirtschaftliche Lage als gut, und noch 40 Prozent finden die Situation befriedigend. „Die Unternehmen im Landkreis stufen ihre Geschäftslage zum Jahresanfang überdurchschnittlich gut ein, nur ganz wenige klagen“, kommentierte Oestreicher. Der Geschäftsklimaindex, also die Zusammenfassung der konjunkturellen Beurteilung aller befragten Unternehmen, hat mit 131 Punkten sogar einen neuen Höchstwert erreicht. Der Wert im Herbst hatte noch bei 126 Punkten, der vergleichbare Vorjahreswert bei 122 Punkten gelegen.

Die Unternehmenslandschaft der Region sei von einem „stabilen Mittelstand“ geprägt, sagte Oestreicher. „Wir haben hier einen guten Branchenmix mit tragfähigen Strukturen.“ Die Mehrheit der Firmen werde von Familien geführt; es gebe im IHK-Bezirk Limburg, also im gesamten Landkreis, nur wenige Unternehmen, die von externen Managern geleitet werden. Günstig auf die „mehr als befriedigende“ Beurteilung hätten sich zudem der schwache Euro, der Verfall der Mineralölpreise sowie das niedrige Zinsniveau ausgewirkt, stellte der Hauptgeschäftsführer fest.

Firmen wollen investieren

Um diese positiven Perspektiven auszubauen, spreche sich die IHK daher ausdrücklich für die Realisierung des Transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP aus, betonte auch IHK-Sprecher Alfred Jung.

Auf die einzelnen Branchen bezogen nimmt das produzierende Gewerbe mit 135 Punkten den Spitzenplatz beim Konjunkturklimaindex ein. 60 Prozent der befragten Industrieunternehmen bezeichneten ihre gegenwärtige Lage als gut, 36 Prozent äußerten sich zufrieden. Beim Baugewerbe fallen die Umfragewerte sogar noch positiver aus: 67 Prozent der Befragten bezeichnen die Lage als gut, 33 Prozent sind zufrieden. Die Erwartungen seien optimistisch, analysierte Jung, weshalb „jedes zweite IHK-Unternehmen aus dem produzierenden Bereich im Jahr 2016 im Ausland investieren“ will.

Beim Handel hat sich der in Umfragen ermittelte Klimaindex bei 118 Punkte eingependelt, wobei der heimische Einzelhandel mit 110 Punkten „relativ gut“, der Großhandel mit 136 Punkten „sehr viel positiver“ sei, sagte Oestreicher. Die Großhändler und Handelsvermittler bezeichneten ihre Lage als gut und befriedigend; 33 Prozent der Befragten konnten in den zurückliegenden vier Monaten ihre Umsätze steigern, 13 Prozent hatten Umsatzrückgänge zu verkraften.

Glückliche Dienstleister

Im Einzelhandel ist die Lage dagegen eher schwierig: Hier stuften 20 Prozent der Befragten ihre wirtschaftliche Lage als schlecht ein; 16 Prozent erwarten in diesem Jahr eine Verschlechterung ihrer Situation. Allerdings zeige sich hier auch vorsichtiger Optimismus, erläuterte der IHK-Hauptgeschäftsführer. „20 Prozent erwarten für die kommenden zwölf Monate eine Verbesserung ihrer Geschäftslage.“

Für den Dienstleistungsbereich zeichnet sich Oestreicher zufolge eine sehr gute Entwicklung ab. „Die aktuelle Geschäftslage wird von 55 Prozent der Unternehmen als gut bewertet und nur von vier Prozent als schlecht.“ 30 Prozent der Dienstleister gehen für das neue Jahr von einer günstigen Entwicklung aus. Allein im Gastgewerbe beurteilt man die Zukunftsaussichten skeptisch. Hier sei auch die Investitionsbereitschaft mäßig.

Trotz dieser Ergebnisse müsse man auch mögliche Risiken und wirtschaftliche Hemmnisse bedenken, mahnte Norbert Oestreicher und forderte „endlich eine Aufbruchsstimmung des Staates“. Die angekündigte Investitionsoffensive in infrastrukturelle Maßnahmen und in Bildung „ist noch nicht angekommen.“ Auch der Fachkräftemangel, der kurzfristig jedenfalls nicht durch den Einsatz von Flüchtlingen behoben werden könne, gebe ebenso Anlass zu wachsender Sorge wie „nicht planbare Ereignisse“, die die innere Sicherheit bedrohen könnten. Auch wenn gegenwärtig Optimismus vorherrsche, „sehen die Unternehmen auch die Risiken für die weitere konjunkturelle Entwicklung“. abv

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